Proteste und Plünderungen

Mob geht auf Migranten los, Regierung gerät unter Druck

MeinungVon Nina Krasel, Konrad-Adenauer-Stiftung

05.07.2026 – 13:15 UhrLesedauer: 4 Min.

SUEDAFRIKA-PROTESTE/Vergrößern des Bildes

Gewaltsame Proteste in Südafrika.

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Eine neue Welle fremdenfeindlicher Gewalt erschüttert Südafrika. Sie offenbart tiefe gesellschaftliche und politische Risse.

Südafrika erlebt derzeit eine neue Welle fremdenfeindlicher Gewalt. Die Proteste haben landesweit an Dynamik gewonnen. Angetrieben von fremdenfeindlichen Bewegungen wie „March and March“ kommt es immer wieder zu Eskalationen und Gewaltausbrüchen.

Vermehrt enden diese auch tödlich, wie etwa bei xenophoben Angriffen in der Provinz Westkap, denen mindestens zwei Menschen aus Mosambik zum Opfer fielen und in deren Folge Hunderte Menschen gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen. Besonders dramatisch sind auch die Berichte aus KwaZulu-Natal, wo ein zunächst friedvoller Protest eskalierte und mit dem Tod eines 29-Jährigen aus Malawi endete, der Augenzeugen zufolge von einem wütenden Mob gelyncht wurde.

Die derzeitige Lage stellt das von Nelson Mandela und Desmond Tutu beschriebene Bild der inklusiven „Regenbogennation“ mit einer breiten kulturellen Vielfalt fundamental infrage. Was bleibt, sind massiver Druck auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ein tiefgreifendes Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Kompetenz der ANC-geführten Regierung und schließlich die Destabilisierung der Beziehungen zu afrikanischen Partnern.

Übergriffe gegen Ausländer

Der für den 30. Juni von der Bewegung „March and March“ verkündete „Shutdown“ und die landesweit angekündigten Proteste wurden von vielen mit Furcht erwartet. Zwar verliefen diese nach Angaben der Polizei größtenteils friedlich, vereinzelte Gewaltausbrüche konnten jedoch nicht verhindert werden. Im Township KwaDabeka etwa griffen Protestierende Berichten zufolge gezielt Geschäfte von Migranten an, um diese zu plündern.

Unter anderem in Gauteng kam es zu Übergriffen gegenüber als ausländisch wahrgenommenen Menschen: Viele wurden gezielt eingeschüchtert und auf ihre Ausweise und Pässe kontrolliert.

Polizei und Sicherheitskräfte waren zwar präsent, konnten jedoch nicht überall verhindern, dass Geschäfte verwüstet und Menschen bedrängt wurden. „Sie sagten: ‚Wir kommen hierher, wir sind Zulu.‘ Sie sagten uns, wir sollten beiseitegehen, wenn wir keinen Ärger wollten. Uns blieb nichts anderes übrig, als zuzusehen“, berichtete ein Sicherheitsbeamter eines der geplünderten Geschäfte.

Einfache Lösungen für tiefgreifende Probleme

Die aktuellen Eskalationen sind der Ausdruck einer politisch aufgeladenen Gemengelage: Wirtschaftlicher Druck, hohe Arbeitslosigkeit und das vielfach in der Bevölkerung empfundene Versagen staatlicher Institutionen schaffen einen fruchtbaren Boden für soziale Spannungen. Migration wird so verstärkt zum Gegenstand politischer Mobilisierung. Fremdenfeindliche Aktivisten greifen die sozioökonomische Notlage auf und instrumentalisieren diese für gewaltsame Ausbrüche.

In Reaktion auf die aktuelle Eskalation initiieren betroffene afrikanische Staaten Rückführungskampagnen. Mosambik, Ghana und Malawi wurden bereits aktiv und organisierten Rückflüge für ihre jeweiligen Staatsbürger. Auch in Lagos landete bereits mindestens eine Maschine mit knapp 300 Menschen an Bord. Sie sind Teil von etwa 1.000 registrierten Menschen, die durch den nigerianischen Staat zurückgeholt wurden.

Südafrika wurde nach dem Ende der Apartheid zum beliebten Ziel für Migranten aus ganz Afrika auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Dabei war die wirtschaftliche Lage der jungen Republik nicht immer positiv. Der Fokus des Post-Apartheid-Südafrikas lag auf dem Aufbau eines funktionsfähigen Staats. Man kämpfte schon frühzeitig mit Arbeitslosigkeit, hohen Kriminalitätsraten, unzureichenden öffentlichen Dienstleistungen und extremer sozioökonomischer Ungleichheit.