Der Fußball ist ein Datensport geworden. Jeder Sprint wird gemessen, jeder Laufweg kartiert, jedes Pressing in Pfeile und Zonen übersetzt. Nicht einmal das weltweit berühmteste Goldlager, Fort Knox, dürfte so gut überwacht sein wie der Rasen eines Fußballstadions bei dieser Weltmeisterschaft. Und trotzdem gelang es drei Flitzern, bei der Partie Belgien gegen Senegal in Seattle auf den Platz zu stürmen. Weil die Ordner ein Verhalten an den Tag legten, das man sonst nur von Verteidigern aus der B-Klasse kennt – erst schauen, dann starten.

Einer davon ist gleich fünf Ordnern davongelaufen. Ein Schelm, wer denkt, dass er dabei mehr Eins-gegen-Eins-Duelle gewonnen hat, als alle deutschen Offensivspieler in den vier WM-Spielen zusammengenommen. Muss der DFB nun darüber nachdenken, den Mann einzubürgern? Aktuell scheint die deutsche Mannschaft auf jedes Talent angewiesen. Spaß beiseite. Oder doch nicht? Zumindest hat sich der Sender Magenta TV einen kleinen Scherz erlaubt und sich dabei die vielen Kameras zunutze gemacht, die eigentlich Videomaterial für die Analysten liefern sollen.

Ordner stellen Flitzer nach 150-Meter-Sprint

„Es geht um Intensität, um Pressingverhalten, Schwarmverhalten, es ist alles drin“, witzelt Analyse-Teamchef Jan Henkel, während er die Laufwege der Flitzer genauer unter die Lupe nimmt. Die Beschleunigung eines Ordners auf den ersten Metern sei der Wahnsinn, macht er weiter. Ebendieser Ordner schaffte es dann auch, einen der drei Störenfriede zu stellen und im griechisch-römischen Stil mustergültig umzunieten. Zwei Punkte hätte es für diese Aktion beim Ringen gegeben. Man könnte sagen, der Ordnungshüter hatte den unbedingten Willen, der der DFB-Elf im Turnier eher abging.

Den Flitzer, der es aber – zumindest kurzzeitig – schaffte zu entkommen, bezeichnete Henkel als den „Messi“ der Flitzer. 25 Kilometer pro Stunde Spitzengeschwindigkeit können sich durchaus sehen lassen. Nach knapp 150 Metern, die er im Vollsprint zurückgelegt hatte, schien ihm dann doch etwas die Puste auszugehen. Mit einem Fünf-gegen-Eins-Gegenpressing im Strafraum schafften es die Ordner, den Mann zu stellen. Daran hätten sich die deutschen Verteidiger beim 1:0 für Paraguay durch Julio Encisco ein Beispiel nehmen können.

Flitzer sorgen für Stimmung bei Fußball-WM

Auch wenn eine solche Aktion natürlich nicht gutgeheißen werden kann und eine Gefahr für die Sicherheit der Spieler darstellt, quittierten sie die Zuschauer mit lautem Jubel. Besonders für die belgischen Fans war es immerhin spannender als das, was sie bis zu diesem Zeitpunkt von ihrer Mannschaft zu sehen bekommen hatten.