Sie sitzen Seite an Seite im Hörsaal, gehen zusammen auf Praktikumssuche und treffen sich später im Alumniverein. 450 Studierende sind zurzeit in Bachelor- und Masterstudiengängen des Deutsch-Französischen Hochschulinstituts (DFHI) an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) eingeschrieben. Sie kommen überwiegend aus Deutschland und Frankreich. Wenn es nach DFHI-Leiter Professor Ahmad Osman geht, dürften in den kommenden Jahren auch mehr junge Frauen und Männer aus Drittländern dazu stoßen. Das Institut startet seine „DFHI+ Strategie“ – angelehnt an die „Frankreichstrategie+“ der Landesregierung.

Zahl der Studierenden am DHFI soll auf 500 steigen

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt und mit einem Budget von 251.614 Euro ausgestattet. Der Großteil kommt aus Fördermitteln, ein Viertel der Summe investiert die HTW selbst in das Projekt. Mit dem Geld wird vor allem die Stelle eines Projektkoordinators geschaffen, der dafür sorgen soll, das Angebot des DFHI in Drittstaaten bekannter zu machen und neue Studienangebote aus der Taufe zu heben. Durch eine erhöhte Sichtbarkeit des DFHI in französischsprachigen Ländern soll die Zahl der Studierenden auf 500 steigen. „Wir suchen anspruchsvolle zweisprachige Profile. Je bekannter unsere Studiengänge sind, desto höher die Zahl der Bewerber. Dann können wir die Besten auswählen“, sagt Osman. Damit würde nicht nur das DFHI gestärkt werden, sondern das Saarland insgesamt als Studienort und auch die Wirtschaft in der Großregion. „Viele unserer Studierenden arbeiten bereits während ihres Studiums als Werkstudenten, sie absolvieren Praktika in Unternehmen der Region. Wir hoffen natürlich, dass sich viele von ihnen dafür entscheiden, auch nach dem Studium hierzubleiben“, sagt der Professor. Die Verzahnung mit der Wirtschaft verfolgt gleich zwei Ziele: Zum einen sollen die Absolventen nach ihrem Abschluss schnell einen Job finden, der ihren Qualifikationen entspricht, zum anderen soll der regionale Arbeitsmarkt langfristig durch Nachwuchskräfte stabilisiert werden.

Gemeinsamer Studiengang mit Frankreich und Kamerun

Um die Fachkräfte von morgen auszubilden, ist ihm der stetige Austausch mit Unternehmen wichtig. „Wir nehmen zurzeit eine Verschiebung wahr. Bereiche wie die Verteidigungsindustrie oder das Gesundheitswesen werden immer wichtiger“, so Osman. Deshalb soll das erste sogenannte „Triple-Degree-Programm“, das durch die „DFHI+ Strategie“ auf die Beine gestellt wird, genau in diesem Bereich ansetzen. Das Team um Osman strebt einen Studiengang in Biomedizintechnik in Zusammenarbeit mit Frankreich und Kamerun an. „Wir arbeiten schon länger mit Partner-Hochschulen in Kamerun zusammen. Deshalb ist es ein logischer Schritt, die Kooperation langfristig auszubauen“, sagt er.

Brückenbauer zwischen Saarland und Heimatland

Berücksichtigt werden in solchen Kooperationen nicht nur die Interessen des DFHI, sondern auch diejenigen der ausländischen Partner. „Es ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Auch die Partnerhochschulen profitieren von dieser Kooperation. Absolventen, die in ihre Heimat zurückkehren, verfügen nicht nur über eine sehr gute Ausbildung, sondern werden durch die geknüpften Kontakte zu deutschen und französischen Unternehmen zu Brückenbauern“, sagt Osman. Großes Interesse hätten Hochschulen im Kamerun und in der Elfenbeinküste an gemeinsamen Programmen in den Bereichen Touristikmanagement und Logistik.

Doch die neue Strategie ist keineswegs nur auf West- und Zentralafrika beschränkt. „Viele Länder gehören zur Frankofonie“, meint Osman. Er stehe in Kontakt zu Einrichtungen in Tunesien, in Belgien, in Rumänien und sogar in Dschibuti. Und das dürfte erst der Anfang sein. Seit 2023 ist die HTW Mitglied der „Agence universitaire de la Francophonie“ (kurz AUF, deutsch: Hochschulagentur der Frankofonie). Diese zählt insgesamt 1007 universitäre Einrichtungen in 119 Ländern. (sas)