Morenga, Baobab, Eukalyptus, Mango und Akazie: Das sind einige der Baumarten, die vielen Menschen im Niger neue Perspektiven und neue Hoffnung geben sollen. Sie sind Teil des Projekts „Grüner Sahel“. Die Stiftung „Aktion pro Humanität“ (APH) startet dieses Projekt. Erzbischof Laurent Lompo ist mit seinem Team in dem westafrikanischen Land für die Durchführung zuständig. Seinen Besuch in Kevelaer nutzt er, um für Unterstützung zu werben.

Dem Niger, neben Mali und Burkina Faso einer der drei Sahel-Staaten, geht’s nicht gut, wie Lompo im Pressegespräch deutlich machte. Seit 2018, seit der Geiselnahme eines zwei Jahre später befreiten Priesters, herrscht Terrorismus im Land. Immer wieder überfallen die Terroristen Dörfer, vor allem in Tillaberi, der Grenzregion zu Mali und Burkina Faso. Alle kleinen Dorfschulen sind wegen der unsicheren Lage geschlossen. „Seit fünf Jahren waren mehr als 20.000 Kinder in der Region nicht mehr in der Schule“, berichtete Lompo. Es gebe 45.000 bis 47.000 Binnenflüchtlinge in dem 27-Millionen-Einwohner-Staat.

Christen und Muslime werden laut Lompo von den Terroristen attackiert. Wer das von den Angreifern geforderte Schutzgeld, eine „Steuer“ von 100 Euro pro Jahr für jeden 15- bis 80-Jährigen, nicht zahlen kann, wird erschossen oder muss flüchten. „Besonders junge Menschen sind stark betroffen, sie sind ohne Perspektive und Aufgabe“, betonte Lompo. Manche wechseln aus lauter Verzweiflung die Seite und schließen sich den Terroristen an.

Neue Hoffnung soll den Menschen im Niger das Projekt „Grüner Sahel“ geben. Wie Elke Kleuren-Schryvers von APH erläuterte, habe der Erzbischof diese Idee schon vor einigen Jahren gehabt, bevor die Sache wegen der Terrorattacken auf Eis gelegt wurde. Man beobachtete die Entwicklung und beschloss im vorigen Sommer, an einem geschützten Ort einen neuen Versuch zu wagen. Auf zwei Grundstücken der Kirche, eines in Tillaberi, eines weiter im Osten, sollen auf insgesamt 13 Hektar 5600 Bäume gepflanzt werden. „Die Bepflanzung und Aufzucht gibt den jungen Leuten Arbeit und Geld“, nannte Lompo einen Effekt des Vorhabens. Die Baumwurzeln halten den Boden fest, verhindern die Erosion und damit ein noch weiteres Vordringen der Wüste. Die Erde wird fruchtbar, größere Waldflächen verändern das Mikroklima und lassen es öfter regnen.

Die Bäume lassen sich, von diesen Punkten abgesehen, noch auf viele andere Art und Weise nutzen, wie der 59-jährige Geistliche aufzählte. So lassen sich die Blätter des schnell wachsenden Morenga zu Gemüse verarbeiten. Die Rinde des auch Affenbrotbaum genannten Baobab hilft zum Beispiel gegen Durchfall und lässt sich zu einer Kordel machen, aus den Blättern kann man Soße machen, der Samen ergibt Mehl und Zucker. Eukalyptus ist ein Mittel gegen Malaria, aus den Seitenästen lassen sich Dächer anfertigen. Die Blätter des Neembaums lassen sich zu Tee gegen Malaria kochen, der Brei hilft bei Magen-Darm-Erkrankungen. Akazien ernähren Tiere. Forstleute sollen die Setzlinge in Gärtnereien am Niger-Fluss und in Waldgebieten besorgen.

Ein Baum kostet 20 Euro. Außer dem reinen Anpflanzen muss das Gelände eingezäunt werden. Für die Wasserversorgung sind Brunnen zu bohren. Hinzu kommen Kosten für Düngemittel, außerdem müssen die Leute bezahlt werden. Die Gesamtkosten des Projekts „Grüner Sahel“ bezifferte Lompo auf 120.000 Euro. Weihbischof Rolf Lohmann hat die Schirmherrschaft übernommen.

Jetzt hoffen Lompo und die APH-Aktiven auf viel Unterstützung vom Niederrhein für die Menschen im westafrikanischen Niger. „Wir geben eine Aktie für einen Baum heraus, als Geschenk für Anlässe jeglicher Art“, kündigte Elke Kleuren-Schryvers an. Möglichst viele sollen Partner für dieses Projekt werden. So wie die Pfadfinder von St. Georg Weeze-Kervenheim, die ihre Bereitschaft zum Mitmachen und zum Werben für die Sache schon bekundet haben.

Die Initiatoren sind zuversichtlich, dass die Terroristen das Projekt tolerieren. Laut Lompo lieben die Terroristen die Natur. „Dort, wo die Bevölkerung nicht abholzt, reden die Terroristen mit den Menschen und verschonen die Dörfer.“ Hoffnungsvolle Erfahrungen hat APH, seit 2005 im Niger engagiert, gemacht. Elke Kleuren-Schryvers: „Wir haben dort bisher 42 Brunnen gebaut. Keiner ist von den Terroristen zerstört worden.“