Auf den Kanarischen Inseln treffen die Winde Afrikas auf die Gesetze Europas, vulkanische Landschaften auf spanische Straßenschilder. Kaum verwunderlich, dass die Kanaren angesichts dieser Vielfalt zu den beliebtesten Urlaubszielen in Europa gehören, wie der Spiegel mitteilt.

Dabei wirkt bereits der Blick auf die Karte wie ein geografischer Irrtum: Vor der Küste Afrikas, verstreut im Atlantik, liegen die Kanarischen Inseln. Politisch sind sie jedoch ein Teil Spaniens, einem Land, das erst auf dem europäischen Festland beginnt, hunderte Kilometer entfernt. Angesichts dessen stellt sich die Frage: Warum gehören die Inseln Teneriffa und Co. eigentlich zu Europa?

Wie wurde Teneriffa ein Teil Spaniens?

Die politische Zugehörigkeit der Kanaren ist das Ergebnis einer gewaltsamen Geschichte der Eroberung. Wie der WDR berichtet, begann die spanische Expansion auf die Inseln bereits im frühen 15. Jahrhundert, als europäische Mächte die strategische Bedeutung des Archipels erkannten.

Laut der Sendung WDR-Zeitzeichen starteten die Eroberungszüge um 1402. Schrittweise gerieten die Inseln unter Kontrolle der spanischen Krone. Besonders hartnäckig war jedoch der Widerstand der indigenen Ureinwohner, der sogenannten Guanchen, auf Teneriffa.

Erst 1496 endete dieser Krieg mit der endgültigen Unterwerfung Teneriffas, informiert der WDR. Damit waren alle Kanaren Teil des spanischen Herrschaftsgebietes. Ein Status, der bis heute besteht.

Wer lebte vor der spanischen Eroberung auf den Kanarischen Inseln?

Die Kanaren waren lange Zeit keine unbewohnte Peripherie, sondern Heimat einer eigenständigen Kultur. Die englischsprachige Studie „The chronology of the human colonization of the Canary Islands“ aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die ersten nachweisbaren Siedler mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Nordafrika stammten.

In der Studie gehen die Autoren davon aus, dass Berbergruppen aus dem Gebiet des heutigen Marokko zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. auf die Inseln gelangten. Sie wurden zu den Vorfahren der späteren Altkanarier. Diese lebten über Jahrhunderte isoliert, ohne Kontakt zum afrikanischen Festland oder zwischen den Kanarischen Inseln selbst.

Dadurch entwickelten sich die Inseln unterschiedlich. Als die europäischen Seefahrer im Mittelalter eintrafen, trafen sie laut Studie auf Kulturen mit eigenen Sprachen, Bräuchen und sozialen Strukturen.

Warum spielte Europa früh eine Rolle in der Kanaren-Region?

Durch ihre strategische Lage erregten die Kanaren früh die Aufmerksamkeit europäischer Mächte. Der Grund: Sie liegen nicht nur nahe an Afrika, sondern auch auf den Routen zwischen Europa, Afrika und später Amerika. Wie National Geographic informiert, wurden die Inseln in der Antike bereits als „Inseln am Rand der Welt“ wahrgenommen. Erst im späten Mittelalter begannen jedoch gezielte Eroberungs- und Kolonialisierungsbestrebungen.

Spanische Konquistadoren nutzten die Inselgruppe als Ausgangspunkt für weitere Expeditionen über den Atlantik. Auch Christoph Kolumbus legte auf den Kanaren Zwischenstopps ein, bevor er Richtung Amerika segelte, so das Teneriffa-Inselmagazin. Die Inseln wurden damit Teil eines größeren kolonialen Systems, das Europa mit der „Neuen Welt“ verband.

Warum sind die Kanaren trotz Nähe zu Afrika europäisch geblieben?

Wie der WDR berichtet, war die vollständige Eingliederung nach der Eroberung von 1496 entscheidend. Die indigene Bevölkerung wurde im Zuge der Hispanisierung schrittweise in die spanische Kultur integriert oder verdrängt. Viele kulturelle Spuren der Altkanarier gingen verloren, auch wenn genetische und archäologische Hinweise bis heute erhalten sind.

Laut Spiegel haben sich auf den Urlaubsinseln zwar kulturelle Unterschiede zwischen den Regionen entwickelt, diese wurden jedoch nach der Kolonisierung zunehmend durch spanische Verwaltungs- und Sprachstrukturen überlagert.

Seit 1982 sind die Kanarischen Inseln eine autonome Region Spaniens, mit eigener Verwaltung, aber klarer Zugehörigkeit zum spanischen Staat, so die Regionalregierung. Der Einfluss des afrikanischen Kontinents besteht jedoch bis heute. Wie National Geographic schreibt, zeigt sich dieser, auch auf der Urlaubsinsel Teneriffa, anhand von Kultur, Architektur und Alltagsleben.

Auch interessant: Der Teide ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf Teneriffa. Wer ihn besteigen will, sollte vor dem Urlaub jedoch gut planen.