Wenn zwei Franziskanerinnen aus Kenia den weiten Weg nach Friedberg auf sich nehmen, dann geht es um weit mehr als einen Höflichkeitsbesuch. Gemeinsam mit Dr. Nikolas Haller Hörmann von und zu Guttenberg, Vorsitzender des Friedberger Vereins „Matumaini for Africa e.V.“, besprachen sie in diesen Tagen die nächsten Schritte einer Zusammenarbeit, die seit vielen Jahren das Leben zahlreicher Kinder und Familien in Kenia verbessert.
Auf dem aktuellen Foto stehen die beiden Ordensschwestern Seite an Seite mit dem Friedberger Arzt. Das Bild symbolisiert eine Partnerschaft, die längst über Kontinente hinweg gewachsen ist. Seit mehr als zwölf Jahren engagiert sich Haller und sein Verein für Straßen- und Waisenkinder in Nairobi und unterstützt gemeinsam mit seinem Verein nachhaltige Hilfsprojekte Dabei verfolgt er konsequent ein Prinzip, das für ihn zum Leitmotiv geworden ist: Hilfe zur Selbsthilfe.
Der Name des Vereins ist Programm. „Matumaini“ bedeutet auf Suaheli „Hoffnung“. Genau diese Hoffnung möchte der Verein Menschen schenken, die oftmals unter schwierigsten Bedingungen leben müssen. Besonders die Straßen- und Waisenkinder im Stadtteil Kasarani, einem Vorort der kenianischen Hauptstadt Nairobi, stehen dabei im Mittelpunkt der Arbeit.
Für. Haller begann alles während eines Aufenthalts in Kenia mit 19 Jahren. Schon früh wurde ihm bewusst, mit welchen Herausforderungen die Menschen dort täglich konfrontiert sind. Während in Deutschland medizinische Versorgung, Bildung und soziale Absicherung vielfach selbstverständlich erscheinen, fehlen in vielen Regionen Kenias selbst grundlegende Strukturen.
Die Erfahrungen vor Ort haben ihn nachhaltig geprägt. Heute arbeitet Haller als Arzt im Krankenhaus Friedberg. Gleichzeitig bleibt er eng mit den Menschen in Nairobi verbunden. Gerade deshalb setzt er sich dafür ein, dass Hilfsmaßnahmen nicht nur kurzfristige Verbesserungen bringen, sondern langfristige Perspektiven schaffen.
„Menschen zu befähigen, ihr Leben selbstständig zu verbessern, ist nachhaltig“ lautet die Grundüberzeugung, die sich durch die gesamte Vereinsarbeit zieht. Was einst mit einzelnen Hilfsaktionen begann, hat sich im Laufe der Jahre zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte entwickelt. Gemeinsam mit Unterstützern, Spendern und ehrenamtlichen Helfern konnte der Verein zahlreiche Projekte verwirklichen.
Dazu gehören unter anderem die Ausstattung von Schulen mit Möbeln und Lernmaterialien, die Anschaffung von Sportgeräten für Kinder und Jugendliche sowie die Unterstützung von Bildungsprogrammen. Auch Patenschaften ermöglichen Kindern den Schulbesuch und eröffnen ihnen damit bessere Zukunftschancen. Ferner wurden Computerarbeitsplätze eingerichtet, Lehrmaterialien beschafft und Maßnahmen zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung umgesetzt.
Auch im medizinischen Bereich konnte der Verein bereits wichtige Akzente setzen. So wurden unter anderem medizinische Lehrbücher finanziert, Schulungsmaterial bereitgestellt und sogar ein Krankenwagen mitfinanziert, der bis heute wertvolle Dienste leistet.
Der aktuelle Besuch der Franziskanerinnen in Friedberg zeigt, dass die Zusammenarbeit weiter wächst. In persönlichen Gesprächen wurden bestehende Projekte ausgewertet und neue Vorhaben entwickelt. Die Schwestern kennen die Situation vor Ort genau und können unmittelbar berichten, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.
Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die medizinische Versorgung vieler Menschen weiterhin eine große Herausforderung darstellt. Noch immer können sich zahlreiche Familien notwendige Behandlungen nicht leisten. Krankheiten werden oft zu spät erkannt oder bleiben unbehandelt, weil die finanziellen Mittel fehlen. Genau hier setzt die Vision an, die Haller und seine Partner seit einiger Zeit verfolgen.
Ein besonders ambitioniertes Vorhaben steht bereits auf der Agenda: Der Bau eines kleinen Krankenhauses beziehungsweise Gesundheitszentrums für sozial schwache Menschen im ländlichen Gebiet um Nairobi. Das geplante Projekt soll insbesondere denjenigen zugutekommen, die bislang nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Ziel ist es, eine Einrichtung zu schaffen, in der grundlegende medizinische Leistungen bezahlbar und dauerhaft verfügbar sind.
Für Dr. Nikolas Haller ist dieses Projekt weit mehr als ein Bauvorhaben. Es wäre die konsequente Fortsetzung seiner bisherigen Arbeit. Als Arzt weiß er, wie entscheidend eine frühzeitige medizinische Versorgung für die Lebensqualität und die Zukunftsperspektiven eines Menschen sein kann.
Noch befindet sich das Vorhaben in der Planungsphase. Der Besuch der Franziskanerinnen diente daher auch dazu, Möglichkeiten der Umsetzung auszuloten und die nächsten Schritte gemeinsam zu besprechen. (AZ)
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