Freude bei Deniz Undav nach seinem Siegtreffer im Testspiel gegen Ghana

Stand: 30.03.2026 • 23:22 Uhr

Im letzten Test vor der Kadernominierung im Mai hat Deniz Undav das DFB-Team vor einem Dämpfer bewahrt. Der Angreifer des VfB Stuttgart traf in der 88. Minute zum 2:1 (1:0)-Sieg gegen Ghana. Zuvor war das Stürmerthema schon ein großes, seine Kontrahenten Kai Havertz und Nick Woltemade machten unterschiedliche Erfahrungen, Havertz traf per Elfmeter zum 1:0 (45.+3), Woltemade vergab zwei Großchancen.


Sebastian Hochrainer

Schon in der ersten Halbzeit hatte das Stuttgarter Publikum den VfB-Stürmer mehrfach mit Sprechchören bedacht, Undav bedankte sich mit dem Daumen nach oben, stand dafür auch von der Ersatzbank auf. Auf der saß er, weil sich Bundestrainer Julian Nagelsmann für Nick Woltemade im Sturmzentrum entschieden hatte; Havertz spielte auch wieder von Beginn an, diesmal als Rechtsaußen.


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Undav will sich aus der Jokerrolle schießen

Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam Undav ins Spiel, war lange so gut wie gar nicht zu sehen, doch kurz vor Schluss sorgte er dann für die Erlösung und einen wichtigen Sieg, der die WM-Laune weiter hochhält. Nach einer Kopfballvorlage von Leroy Sané nahm der VfB-Profi den Ball mit dem linken Oberschenkel an und drückte ihn mit dem ausgestreckten rechten Bein ins Tor (88.) – eine typische Undav-Aktion.

Vor der Partie hatte Nagelsmann darauf hingewiesen, dass der 29-Jährige bei ihm eine Jokerrolle innehabe, weil er dann am meisten glänzen würde, wenn die gegnerischen Abwehrspieler müde seien. Der Bundestrainer behielt recht, Undav will aber mehr. „Für mich war es top, eingewechselt zu werden und das Tor zu machen. Das war ein perfekter Abend für mich“, sagte er im Sportschau-Interview und fügte an: „Ich kenne meine Rolle, aber durch Tore kann sich die verändern.“

Undav will in die Startelf, Nagelsmann bremst ihn

Undav bedankte sich nach der Partie auch bei „seinen“ Stuttgarter Fans. „Es war krass, wie sie hinter mir stehen, ich genieße das“, sagte der Torheld des Abends, er übte aber auch Kritik, weil es Pfiffe für Sané bei dessen Einwechslung gegeben hatte. „Ich fand es für mich schön, aber ich bete, dass sowas nicht mehr passiert, wenn Leroy reinkommt. Das fand ich schade, weil im Endeffekt sind wir eine Mannschaft und alle sollten supportet werden.“

Deniz Undav bedankte sich in der ersten Halbzeit bei den Fans, die seinen Namen skandieren.

Auch Nagelsmann fand die Pfiffe „nicht schön. Wenn ein Spieler den Adler auf der Brust trägt, sollte er unterstützt werden, so lange er ihn trägt.“ Der Bundestrainer schob allerdings den Avancen von Undav, sich doch noch in die Startelf zu spielen, einen Riegel vor: „Wir werden sehen, aber es ist eher unwahrscheinlich, weil ich die Rollengespräche nicht für den März geführt habe, sondern für die WM.“

Dennoch hatte auch Nagelsmann lobende Worte für seinen Joker übrig. „Er hatte bis dahin, glaube ich, keine Aktion, aber dann war er entscheidend. Dafür ist er auf dem Platz, das Tor macht er schon gut, das war nicht leicht auf dem engen Raum. Das, was ein Torjäger machen muss, hat er gemacht“, so der 38-Jährige im Sportschau-Interview.

Starker Start des DFB-Teams, Woltemade im Blickpunkt

Das Spiel wirkte zunächst, als würde Deutschland offensiv da weitermachen, wo es beim 4:3 in der Schweiz aufgehört hatte, und Ghana defensiv da weitermachen, wo es beim 1:5 gegen Österreich aufgehört hatte. Bereits in der vierten Minute hatte das DFB-Team die erste Großchance: Havertz war als Rechtsaußen durch, legte quer auf Nick Woltemade, der den Ball nicht voll traf und am Tor vorbeischob. Kurz darauf vergab Florian Wirtz die zweite Möglichkeit, sein Freistoß aus 17 Metern ging an den Außenpfosten (6.).

Erst in der 31. Minute kam das DFB-Team den verdienten Torerfolg wieder nahe, nach einer Freistoßflanke von Joshua Kimmich flog Benjamin Asare erst am Ball vorbei, dann grätschte der Torhüter aber noch in den Schuss von Jonathan Tah und lenkte ihn drüber. Wenig später traf Wirtz nach starker Vorlage von Woltemade, der Stürmer hatte zuvor aber knapp im Abseits gestanden (33.).

Havertz vom Elfmeterpunkt gewohnt sicher

Kurz vor der Pause belohnte sich die Mannschaft von Bundestrainer Nagelsmann für einen dominanten, aber nicht immer vor Spielfreude strotzenden Auftritt. Jonas Adjetey blockte einen Schuss von Angelo Stiller mit dem Arm, nach Ansicht der Videobilder entschied Schiedsrichter Stuart Atwell zu Recht auf Elfmeter. Havertz trat an und verwandelte zum 22. Mal bei seinem 23. Karriere-Strafstoß – vor drei Jahren hatte er bei einem DFB-Test gegen Peru (2:0) mal verschossen.

Kai Havertz (v.) verwandelt einen Elfmeter im Testspiel gegen Ghana

Im zweiten Durchgang machte zunächst ein anderer Nagelsmann-Joker auf sich aufmerksam: Lennart Karl spielte eine starke Flanke mit seinem schwächeren rechten Fuß genau auf den Kopf von Woltemade, doch auch diese Gelegenheit ließ der Stürmer von Newcastle United liegen, die Latte verhinderte sein fünftes Tor im DFB-Trikot (54.). Später glich Ghana aus – jedoch nur nach Aluminiumtreffern: Jordan Ayew traf nach einer Eckballvariante den Außenpfosten (63.).

DFB-Dämpfer durch Issahaku Fatawu

Wenige Minuten später dann machte es Ghana genauer. Derrick Köhn ließ Josha Vagnoman ganz alt aussehen, spielte den Ball in den Rückraum und dort verwandelte Issahaku Fatawu die Vorlage punktgenau flach ins lange Eck (70.). Diese Aktion war auch das Resultat einer schwächer werdenden Leistung des DFB-Teams, das sichtlich darunter litt, dass der ausgewechselte Wirtz nicht mehr auf dem Platz war.

In der Schlussphase konnte die deutsche Mannschaft abgesehen von einer Chance für Karl (86.), der aus kurzer Distanz das gegnerische Tor verfehlte, lange keine allzu große Gefahr mehr entwickeln. Doch dann gab es das Happy End für Undav, das Stuttgarter Publikum und das DFB-Team.

Bundestrainer Nagelsmann mit letztem Test zufrieden

„Das Spiel ist aus unserer Sicht top gelaufen, man hat gesehen, dass wir richtig gut sind, wenn wir taktisch diszipliniert sind“, sagte Nagelsmann, der aber sowohl kritisierte, dass sein Team nach starken 25 Minuten die Geduld verlor, als auch, dass es verpasste, das Spiel frühzeitig zu entschieden. „Insgesamt haben wir besser gespielt als gegen die Schweiz, auch wenn wir weniger Tore gemacht haben. Das 1:1 dürfen wir so nicht kriegen, das war schon sehr einfach.“

Am 12. Mai wird Nagelsmann den Kader für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bekannt geben, 13 Tage später beginnt das erste Trainingslager in Herzogenaurach. Nach zwei weiteren Tests (gegen Finnland und USA) steigt am 14. Juni das erste Gruppenspiel gegen Curacao.