Die Türkei hat die Leichen des bei einem
Flugzeugabsturz getöteten libyschen Generalstabschefs Mohammed al-Haddad

und seiner Delegation in das nordafrikanische Land überführt.
Hochrangige Regierungsvertreter, darunter Verteidigungsminister Yaşar Güler, nahmen gemeinsam mit dem libyschen Botschafter und trauernden
Angehörigen an der Zeremonie auf dem Luftwaffenstützpunkt Mürted in
Ankara teil, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. 

Der Privatjet, der die Delegation nach Gesprächen in Ankara zurück nach Tripolis bringen sollte,
war am Dienstag abgestürzt. Alle fünf Delegationsmitglieder, darunter
Al-Haddad, sowie drei Besatzungsmitglieder kamen dabei nach türkischen
Angaben ums Leben. Die Türkei gilt als wichtigster Unterstützer der Regierung in Tripolis.

Doch keine Auswertung der Blackbox in Deutschland

Der türkische Justizminister Yılmaz Tunç hatte am Freitag
mitgeteilt, dass die am Absturzort geborgenen Überreste im forensischen
Institut Ankara durch einen Abgleich der DNA von Familienmitgliedern,
die aus Libyen eingeflogen waren, identifiziert worden seien. 

Deutschland wurde als unparteiische dritte
Partei zunächst gebeten, die Flugschreiber des Jets auszuwerten. Das
libysche Innenministerium in Tripolis teilte unter Berufung auf
türkische Ermittler jetzt mit, dass Deutschland dies abgelehnt
habe
. Es gebe für eine Blackbox des betroffenen Flugzeugtyps „keine
entsprechenden technischen Mittel“, hieß es. Stattdessen solle die Blackbox nun in
Großbritannien ausgewertet werden.

© Lea Dohle

Newsletter
Was jetzt? – Der tägliche Morgenüberblick

Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement.

In Libyen gab es nach dem Sturz des
Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 viele Jahre lang einen Bürgerkrieg.
Heute ist das nordafrikanische Land, in dem Milizen und ausländische
Staaten weiter um Macht und Ressourcen ringen, faktisch gespalten.
Al-Haddad zählte zu den Führungsfiguren beim Versuch, die militärischen
Strukturen der verfeindeten Regierungen in West- und Ost-Libyen nach den
schweren Kämpfen von 2019 und 2020 zu vereinen. Bei offiziellen
Besuchen im Ausland, wie zuletzt in der Türkei, bemühte er sich auch um die Bildung einer regulären nationalen Armee in dem nordafrikanischen Land.