Ich bin sehr froh, heute hier in Luanda zu sein – und noch froher bin ich, dass Angola heute nicht Basketball spielt. Nicht etwa, weil ich Basketball nicht mögen würde. Aber ich habe mir sagen lassen: Als Angola im August hier in Luanda afrikanischer Meister wurde, da stand die ganze Stadt Kopf. Es war kein Durchkommen im Straßenverkehr. Wer nicht im Stadion oder davor war, feierte in den Straßen. Es hielt niemanden in seinem Sessel, alle freuten sich gemeinsam, man hörte Chöre und das Hupen der Autokorsos. Die Freude über die erneute, die zwölfte Meisterschaft war überall im Land spürbar. Ungeschlagen, sechs Siege in sechs Spielen, der zwölfte Titel. Rekordmeister. Und dann auch noch ein Heimspiel! Ich kann diese Euphorie sehr gut nachfühlen. Denn keine vier Wochen später, im September, ist auch Deutschland Meister geworden, Europameister im Basketball. Zwei Kontinente also, zwei Champions, fast zur gleichen Zeit – das verbindet uns auf eine wirklich schöne Art. Aber wissen Sie, was uns noch viel mehr verbindet als diese Titel? Sie hier in Angola und wir in Deutschland wissen, was es für einen solchen Erfolg braucht: Teamgeist. Denn gewinnen, das schafft man nur gemeinsam.

Ich freue mich außerordentlich, als erster deutscher Bundespräsident hier zu sein, und das in einem ganz besonderen Moment: In wenigen Tagen feiern Sie den fünfzigsten Jahrestag Ihrer Unabhängigkeit. Dazu gratuliere ich dem gesamten angolanischen Volk von Herzen im Namen aller Deutschen!

Fünfzig Jahre Unabhängigkeit. Ein halbes Jahrhundert. Was für ein Weg! Ich war vor elf Jahren schon einmal hier in Luanda, damals als Außenminister. Damals sah ich eine Stadt voller Baukräne, eine Stadt im Aufbruch. Heute, elf Jahre später, erkenne ich vieles kaum wieder. So viel hat sich verändert, so schnell ist die Stadt, ist dieses Land gewachsen.

Sie haben Jahrzehnte des Konflikts durchgestanden, Sie haben Frieden gefunden. Und heute stehen Sie nun in Ihrer neuen, erarbeiteten Rolle da – als wichtiger Akteur im südlichen Afrika, als Partner, auf den man zählen kann. Ihre Arbeit hier in Angola für die Stabilität in der ganzen Region verdient unseren Respekt.

Deutschland und Angola – die Beziehung zwischen unseren Ländern hat tiefgreifende Wurzeln. Mehr als 6.000 Angolanerinnen und Angolaner kamen vor Jahrzehnten in die DDR, um dort zu arbeiten oder zu studieren. Viele von ihnen prägen heute Ihr Land, prägen Angola mit. Diese menschliche Brücke zwischen unseren beiden Ländern lebt weiter – in den Deutschkursen des Goethe-Instituts, in den Familien, die beide Länder miteinander verbinden, und in den Erinnerungen und Freundschaften.

Aber, trotz aller Erinnerungen: Wir in Angola und in Deutschland, wir leben nicht in der Vergangenheit. Sondern unsere Partnerschaft wächst weiter. Deutsche Unternehmen arbeiten an wichtigen Projekten: Sie bauen hier Straßen, Krankenhäuser, Tierimpfstofffabriken, Wasserkraftwerke. Sie investieren in Solarenergie oder grünen Wasserstoff und vieles andere mehr. Das größte Projekt ist der Lobito-Korridor: Die künftige Bahnverbindung von Ihrem Atlantikhafen bis tief in den Kontinent hinein – zur Demokratischen Republik Kongo, nach Sambia –, das ist mehr als Infrastruktur. Das ist eine Vision. Eine Vision von einem Afrika, das zusammenwächst. Und diese Vision wollen wir von deutscher Seite aus unterstützen. Morgen werde ich nach Huambo reisen und einen Teil dieses Korridors anschauen. Ich freue mich darauf, die Menschen zu treffen, die diese Vision Wirklichkeit werden lassen.

Hier in Angola ist nicht nur der Afrikameister im Basketball zuhause. Angola hat der Welt auch Kizomba geschenkt. Entstanden hier in Luanda, tanzt man es heute überall – in Paris, in São Paulo, auch in Deutschland wird getanzt. Es gibt zahlreiche Kizomba-Festivals bei uns, auch jedes Jahr eines in Berlin. Kizomba heißt wortwörtlich übersetzt „Fest“, das heißt: gemeinsam zu feiern. Und genau daran wollen wir heute hier anknüpfen und musikalisch in den Abend starten. Wir werden gleich Musik von der wunderbaren Luna Simao hören. Die Lübeckerin, die mich auf dieser Reise begleitet, bringt mit ihrer Musik das Lebensgefühl zwischen zwei Welten, zwischen Deutschland und Angola auf sehr berührende Art und Weise auf den Punkt. Ich freue mich sehr, dass sie heute hier ist und gleich einige Stücke gemeinsam mit angolanischen Musikerinnen und Musikern performt.

Und zum Schluss wünsche ich mir: Feiern wir gemeinsam fünfzig Jahre angolanischer Unabhängigkeit, feiern wir die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben! Und feiern wir die Freundschaft zwischen Deutschland und Angola!