
Norwegens Erling Haaland und Senegals Sadio Mané sind die Rekordtorschützen ihrer beiden Länder. Im zweiten WM-Gruppenspiel am Dienstag (2 Uhr MESZ) kommt es zum direkten Kräftemessen – wenn auch unter unterschiedlichen Vorzeichen.
Denn während der eine gerade erst sein Debüt bei einer Weltmeisterschaft gegeben hat, läutet der andere mit 34 Jahren so langsam aber sicher seinen Abschied ein. Im Vorfeld des Turniers hatte Mané selbst angekündigt, dass die WM 2026 für ihn die letzte mit den „Löwen von Teranga“ sein wird.
Bei Haaland deutet dagegen nichts auf ein Karriereende hin – im Gegenteil. Norwegens Naturgewalt im Angriff lieferte bei seiner WM-Premiere gegen den Irak (4:1) gleich einen Auftakt nach Maß, wie man es von ihm mittlerweile gewohnt ist: Egal in welchem Wettbewerb er debütiert, Tore folgen fast zwangsläufig. Dass es nicht bei seinen bisherigen zwei WM-Treffern bleiben wird, scheint nur eine Frage der Zeit.
Haaland mit 25 Jahren Rekordtorschütze Norwegens
Seine Bilanz auf Nationalmannschaftsebene sucht ohnehin ihresgleichen: Allein in der Qualifikation steuerte er 16 der 37 norwegischen Tore bei. Mit 25 Jahren steht er bereits bei 57 Treffern in 51 Länderspielen und ist damit Rekordtorschütze seines Landes. Einen Titel, den auch Mané innehat, allerdings benötigte dieser für seine 54 Tore fast doppelt so viele Einsätze (127).
Bei der 1:3-Auftaktniederlage gegen Frankreich blieb er ohne Treffer. Dabei war der Senegal in der ersten Hälfte phasenweise sogar die bessere Mannschaft. Eine Pausenführung wäre durchaus verdient gewesen, doch Ismaila Sarr und Nicolas Jackson ließen ihre Chancen liegen. Mané selbst überzeugte zwar durch Einsatz und Laufarbeit, blieb offensiv aber blass. Den Anschlusstreffer erzielte stattdessen der erst 18-jährige Ibrahim Mbaye.
Afrika-Cup – Mané spricht ein Machtwort
Trotzdem darf Manés Einfluss auf das Team nicht unterschätzt werden. Schließlich war er es, der seine Mannschaft beim skandalträchtigen Afrika-Cup-Finale zurück aus der Kabine auf den Platz holte, nachdem Trainer Pape Thiaw sein Team aus Protest hatte vom Feld gehen lassen. „Er kam rein und schrie uns an, auf den Platz zu gehen und das Spiel zu Ende zu bringen“, erinnerte sich Mittelfeldspieler Lamine Camara später. „Wenn Sadio redet, hört jeder zu.“
Diese Episode zeigt, welchen Status der seit mittlerweile drei Jahren in Saudi-Arabien bei Al-Nassr spielende Mané in seiner Heimat genießt. Gemeinsam mit Abwehrchef Kalidou Koulibaly und Torhüter Edouard Mendy bildet er die erfahrene Achse, auf der die Hoffnungen des Senegal ruhen, doch noch die Gruppenphase zu überstehen. Dass dies trotz der Auftaktniederlage alles andere als ausgeschlossen ist, hat die starke erste Halbzeit gegen Frankreich gezeigt. Gelingt es der Mannschaft, ihre spielerische Klasse über 90 Minuten aufs Feld zu bringen, dürfte auch Norwegen ins Schwitzen geraten.
Sadio Mane jubelt über sein Tor im Halbfinale des Afrika-Cups
Norwegens Defensive hat noch Luft nach oben
Denn in der Defensive zeigte sich die Elf von Trainer Stale Solbakken beim Auftaktsieg keineswegs sattelfest. In der Viererkette wies einzig Kristoffer Ajer eine positive Zweikampfbilanz auf, während David Möller Wolfe nur 35 Prozent seiner Duelle für sich entschied. Gegen den Irak konnte Norwegen solche Wackler im Abwehrverbund dank seiner Durchschlagskraft im Angriff auffangen, weil vor allem auf Haalands Abschlussqualitäten Verlass war. „Wenn es ernst wird und etwas auf dem Spiel steht, sieht man ihm den Hunger immer an. Er ist eine Maschine“, sagte Mitspieler Sander Berge.
Haaland selbst gab sich nach seinem Debüt betont bescheiden: „Es ist fantastisch, und ich bin stolz auf alle, dass uns so ein guter Start gelungen ist. Man hatte einen Sieg von uns erwartet, und glücklicherweise haben wir gewonnen“, sagte er.
Haaland macht aus 15 Ballkontakten zwei Treffer
Dass ihm die Auszeichnung zum „Man of the Match“ eher nebensächlich erschien, passt zu seinem Auftritt: In 90 Minuten kam er nur 15 Mal an den Ball, war phasenweise überhaupt nicht zu sehen – und verwertete seine wenigen Aktionen dennoch zu fünf Torschüssen sowie zwei Treffern. Es war bereits sein 16. Doppelpack im 51. Länderspiel. Haaland ist eben ein kompletter Mittelstürmer.
Im direkten Duell mit dem Senegal bietet sich ihm und Norwegen nun die Chance, frühzeitig den Einzug ins Sechzehntelfinale klarzumachen. Mané und der Senegal hingegen stehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Nachdem er die vorangegangene WM in Katar verletzungsbedingt verpasst hatte, ist es für Senegals Identifikationsfigur die letzte Gelegenheit, sich auf der großen Bühne zu zeigen. Ein Abschied, den er sich nicht durch ein frühes Ausscheiden in der Gruppenphase nehmen lassen will.