Nick Woltemade reagiert auf eine vergebene Torchance im Testspiel gegen Ghana

Einzelkritik

Stand: 30.03.2026 • 23:31 Uhr

Der knappe 2:1 (1:0)-Testspielerfolg gegen Ghana war für Nick Woltemade ein Spiegelbild seiner sportlichen Situation. Lennart Karl betrieb Eigenwerbung und auch ein Startelf-Debütant machte seinen Job durchaus stark. Die Einzelkritik.

Alexander Nübel: Beim Gegentor war Nübel machtlos, ansonsten hatte der Stuttgarter bei seinem „Heimspiel“, das ihm Bundestrainer Julian Nagelsmann als Belohnung an diesem Montagabend geschenkt hatte, nichts zu tun.

Joshua Kimmich: Im ersten Durchgang war Kimmich der omnipräsente Mann im Spielaufbau. Von seiner bei Ballbesitz gewohnten, etwas zentraleren Position spielte der Kapitän viele Pässe, verteidigte bissig und probierte es oft mit Halbfeld- und Chip-Flanken – die kamen aber an anderen Tagen schon einmal besser an. Im zweiten Durchgang tauchte er etwas ab.

Jonathan Tah: Defensiv wenig gefordert, bei den seltenen gefährlichen Situationen agierte Tah aber souverän. Vergab vorne im Strafraum selbst zwei gute Chancen, von denen auch ein Innenverteidiger mindestens eine verwerten darf.

Nico Schlotterbeck: Schlotterbeck leistete sich in der 17. Minute einen üblen Fehlpass im Aufbau, anders als gegen die Schweiz wurde der aber nicht bestraft. Der Dortmunder war defensiv in der 51. Minute dann in höchster Not zur Stelle, als er im Zentrum mit dem Bein und gutem Timing das 1:1 verhinderte.

Nathaniel Brown (bis 61.): Bot mit seiner Schnelligkeit immer wieder Tiefe auf der linken Seite an, zog damit die gegnerische Defensive mit und öffnete Räume für Wirtz. Dabei hielt er anders als Kimmich auf der anderen Seite mehr seinen Flügel. Der Startelf-Debütant zeigte in der Restabsicherung gegen zwei Konter seinen guten Antritt und seine angesichts seines jungen Alters doch beeindruckende Ruhe. Ein Auftritt, der eine Tür in den WM-Kader zumindest ein Stück weiter geöffnet haben dürfte.

Pascal Groß (bis 61.): Im Vergleich zu Stiller war der Routinier in der Zentrale der weniger auffällige Part, machte aber einen grundsoliden Job und zeigte sich gewohnt kombinations- und passsicher.

Angelo Stiller (bis 61.): Streute früh mal den ein oder anderen Fehlpass im Aufbau ein, von denen aber keiner problematisch wurde. Dann wurde Stiller immer besser, brachte auch die ein oder andere gefährliche Ecke in den Strafraum, war engagiert im Offensivspiel und sehr viel am Ball, defensiv aber wenig gefordert. Kurz vor der Pause holte der Stuttgarter den Elfmeter raus, der am Ende das 1:0 bedeutete. Ein insgesamt ordentlicher Auftritt.

Serge Gnabry (bis 46.): Gnabry schoss in der 23. Minute aus der Distanz knapp am gegnerischen Tor vorbei und war in seiner einen Halbzeit lange nicht so auffällig wie noch gegen die Schweiz. In den Kombinationen zeigte der Münchner sich aber wie eigentlich immer als verlässlicher Spielpartner für seine Kollegen.

Nick Woltemade (bis 77.): Es war ein sinnbildliches Spiel für die aktuelle Situation des Nick Woltemade. Immer wenn er dann mal im Angriffsdrittel an den Ball kam, wurde es für Ghana gefährlich. In den Kombinationen war der Mann von Newcastle United ein echter Mehrwert, hatte tolle Ideen, erarbeitete sich auch Chancen, aber vergab diese dann eben auch und stand in der ein oder anderen Szene auch sehr unglücklich im Weg. Einen seiner Hochkaräter muss ein Spieler seines Formats, Alter hin oder her, aber nutzen, wenn er bei der WM gesetzt sein möchte.

Florian Wirtz (bis 61.): Der Dominator gegen die Schweiz setzte in der 6. Minute einen Freistoß an den Pfosten und erzielte in der 32. dann das vermeintliche Führungstor, das aber wegen einer knappen Abseitsstellung von Woltemade nicht gegeben wurde. Wirtz war auch defensiv, wenn es notwendig war, mit vollem Einsatz im Zweikampf und körperlich enorm präsent. Der Liverpooler glänzte zwar nicht so wie gegen die Schweiz, zementierte aber seine Rolle als Anführer in der deutschen Offensive mit dieser starken Performance.

Kai Havertz (bis 46.): Havertz machte Ghana vor allem in den ersten 25 Minuten enorme Probleme. Der Angreifer vom FC Arsenal war auf seiner rechten Seite und bei seinen Ausflügen nach innen mehrfach nur durch Fouls zu stoppen und extrem inspiriert in den deutschen Kombinationen. Eigentlich immer wenn er am Ball war, wurde es gefährlich. Havertz zeigte, dass er auch abseits des Sturmzentrums ein belebendes Element für das deutsche Spiel sein kann und betrieb somit massig Eigenwerbung in Richtung WM. Krönte seine gute Leistung mit dem souverän verwandelten Elfmeter kurz vor der Pause.

Einwechselspieler

Antonio Rüdiger (46. Minute für Jonathan Tah): War gerade einmal sechs Minuten auf dem Platz, als er bei einem Dribbling von Semenyo gar nicht gut aussah und die Flanke nicht verhindern konnte. Ansonsten wie all seine Innenverteidiger-Kollegen nicht so oft gefordert.

Deniz Undav (46. für Serge Gnabry): Undav wurde von den Fans in Stuttgart schon im ersten Durchgang lautstark gefeiert und gefordert. In der Halbzeit brachte Julian Nagelsmann den Angreifer dann auf den Rasen. Wirklich zeigen konnte der sich allerdings lange nicht. Und dann zeigte sich eben, dass dieser Deniz Undav aktuell anders als beispielsweise Woltemade gerade einen Lauf hat. Mit seiner ersten Chance gelang ihm in echter Stürmer-Manier kurz vor Schluss das Siegtor.

Lennart Karl (46. für Kai Havertz): In der 52. Minute brachte Karl von der Grundlinie direkt eine tolle Flanke auf Woltemade. Fünf Minuten später eroberte er den Ball, ließ drei Mann auf engstem Raum stehen und war dann am Strafraumrand nur durch ein Foul zu stoppen. Der Münchner agierte unbekümmert, quirlig und war eine absolute Bereicherung. In der 85. Minute reihte er sich allerdings ein in den Reigen vergebener Chancen. Gerade als Einwechselspieler kann man sich den Youngster aber dennoch bei der WM sehr gut im deutschen Aufgebot vorstellen.

Leon Goretzka, Chris Führich, David Raum und Josha Vagnoman (alle 61. Minute für Pascal Groß, Angelo Stiller, Nathaniel Brown und Florian Wirtz): Aus dem Quartett betrieben nicht alle wirklich Eigenwerbung. Mit der Vierfach-Einwechslung kam ein sichtbarer Bruch ins deutsche Spiel. Beim Gegentor sah vor allem Vagnoman auf dem Flügel ganz schlecht aus, als er gegen Derrick Köhn pomadig verteidigte. Raum hatte zuvor das Abseits aufgehoben und konnte den Einschlag in der Mitte dann auch nicht mehr verhindern. Leon Goretzka war allerdings bei der Schlussoffensive mehrfach entscheidend an gefährlichen deutschen Angriffen beteiligt.

Leory Sané (77. für Nick Woltemade): Kam spät, bereitete aber mit einem beherzten Vorstoß und anschließendem Kopfball das 2:1 vor.