Mit einer Gedenkfeier hat die ruandische Gemeinschaft in Lauchringen an die Opfer des Genozids an den Tutsi 1994 erinnert. Höhepunkt war der Besuch des ruandischen Botschafters Igor César. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Vereinen und Zivilgesellschaft nahmen an der Feier teil, schreibt der Verein Gemeinsam mit Save/Ruanda in einer Mitteilung.
Erste und einzige Gedenkfeier in Deutschland
Die Veranstaltung begann an der Gedenkstätte auf dem Friedhof Oberlauchringen, die erste und einzige in Deutschland. In seiner Ansprache erinnerte der Vorsitzende des Vereins Ibuka Deutschland, Philibert Gakuba, an die mehr als eine Million Menschen, die in 100 Tagen dem Genozid zum Opfer fielen. Er sprach von einer „tiefen Dunkelheit“, die Ruanda vor 32 Jahren erfasst habe, erinnerte aber auch an jene Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens Verfolgte schützten.
Wahrheit bewahren und Würde der Opfer schützen
Nach der Kranzniederlegung und einer Schweigeminute führte der „Walk to Remember“ die Teilnehmer zum Pfarrheim St. Andreas. Dort sprach César von der Verantwortung, die Wahrheit zu bewahren und die Würde der Opfer zu schützen. Der Gedenkstein in Lauchringen sei ein sichtbares Zeichen gegen Geschichtsverfälschung und Leugnung. „Lassen Sie uns das Versprechen ‚Nie wieder‘ durch entschlossenes Handeln einlösen“, appellierte er.
Mit einem Verweis auf den Iran schlug Noch-Bürgermeister Thomas Schäuble den Bogen in die Gegenwart. Hass, Hetze und Ausgrenzung seien keine Phänomene der Vergangenheit. Umso wichtiger seien Gemeinschaft, Zusammenhalt und eine lebendige Erinnerungskultur.
Einen persönlichen Akzent setzte Peter Schallmayer vom Verein Gemeinsam mit Save/Ruanda, der die Gedenkstätte initiiert hatte. Im Mittelpunkt seiner Rede stand die Begegnung als Gegenentwurf zu Hass und Ausgrenzung. „Ein Genozid beginnt dort, wo Menschen aufhören, einander als Menschen zu sehen“, sagte er. Mit Blick auf die Schulpartnerschaft zwischen der Justus-von-Liebig-Schule Waldshut (JLS) und dem Collège Immaculée Conception Save betonte Schallmayer, Lehrer an der JLS, die Kraft persönlicher Begegnungen: „Wer einem Menschen begegnet ist, kann ihn nicht mehr so leicht zum Feind erklären.“
Besonders bewegend war der Beitrag der Überlebenden Tete Loeper. Aus ihren Memoiren „Shut up and hide!“ wurden Passagen vorgelesen, die den Genozid aus der Perspektive eines vierjährigen Kindes schildern. Daran schlossen sich Gedichte von Judence Kayitesi an, die die Leitgedanken von Kwibuka aufgriffen: Erinnern, Vereinen und Erneuern. Die vielleicht eindrücklichste Botschaft kam beim Beisammensein. Eine ruandische Teilnehmerin dankte den Organisatoren: „Ihr habt uns hier in Lauchringen ein Zuhause gegeben.“ (pm/sav)