
Bamako am Niger. 2022 hatte die Stadt schon weit über vier Millionen Einwohner.
(Bild: Thomas Brissiaud, shutterstock)
Bamako hat die Kontrolle über die Provinzhauptstadt Kidal erneut verloren. Hinter den Kulissen kämpfen auch Frankreich, die Ukraine und Russland.
Der Bürgerkrieg in Mali ist Ende April 2026 erneut ausgebrochen. Ein Bündnis aus Tuareg-Separatisten „Front de Libération de l’Azawad“ (FLA) und islamistischen Terroristen „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) startete eine Offensive gegen die Militärjunta in Bamako. Dabei wurden der Verteidigungsminister getötet und die strategisch wichtige Stadt Kidal erobert.
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Doch hinter den Kulissen kämpfen auch Frankreich und die Ukraine gegen Russland.
Die Angriffe begannen am 25. April 2026 mit einem versuchten Enthauptungsschlag: Ziele waren die Residenz von Übergangspräsident Assimi Goïta in der Garnisonsstadt Kati sowie das Haus von Verteidigungsminister Sadio Camara.
Kidal, umkämpfte Drehscheibe im Norden
Zeitgleich griff das Bündnis aus der FLA und der mit Al-Qaida verbündeten JNIM weitere Ziele an, darunter den internationalen Flughafen von Bamako und Dutzende Militärposten.
Die Rebellen eroberten die Stadt Kidal im Nordosten des Landes, nachdem malische Soldaten geflohen waren und die dort stationierten russischen Söldner kapituliert hatten.
Die Einnahme von Kidal stellt eine symbolische Niederlage für die Militärjunta dar. Denn erst im November 2023 hatte die malische Armee die Stadt mit Unterstützung russischer Söldner eingenommen. Damit ist der status quo ante wiederhergestellt.
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Hunderte Zivilisten getötet
Nach der Offensive versuchen die Aufständischen nun, Bamako zu blockieren und von der Treibstoffversorgung abzuschneiden. In der Hauptstadt selbst gilt eine Ausgangssperre, es wurden zahlreiche Verhaftungen gemeldet. Die Tuareg kopieren damit das Vorgehen der Islamisten, die eine ähnliche Blockade im vergangenen Jahr versucht hatten.
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Bei den Kämpfen starben Hunderte Zivilisten, die meisten bei Angriffen auf Dörfer in der zentralen Region Mopti. JNIM übernahm die Verantwortung für den Terror und erklärte, die Dörfer hätten Vereinbarungen gebrochen, die Islamisten zu unterstützen und jede Zusammenarbeit mit den malischen Behörden zu vermeiden.
Andere Opfer gehörten zu regierungsnahen Selbstverteidigungsmilizen.
Ukraine liefert Informationen
Kiew hat sich früher schon öffentlich mit logistische Unterstützung für bewaffnete Gruppen im Sahel gebrüstet. So hat ein Vertreter des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR im August 2024 erklärt, dass Kiew Tuareg-Rebellen bei einem Hinterhalt auf malische Soldaten und russische Wagner-Söldner geholfen habe.
Bamako hat daraufhin die diplomatischen Beziehungen zur Ukraine abgebrochen.
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Der französische Privatsender RTL berichtete im Mai 2026 unter Berufung auf eine französische Sicherheitsquelle, dass Einheiten des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR im Umfeld der Tuareg-Rebellen aktiv seien. Es handle sich um ukrainischstämmige Soldaten, die zuvor in der französischen Fremdenlegion gedient hätten.
Frankreich bekämpft Bamako und Moskau – indirekt
Die ukrainischen Einheiten operierten in Koordination mit den Tuareg-Rebellen. Ziel sei es, die mit Bamako verbündeten russischen Kräfte zu schwächen, die heute als Africa Corps bekannt sind und – anders als die Wagner-Truppe – direkt mit der Regierung in Moskau unterstellt ist.
RTL berichtete überdies, der ukrainische Militärgeheimdienst habe bereits Anfang 2025 französischen Stellen einen Plan vorgeschlagen, um Regierungen im Sahel zu schwächen und russischen Einfluss zurückzudrängen.
Frankreich unterstützt die Ukraine also indirekt und vermeidet so eine direkte Kooperation mit den mit den Tuareg verbündeten Dschihadisten von JNIM. Die Tuareg-Rebellen hätten eine langjährige Beziehung zu französischen Geheimdiensten, warnt der Sender.
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Altbekannte Taktik
Das französische Verteidigungsministerium erklärte gegenüber RTL lediglich, ukrainische Soldaten, die die Fremdenlegion verlassen hätten, könnten der Ukraine auf eine Weise dienen, die sie für geeignet hielten.
Damit greifen Paris und Kiew auf eine alte Taktik westlicher, vornehmlich angelsächsischer Regierungen zurück und rekrutieren religiöse Fanatiker, um ihre Ziele zurreichen. Prominente Fälle sind Indonesien (1965-66) und Afghanistan (1979-89) aber vergleichbare Aktivitäten gab es auch auf dem Balkan, in Syrien und in Zentralasien.
Dass diese Taktik nach hinten losgegangen ist, hat der Krieg gegen den „Terror“ inzwischen wohl hinlänglich bewiesen.
Russland sichert Mali weitere Hilfe zu
Russland sichert Mali dagegen volle Unterstützung zu. Der russische Botschafter in Bamako, Igor Gromyko, betonte, Moskau sei in Abstimmung mit Bamako bereit, Mali weitere Unterstützung zu leisten.
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Am 8. Mai 2026 telefonierte Malis Außenminister Diop mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Malischen Angaben zufolge bekräftigte Moskau seine Unterstützung für Bamako und seine ebenfalls von Putschisten regierten Nachbarländer Burkina Faso und Niger.
Etwa 2.000 russische Sicherheitskräfte kämpfen in Mali. Auch aktuell gehen die Feindseligkeiten weiter.
Gegenoffensive
Die malische Armee hat denn auch mit russischer Hilfe eine Gegenoffensive gestartet. Anfang Mai bombardierten Kampfflugzeuge Kidal.
Der malische Armeekommandant Djibrilla Maiga erklärte bei einer Pressekonferenz in Bamako Ende Mai, mindestens zwei wichtige Routen aus der Hauptstadt blieben offen. Die Tatsache, dass die Hauptstadt nicht gefallen ist, stützt diese Behauptung zu einem gewissen Grad. Allerdings war Benzin in Bamako zumindest im Mai noch rationiert.
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Nina Wilén, Afrika-Direktorin am Egmont Institute, einem Think Tank für internationale Beziehungen in Brüssel, betonte gegenüber dem Guardian, die regierende Militärjunta habe nach der Welle der Rebellenangriffe eine gewisse Widerstandsfähigkeit gezeigt. „Sie kämpfen zurück“, sagte sie. „Es gab keine Meuterei oder Gegenputsch.“
Islamisten im Sahel besonders stark
Die islamistisch geprägte Militanz im Sahel hat massiv zugenommen. 2025 ereigneten sich fast 70 Prozent der annähernd 5.600 erfassten Todesfälle durch Terrorismus weltweit in nur fünf Ländern, von denen drei in der Sahelzone liegen, bzw. daran grenzen: Burkina Faso, Niger und Nigeria.
Was aber wäre geschehen, wenn der Enthauptungsangriff der Islamisten und Separatisten auf Bamako geglückt wäre? Die weit verbreitete Schadenfreude über die Probleme der Russen im Sahel wäre sicher der Bestürzung über einen neuen islamischen Staat – diesmal in Afrika – gewichen.
War on the Rocks beschwört für diesen Fall sogar eine regionale Katastrophe herauf.
Indessen gehen die Kämpfe weiter und Bamako wirft der Ukraine und französischen Fremdenlegionären weiterhin vor, Dschihadisten auszubilden. Sie erhielten zudem Unterstützung durch Kämpfer aus Algerien, Mauretanien und Libyen.