Migranten laufen jubelnd über die Straßen
Das EU-Außengebiet Ceuta hat nur knapp 85.000 Einwohner. Videos und Fotos zeigten überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangen, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll. Man sieht auch, wie die Menschen jubelnd über die Straßen laufen und unter anderem „Viva España!“ rufen. „An den Stränden liegen viele Gegenstände, die die Migranten bei der Überquerung genutzt haben, darunter Schwimmringe und -flossen sowie Neoprenanzüge“, berichtete RTVE.
Viele der Flüchtenden können nicht oder nur unzureichend schwimmen. Für sie ist die Unternehmung lebensgefährlich. Ceutas Regionalpräsident Vivas sagte, in den vergangenen zwölf Monaten seien bereits rund 60 Leichen aus dem Wasser geborgen worden.
2021 erreichten mehr als 8.000 Menschen die Exklave
„Die Lage ist das reinste Chaos“, sagte Rachid Sbihi der Nachrichtenagentur AP. Sbihi ist der Vorsitzende des Verbandes, der die Beamten der spanischen Guardia Civil vertritt, die in Ceuta die Grenze überwachen.
Der Sicherheitsexperte räumt ein, dass die Behörden den Überblick verloren haben. „Es ist nicht möglich, genaue Zahlen zu nennen, aber es überqueren Tausende von Migranten die Grenze“, sagte er und fügte hinzu, dass die Grenze „völlig zusammengebrochen“ sei. Auch die spanische Zeitung „El País“ zitiert Beamte der Guardia Civil und der Nationalpolizei mit den Worten: „Wir sind total überfordert.“ Weiter schreibt das Blatt: „Die Lage ist noch schlimmer als 2021.“

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. (Archivbild) (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)
Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gekommen. Madrid warf Rabat damals „Erpressung“ vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert oder gar ausgesetzt wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen.
