Eine Stätte des Sklavenhandels in Benin zieht viele Touristen an. Foto: HOBET
Die fast 17 Meter hohe „Tür ohne Wiederkehr“ am Meeresufer wurde restauriert und ist heute eine beliebte Sehenswürdigkeit. Ihre terrakottafarbene Fassade ist mit Darstellungen versklavter Menschen in Ketten verziert, die zum Meer getrieben werden. Ganz in der Nähe soll demnächst ein lebensgroßer Nachbau des Schiffes L’Aurore, eines der letzten Dreimaster, die um 1860 Ouidah in Richtung Kuba verließen, als interaktives Museum zum Thema Sklavenhandel eröffnet werden.
Unweit davon strömen Besucher zum Python-Tempel aus dem 13. Jahrhundert, um die Voodoo-Kultur zu erkunden, eine populäre animistische Religion, die ihren Ursprung in Ouidah hat. Voodoo (oder Vodun) ist ein System von Glaubensvorstellungen und spirituellen Praktiken, das in Westafrika, insbesondere in Benin, Togo und Teilen Ghanas, entstanden ist. Es handelt sich um eine uralte Religion und nicht um „schwarze Magie“, wie viele fälschlicherweise annehmen. Diese animistische Religion geht davon aus, dass alle Dinge – Menschen, Tiere und die Natur – eine Seele oder heilige Energie besitzen.
Kulturschaffende in Benin möchten die Heiligkeit dieser Stätten durch historische Nachstellungen hervorheben. Benin gilt als Wiege der Voodoo-Kultur und veranstaltet ein eigenes internationales Festival, die Vodun-Tage. Die dreitägige Veranstaltung mit Tänzen, Maskenumzügen und traditionellen Ritualen hat sich zu einem jährlichen Touristenmagneten entwickelt.
Um den Tourismus anzukurbeln, hat Benin mehrere große Infrastrukturprojekte umgesetzt, darunter den Ausbau von Straßen und Hotels. Das Club Med Resort soll voraussichtlich 2027 eröffnet werden, und die Visabestimmungen wurden für viele Länder vereinfacht.
Ein zentraler Punkt der Tourismusbranche Benins ist das Marina-Projekt, ein Gedenk- und Touristenkomplex, der in der Nähe der Küstenorte von Ouidah entsteht. Diese Initiative zielt darauf ab, Stätten, die mit dem transatlantischen Sklavenhandel in Verbindung stehen, in einen einheitlicheren Gedenkraum zu verwandeln und so die afrikanische Diaspora zu Pilgerreisen anzuregen.
Benins Tourismus-Werbematerialien heben Ouidah als wichtigen Ort entlang der „Sklavenstraße“ hervor und zeigen damit, dass Gedenktourismus zu einem Eckpfeiler der nationalen Tourismuspolitik Benins geworden ist. Ziel ist es, den Aufenthalt der Besucher zu verlängern, indem besinnliche Touren mit kulturellen Veranstaltungen, Kunsthandwerksmärkten und Ausflügen ins Landesinnere verknüpft werden, um so ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen, das über einen einzelnen symbolischen Punkt hinausgeht.
Im Landesinneren entwickelt sich die alte Hauptstadt Abomey zu einem bedeutenden Kulturzentrum. Ihr Palastkomplex, seit den 1980er Jahren UNESCO-Weltkulturerbe, ist berühmt für seine Lehmarchitektur und seine Rolle als politisches Zentrum des Königreichs Dahomey. Entwicklungsorganisationen sehen das Potenzial des Ortes noch weitgehend ungenutzt, was zu einer Welle neuer Investitionen führt. Ein Schlüsselprojekt ist das Museum des Epos der Krieger und Könige von Dahomey (MuRAD), das derzeit auf dem Palastgelände entsteht. Laut Tourismusberichten wird MuRAD ein Höhepunkt sein, der die Geschichte des vorkolonialen Benin-Staates erzählt. Das Land erwartet, dass der Tourismus innerhalb des nächsten Jahrzehnts 10–15 % zum BIP beitragen wird, verglichen mit derzeit rund 6 %.
Khanh Minh
Quelle: https://www.sggp.org.vn/benin-khai-thac-ky-uc-de-phat-trien-du-lich-post848763.html