
(Bild: natatravel, shutterstock)
Afrikanische Länder wollen Atomkraft künftig verstärkt nutzen. Und auch als Uran-Lieferanten spielen einige eine bedeutende Rolle. Doch es gibt Schwierigkeiten.
Etwa 14 Prozent der weltweiten Uranproduktion stammen aus afrikanischen Ländern, vor allem aus Namibia, Niger und Südafrika. Diese Länder sind weltweit bedeutende Uranlieferanten. Sie spielen eine bedeutende Rolle in der globalen Lieferkette und streben – wie Namibia und Südafrika – eigene Anlagen zur Herstellung von U3O8 (Yellow Cake) an.
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Südafrika hat seine Urananreichungsanlagen zusammen mit seinem Atomwaffenprogramm in den 1990er Jahren aufgegeben, strebt nun aber eine Renaissance bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie an.
Doch die interessantesten Entwicklungen bezüglich des Uranbergbaus in Afrika entfalten sich derzeit in Niger.
Niger verstaatlicht Uranabbau
Denn die Militärregierung in Niger hat den Uranabbau verstaatlicht und so den Bruch mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich vertieft. Die Junta verkündete die Übernahme des Unternehmens Somaïr, einer Tochtergesellschaft des französischen Konzerns Orano, wie der französische Sender RFI berichtet.
Als Begründung nannte die Regierung ein „unverantwortliches, illegales und unfaires“ Verhalten Oranos. Ein Großteil des nigrischen Urans wurde traditionell für den Betrieb französischer Atomkraftwerke eingesetzt. Orano ist seit über 50 Jahren Hauptakteur im Uranabbau in Niger.
Milliarden für Frankreich, Armut für Niger
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Die Uranförderung in Niger begann 1971 in Arlit am südlichen Rand der Sahara und wurde drei Jahre später in Akokan erweitert. Bis 2024 hatten 158.472 Tonnen Uran das Land verlassen, was nach heutigen Preisen einem Weltmarktpreis von fast 24,5 Milliarden US-Dollar entspricht.
Doch der Uranreichtum hat den Menschen in Niger nichts gebracht. Noch heute gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Die französische Ausbeutung wurde auch nach der Unabhängigkeit 1960 durch den französischen Staat und den Konzern Areva, der heute Orano heißt, fortgeführt. Das Unternehmen Somaïr hat in seiner gesamten Geschichte 81.861 Tonnen Uran gefördert, davon gingen laut „ActuNiger“ rund 86 Prozent an Orano.
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Schiedsverfahren und Exportstopp
Nun hat der französische Konzern Orano, der weiterhin mehr als 60 Prozent der Anteile an Somaïr hält, die operative Kontrolle über das Unternehmen verloren. Daraufhin leitete Orano mehrere internationale Schiedsverfahren gegen Niger ein.
Die Verstaatlichung ist Teil einer umfassenden politischen Neuausrichtung. Seit dem Putsch im Juli 2023 vollzieht das Militär im Niger eine Ablösung von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Dazu gehört auch eine stärkere Kontrolle über die Rohstoffvorkommen des Landes.
Die Folgen des Konflikts wiegen jedoch schwer: Berichten zufolge kann Niger derzeit 1.800 Tonnen Uran im Schätzwert von rund 380 Millionen Dollar nicht exportieren. Denn potenzielle Käufer wie die russische Rosatom müssen damit rechnen, in einen internationalen Rechtsstreit hineingezogen zu werden.
Nach dem Putsch hat die Regierung außerdem den russischen Staatskonzern Rosatom eingeladen, im Uranbergbau in Niger aktiv zu werden und auch, Uran direkt zu kaufen. Doch die Umsetzung dieses Geschäfts ist kompliziert, da Niger keinen Zugang zur See hat.
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Radioaktive Hinterlassenschaft gefährdet Gesundheit
Niger hat zudem eine strahlende Hinterlassenschaft: 20 Millionen Tonnen radioaktiver Abraum liegen offen und ungeschützt um die Minen. Die Hintergrundstrahlung ist 200-fach erhöht.
Eine lokale Nichtregierungsorganisation beauftragte ein französisches Labor, das Gelände beim Arlit untersuchen. Die Messergebnisse waren verheeren. So war das Trinkwasser zehn- bis hundertmal stärker mit Radioaktivität belastet als von der WHO empfohlen.
Weitere Untersuchungen bestätigten, dass ein Teil des Wassers, mit dem die Stadt Agadez versorgt wird, noch immer einen zu hohen Urangehalt aufweist. Auch wurden die Rückstände aus der Aufbereitung, und Abraumhalden nicht saniert.
Umbau der westlichen Lieferketten: USA …
Diese Entwicklung trägt zur weltweiten Umschichtung der Uran-Lieferketten bei – weg von russischen Quellen und Ländern, die mit Russland in Verbindung gebracht werden. Vor allem die USA haben ihre Importe umgestellt. Washington bezog 2024 noch vier Prozent der Atommaterials aus Russland gegenüber zwölf Prozent ein Jahr zuvor.
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Weitere Lieferländer sind Kasachstan, Usbekistan, Kanada, Australien. Letzteres verfügt übrigens über die weltweit größten gesicherten Vorkommen von fast 13 Millionen Tonnen – fast so viel wie die nächsten drei Kanada, Kasachstan und Niger zusammengenommen.
Auch fördern die USA jetzt mit ganz erheblichen Mittel den heimischen Uranbergbau.
… und Frankreich
Frankreich bezieht weiterhin wesentliche Teile seiner Uranimporte von Russland. Das Blatt bezieht sich dabei auf eine Veröffentlichung von Greenpeace Frankreich. Bei dem etwas traurigen Versuch, ihre umweltpolitische Agenda mittels Russlandschelte voranzubringen, unterlassen es Aktivisten allerdings, Zahlen zu nennen.
Ein Blick auf die Zahlen von 2023 zeigt, dass Frankreich seinerzeit etwa ein Viertel seiner Uranimporte aus Niger bezog. Es kursieren Berichte, dass Frankreich sein Uran aus Arlit ursprünglich für nur 0,8 Euro das Kilo bezogen hat. Andere Quellen belegen, dass Niamey allerdings mindestens seit 2013 versucht hat, von Frankreich Weltmarktpreise für das strahlende Metall zu bekommen.
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Wie Frankreich seine Uran-Importstruktur umbaut, ist derzeit offensichtlich noch ein gut gehütetes Geheimnis. Aber schon 2023 waren Kasachstan, Usbekistan, Kanada und Australien bedeutende Lieferländer. Nun führt Paris zusätzlich Verhandlungen mit Botswana, um dort vielleicht wieder extragünstig einkaufen zu können.
Uran ist teuer geworden
Uran wird nicht in Kilogramm, sondern in der amerikanischen Einheit Pfund als sogenanntes „Yellowcake“ (Uranoxid, U3O8) gehandelt. Der aktuelle Kurs liegt bei rund 86 US-Dollar pro Pfund (lb) was etwa 0,4536 kg entspricht. Das ergibt einen Materialpreis von etwa 190 US-Dollar pro Kilogramm.
Vor sechs Jahren kostete Uran nur etwa ein Viertel des heutigen Preises (20 US-Dollar/lb) . Die Rally, die seitdem stattgefunden hat, braucht den Vergleich mit Gold Keineswegs zu scheuen.