Dies ist laut WHO der erste bestätigte Ausbruch des Marburg-Virus in Äthiopien. „Der erste Nachweis des Marburg-Virus in Äthiopien ist eine deutliche Warnung, wie schnell virale Bedrohungen auch in neuen Regionen auftauchen können“, sagt Salim S. Abdool Karim, Leiter des CDC-Notfallgremiums für Afrika. „Es unterstreicht die Notwendigkeit von guten Überwachungsnetzwerken und schnellen Möglichkeiten der Diagnose in Afrika.“
Kontaktverfolgung und Seuchenschutzmaßnahmen
In dem betroffenen Gebiet wurden inzwischen verstärkten Seuchenschutzmaßnahmen eingeleitet. 206 Personen, die Kontakt mit den erkrankten Patienten hatten, stehen unter Beobachtung. „Im betroffenen Gebiet wurden zwei lokale Kliniken zu Behandlungszentren umfunktioniert, in Haus-zu-Haus-Besuchen suchen Mitarbeiter nach weiteren Fällen und Kontaktpersonen“, berichtet die WHO. Sie geht davon aus, dass die Fallzahlen noch steigen werden.
„Die Priorität ist es momentan, infizierte Personen zu identifizieren und unter Quarantäne zu stellen, um eine weitere Ansteckung zu verhindern“, erklärt Pontiano Kaleebu, Leiter des Uganda Virus Research Institute. „Denn bisher gibt es keine zugelassenen Medikamente oder Impfstoffe gegen das Marburg-Fieber. Eine schnelle Eingrenzung der Seuche, Überwachung und Kontaktverfolgung sind daher essenziell.“ Zudem erhöht sich die Überlebenschance erkrankter Patienten erheblich, wenn sie medizinisch versorgt werden.
Wie hoch ist das Risiko einer weiteren Ausbreitung?
Die WHO bewertet das Risiko durch diesen Marburg-Ausbruch in Äthiopien auf nationaler Ebene als hoch, auf regionaler Ebene als moderat ein. „Das betroffene Gebiet ist zwar weit von der äthiopischen Hauptstadt und größeren internationalen Flughäfen entfernt, aber es gibt von Jinka aus direkte Straßenverbindungen in das benachbarte Kenia und in den Süden des Sudan“, berichtet die WHO. Daher ist nicht auszuschließen, dass infizierte Personen das Marburg-Virus unwissentlich in diese Länder bringen.
Global betrachtet gibt es vorerst keine Seuchenwarnung. „Bislang wurde keine Übertragung auf internationaler Ebene bestätigt“, so die WHO. Allerdings bleibe das potenzielle Risiko für eine weitere Ausbreitung bestehen. Das liegt auch daran, dass es bisher nur wenige Informationen aus dem betroffenen Gebiet gibt. Noch ist daher unklar, wie weit sich der Ausbruch schon ausgebreitet hat. Neben Einsatzteams der WGHO und der CDC hat sich auch das afrikanische Zentrum für Seuchenschutz (Africa CDC) eingeschaltet und unterstützt die äthiopischen Behörden bei Diagnose und Überwachung.
Quelle: World Health Organization WHO, Global Virus Network
27. November 2025
– Nadja Podbregar