Angeführt vom früheren Dortmunder Jude Bellingham und Bayerns Stürmerstar Harry Kane hat sich England bei der Fußball-WM den Gruppensieg gesichert. Das Team von Trainer Thomas Tuchel setzte sich nach einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei mit 2:0 (0:0) gegen Panama durch und trifft im Sechzehntelfinale auf DR Kongo
Bellingham glänzte vor 80.663 Zuschauern zunächst als Torschütze (62. Minute) und dann als Vorbereiter für Kane (67.). Der Kapitän der Engländer stieg durch seinen Kopfballtreffer zu ihrem alleinigen WM-Rekordtorschützen auf. Panamas WM-Vorrundenaus hatte bereits vor dem Spiel festgestanden.
Tuchel mit erster Halbzeit unzufrieden
Tuchel beorderte erstmals in diesem Turnier Marcus Rashford und Bukayo Saka in die Startelf. Ein weiterer Beleg dafür, wie hochkarätig der Kader der Three Lions gerade in der Offensive besetzt ist. Rashford, vergangene Saison von Manchester United an den FC Barcelona ausgeliehen, gehörte in der ersten Halbzeit auch zu den Aktivposten. Doch insgesamt taten sich die Engländer gegen die kompakt verteidigenden Mittelamerikaner extrem schwer.
Der 52-jährige Tuchel hatte sich zwar auf ein Geduldsspiel und eine komplexe Aufgabe eingestellt. Dass sich seine Mannschaft trotz klarer Dominanz vor der Pause nur so wenige Chancen herausspielte, gefiel dem früheren Trainer des FC Bayern München und von Borussia Dortmund aber gar nicht. Phasenweise gestikulierte er im Regen von East Rutherford wild an der Seitenlinie.
Kane vor der Pause kaum ein Faktor
Mal versuchten es die Engländer mit Schüssen aus der zweiten Reihe. Mal suchten sie Bayern-Topstar Kane. Ihre Flanken erreichten den 32 Jahre alten Mittelstürmer im ersten Durchgang allerdings nicht.
Panama lauerte auf Konter und wurde vor allem durch José Luis Rodriguez ein Mal gefährlich. Der Offensivmann scheiterte mit seinem strammen Schuss von der halblinken Seite aber an Englands Keeper Jordan Pickford (26.).
Für Englands bis dahin größte Chance im Spiel sorgte Panama kurz nach dem Seitenwechsel selbst: José Cordoba schoss bei einer Rettungsaktion im eigenen Fünfmeterraum Mitspieler Andres Andrade an – und von dem flog der Ball knapp über das Tor. Ein Raunen ging durch Englands Fankurve direkt dahinter. Der Treffer hätte wegen einer Abseitsstellung aber wohl nicht gezählt.
Beckham schaut auf der Tribüne zu
Die Partie nahm nun Fahrt auf. Erneut der auffällige Rodriguez hämmerte den Ball über den Kasten der Engländer (57.), auf der Gegenseite scheiterte Kane an Panamas Schlussmann Orlando Mosqura (58.). Auch Englands einstiger Topspieler David Beckham auf der Tribüne schien Gefallen an dem Ganzen zu finden. Als er auf der Videoleinwand eingeblendet wurde, gab’s lauten Jubel.
Kurz darauf schlugen die Three Lions zu – und zwar gleich doppelt. Erst traf Bellingham, seit 2023 bei Real Madrid, nach einer Ecke mit dem linken Fuß zum 1:0. Dann erhöhte Kane nach einer Flanke des früheren BVB-Stars per Kopf auf 2:0. Für den Angreifer war es der elfte WM-Treffer seiner Karriere. Er ließ Ex-Profi Gary Lineker (10) in der ewigen WM-Torjägerliste der Engländer damit hinter sich.
Luka Modric darf mit Kroatien bei seiner wohl letzten WM erneut auf eine magische Reise in der K.o.-Phase hoffen. Das bislang enttäuschende Team um den 40 Jahre alten Kapitän lieferte mal wieder zu einem ganz wichtigen Zeitpunkt ab und bezwang Ghana im Vorrundenfinale mit 2:1 (1:0). Damit ziehen die Vatreni mit sechs Punkten als Gruppenzweiter ins Sechzehntelfinale ein, dort geht es am 2. Juli in Toronto gegen Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo.
2018 und 2022 hatte die mittlerweile in die Jahre gekommene goldene Generation um Modric jeweils in der K.o.-Phase Sensationen in Serie geliefert und sich mit der Vize-Weltmeisterschaft sowie Rang drei belohnt. Diesmal trafen Petar Sucic (30.) und Nikola Vlasic (83.) entscheidend, Derrick Luckassen (73., nach Videobeweis) glich zwischenzeitlich aus.
„Es ist nicht einfach, die Erfolge zu wiederholen. Aber wir werden es versuchen. Wir haben erst einen kleinen Schritt nach vorne gemacht“, sagte Trainer Zlatko Dalic: „Wir müssen erstmal versuchen, das nächste Spiel zu gewinnen.“
Ghana stand bereits zuvor im Sechzehntelfinale, wo es nun am 3. Juli gegen Kolumbien geht. Im amerikanischen Kansas City wird auch Schlüsselspieler Thomas Partey trotz der Vorwürfe wegen Vergewaltigung spielen dürfen.
Die Kroaten hatten nach den enttäuschenden Auftritten gegen England und Panama deutliche Kritik einstecken müssen. Hinter die Leistungsfähigkeit der Routiniers wie Modric (40), Ivan Perisic (37) oder Andrej Kramaric (35) wurden in der Heimat große Fragezeichen gestellt. „Wir können wichtige Spiele“, tönte Perisic trotzig. Das zeigte die routinierte Elf in der Anfangsphase aber kaum, der unbedingte Siegeswille war nicht erkennbar.
Die Vatreni überließen den Ghanaern viel den Ball, zogen sich erstmal in die eigene Hälfte zurück. Das Lauern auf Umschaltmomente hatte auch fast Erfolg, im Anschluss an einen katastrophalen Ballverlust der Black Stars setzte Nikola Vlasic den Ball aus 16 Metern an den Außenpfosten (17.). Ghana machte nichts aus seinem Plus an Spielanteilen, nach einem schlimmen Abspielfehler von Wolfsburgs Jonas Adjetey traf stattdessen Sucic auf der Gegenseite mit einem verdeckten Schuss.
Mit der Führung im Rücken agierte Kroatien auch etwas mutiger, gab so aber auch mehr Räume her. Ghanas Starspieler Antoine Semenyo (40.) setzte den Ball nach einer Einzelaktion nur Zentimeter vorbei. Nach dem Wechsel machte der viermalige Afrika-Champion gleich gehörig Druck, kam immer wieder gefährlich vors Tor. Das Team von Zlatko Dalic schaltete dagegen komplett in den Verwaltungsmodus – und wurde nach einem Standard von Luckassen bestraft. Doch Vlasic schlug nach einer Ecke zurück.