Die Bundesanwaltschaft hat in Hessen einen Mann wegen mutmaßlichen Völkermordes sowie 25-fachen Mordes in Ruanda festnehmen lassen. Die Behörde wirft dem Deutsch-Ruander vor, 1994 als Assistent des Bürgermeisters der Kommune Kayove im Nordwesten
des Landes die Ermordung von insgesamt 25 Tutsi angeordnet zu haben.

In einer Mitteilung dazu hieß es, er habe seine Autorität bereits im Vorfeld genutzt, um zur Vernichtung von Tutsi in seiner Gemeinde
anzustacheln. Außerdem habe er entsprechende Todeslisten anlegen lassen. »In einem Fall beteiligte sich der Beschuldigte eigenhändig an der Ermordung eines Mannes, dem er mit einem Messer in die Brust schnitt«, hieß es.

Die Beamten des Bundeskriminalamtes nahmen den Beschuldigten nach Angaben des Generalbundesanwalts im Main-Kinzig-Kreis fest. Demnach wird der Mann noch am heutigen Mittwoch heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt.

Mindestens 800.000 Menschen starben in 100 Tagen

In Ruanda hatten Hutu-Milizen im April 1994 nach einer monatelangen, von der damaligen Regierung gesteuerten Hasskampagne gegen die ethnische Minderheit der Tutsi begonnen, Tutsi und gemäßigte Hutu zu ermorden. Dabei wurden innerhalb von nur 100 Tagen mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu in dem ostafrikanischen Land getötet. Die Opfer wurden mit Macheten zerstückelt oder bei lebendigem Leib verbrannt.

Zu dem Völkermord führten ethnische Spannungen und Konkurrenzkämpfe, die noch auf kolonialen Ursprüngen beruhten. Er gilt heute auch als Versagen der internationalen Gemeinschaft. Diese reagierte erst spät und zunächst zögerlich.

Im Dezember 2015 war ein Mann aufgrund seiner Beteiligung am Völkermord in Ruanda zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Er war als Mittäter für das Kirchenmassaker von Kiziguro verantwortlich gemacht worden. Dabei wurden im April 1994 mindestens 400 Tutsi getötet. Gemeinsam mit anderen ruandischen Autoritätspersonen hatte der Verurteilte das Töten angeordnet und befehligt.

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