Madrid/Ceuta (dpa). Rund 60.000 Migranten sind nach Angaben des Regionalpräsidenten der spanischen Exklave, Juan Jesus Vivas, in den vergangenen Tagen von Marokko aus irregulär in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt. Das meldet die Tageschau am Freitag, 31. Juli. Die Zahl der Toten sei inzwischen auf 34 gestiegen. Die Regierung in Madrid hatte die Zahl der Migraten zuvor auf 50.000 geschätzt. Die Menschen seien überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete.  

Unter den Ankömmlingen seien viele Minderjährige und Kinder, berichtete der staatliche TV-Sender RTVE. Die Regionalregierung forderte von der Zentralregierung die Ausrufung des nationalen Notstands und den Einsatz des spanischen Militärs an der Grenze zu Marokko.

In der Nacht auf Freitag übernachteten in Ceuta Hunderte junge Migranten auf den Straßen, wie eine Reporterin der Zeitung „El País“ berichtete. Viele von ihnen trügen kaum etwas am Leibe. In der Nacht und auch am Freitagmorgen kamen weiter Hunderte Menschen über die Grenze, aber viele kehrten auch zurück. Die Lage habe sich etwas entspannt, hieß es.


Bootsflüchtlinge und Migranten gehen nach dem Überqueren der Grenze zwischen Ceuta und Marokko hinter Schwimmreifen. Auch bei Einbruch der Dunkelheit am Donnerstag, dem 30. Juli, strömten weiterhin zahlreiche Menschen unkontrolliert aus Marokko nach Ceuta. - © Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

Bootsflüchtlinge und Migranten gehen nach dem Überqueren der Grenze zwischen Ceuta und Marokko hinter Schwimmreifen. Auch bei Einbruch der Dunkelheit am Donnerstag, dem 30. Juli, strömten weiterhin zahlreiche Menschen unkontrolliert aus Marokko nach Ceuta.
| © Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

Armee unterstützt Grenzbeamte

Madrid will keinen Notstand ausrufen, ordnete aber unterdessen den Einsatz von in Ceuta stationierten Armeeeinheiten zur Unterstützung der Grenzbeamten an, wie die Zeitung „El País“ und andere Medien am Donnerstagabend unter Berufung auf die Regierung berichteten. Diese Maßnahme war bereits während der Migrationskrise im Mai 2021 in Ceuta ergriffen worden. Es seien insgesamt 120 Einsatzkräfte des Militärs, schreibt „El País“.

Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte davor am Nachmittag auf der Plattform X mitgeteilt, man setze „alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren“, war aber nicht konkreter geworden. Sánchez wird heute nach Ceuta reisen.


Spanische Polizeibeamte greifen ein, als Migranten aus Marokko die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überqueren. - © Antonio Sempere/AP/dpa

Spanische Polizeibeamte greifen ein, als Migranten aus Marokko die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überqueren.
| © Antonio Sempere/AP/dpa

Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.

Opposition macht Zentralregierung verantwortlich

Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer „verzweifelten Situation“. Auf X kritisierte er den sozialistischen Politiker Sánchez mit scharfen Worten: Die Regierung dürfe „nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit“.

Laut RTVE schließt das Innenministerium die Ausrufung des Notstands aus. Nach den geltenden Zivilschutzvorschriften zählen Migrationsbewegungen demnach nicht zu den Risiken, für die das nationale Zivilschutzsystem vorgesehen sei. Spanien und Marokko hätten vereinbart, ihre Zusammenarbeit zur Bewältigung der Migrationsbewegungen zu verstärken. Zudem sollten möglichst rasch alle Menschen zurückgeführt werden, die illegal nach Ceuta eingereist seien, hieß es unter Berufung auf das Ministerium.

Migranten laufen jubelnd über die Straßen

Die Migranten sind nach Behörden-Angaben in den vergangenen Tagen und auch am Donnerstag überwiegend schwimmend nach Ceuta gelangt, wie RTVE und andere unter Berufung auf die Regionalbehörden berichteten. Das Gebiet hat nur knapp 85.000 Einwohner. Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Hunderte Migranten müssten auf den Straßen übernachten.

Videos und Fotos zeigten überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangen, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll. Man sieht auch, wie die Menschen jubelnd über die Straßen laufen und unter anderem „Viva España!“, rufen. „An den Stränden liegen viele Gegenstände, die die Migranten bei der Überquerung genutzt haben, darunter Schwimmringe und -flossen sowie Neoprenanzüge“, berichtete RTVE.

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Ankunft von zahlreichen Migranten in den spanischen Exklaven

31. Juli 2026


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Dutzende sterben beim Versuch, spanisches Gebiet zu erreichen

Nicht alle, die in die EU wollen, schaffen es: Die spanische Polizeieinheit Guardia Civil entdeckte am Mittwoch und am Donnerstag die Leichen von insgesamt zehn Menschen, die vermutlich in den vergangenen Tagen versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Vivas sagte zuvor, in den vergangenen zwölf Monaten seien bereits rund 60 Leichen von Migranten geborgen worden.

Die EU bot Spanien Unterstützung an. Migrationskommissar Magnus Brunner habe „die Bereitschaft der EU zum Ausdruck gebracht, Spanien – unter anderem über Frontex – verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen“, teilte er am Abend auf der Plattform X mit. Der Schutz der EU-Außengrenzen sei „ein wesentlicher Bestandteil unserer Bemühungen zur Bekämpfung der illegalen Migration“.

EU bietet Unterstützung an


Unter den Migranten, die schwimmend nach Ceuta gelangt sind, sind auch viele Kinder. - © IMAGO/Anadolu Agency

Unter den Migranten, die schwimmend nach Ceuta gelangt sind, sind auch viele Kinder.
| © IMAGO/Anadolu Agency

Die EU hat Spanien Unterstützung angeboten. Migrationskommissar Magnus Brunner habe „die Bereitschaft der EU zum Ausdruck gebracht, Spanien – unter anderem über Frontex – verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen“, teilte er auf der Plattform X mit. Man stehe zudem in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, „um sicherzustellen, dass alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, um diese gefährlichen Reisen zu verhindern“, schrieb Brunner weiter.

Kommissar Brunner schrieb weiter, der Schutz der EU-Außengrenzen sei „ein wesentlicher Bestandteil unserer Bemühungen zur Bekämpfung der illegalen Migration“. Mit den zuständigen Behörden stehe die EU wegen der Lage in Ceuta in Kontakt.

Frankreich verstärkt Grenzkontrollen

Frankreich verschärft seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien. Angesichts der Lage in Ceuta habe er bereits am Donnerstagabend Anweisungen erteilt, die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken, teilte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez mit.

Außerdem werde die schnelle Eingreiftruppe der Grenzschutzbehörde für Kontrollen auch im Hinterland eingesetzt. Die bislang an der Grenze zu Italien zur Kontrolle der Migration eingesetzte Einheit besteht aus Kräften der Polizei, Gendarmerie, des Zolls sowie aus Soldaten der Anti-Terror-Gruppe Sentinelle.

Italien droht an, Grenzen verteidigen zu wollen

Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schrieb auf der Plattform X, Italien werde „nicht tatenlos zusehen“. Man wolle die zuständigen Gremien einberufen und in der Folge möglicherweise auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen eingreifen, „um die Grenzen und die Sicherheit der Bürger zu verteidigen, etwa durch die Aussetzung des Schengen-Raums mit Spanien.“ Damit dürften Grenzkontrollen gemeint sein. Details nannte Meloni nicht. Italien und Spanien haben keine gemeinsame Grenze.

2021 stürmten mehr als 8.000 Menschen in die Exklave

Die Bilder wecken Erinnerungen an die Ereignisse vor fünf Jahren. Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gestürmt. Madrid warf Rabat damals „Erpressung“ vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert oder gar ausgesetzt wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen.

Hintergrund des damaligen Konflikts war der Streit um die frühere spanische Kolonie, die größtenteils von Marokko kontrolliert wird und von der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für einen eigenen Staat beansprucht wird. Spanien hatte den Anführer der Polisario 2021 aus humanitären Gründen zur Behandlung aufgenommen, was in Rabat heftige Verstimmung auslöste.

Wurden die Kontrollen gelockert, um Madrid ein Signal zu senden?


Migranten stehen im Wasser beim Versuch, die Grenze zwischen Ceuta und Marokko zu überqueren. - © Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

Migranten stehen im Wasser beim Versuch, die Grenze zwischen Ceuta und Marokko zu überqueren.
| © Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

Die Beziehungen entspannten sich erst 2022, nachdem Sánchez den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara als „die ernsthafteste“ Grundlage für eine Lösung bezeichnet hatte. Seither arbeiten Madrid und Rabat in Migrations- und Sicherheitsfragen wieder enger zusammen.

Einige Medien spekulieren nun über einen Zusammenhang mit einer Algerien-Reise von Sánchez vergangene Woche. Marokko und Algerien stehen sich im Westsahara-Streit seit Jahren unversöhnlich gegenüber. Einige halten es für möglich, dass Rabat die Kontrollen der eigenen Polizei an der Grenze zu Ceuta gelockert haben könnte, um ein politisches Signal an Madrid zu senden. Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht.

INFORMATION

Ceuta und Melilla

Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Ceuta und Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht.

Beide Küstenstädte haben seit 1995 ein Autonomiestatut und sind auch Militärstützpunkte. Ihr jeweils kleines Territorium wird vom Mittelmeer und von Marokko eingeschlossen.
Ceuta ist eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Küste und der Straße von Gibraltar. Sie ist rund 21 Kilometer von der Iberischen Halbinsel entfernt. Ceuta hat knapp 85.000 Einwohner, gehört zur Europäischen Union, nicht aber zur Nato und zum Schengen-Raum.
Melilla ist ebenfalls eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Küste mit rund 87.000 Einwohnern. Sie liegt 250 Kilometer östlich von Ceuta. Melilla gehört zur Europäischen Union, nicht aber zur Nato und zum Schengen-Raum.  
In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen. Oft versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen.