Sánchez verwies auf Daten der EU-Grenzschutzbehörde Frontex, denen zufolge Spanien nicht der wichtigste Zugang für irreguläre Migration in die EU ist und seit 2021 deutlich niedrigere Zahlen aufweist als etwa die Mittelmeerroute über Italien, die Westbalkanroute und die Route über Griechenland. In den vergangenen fünf Jahren gelangten demnach 478.600 irreguläre Migranten über Italien in die EU. Über Spanien reisten im Vergleich dazu 234.760 Menschen irregulär ein.

Italien hat nach Angaben der Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Die finnische Innenministerin Mari Rantanen schrieb auf X, Spanien habe dabei versagt, die Außengrenze des Schengen-Raums zu schützen. Kanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. Frankreich verschärfte seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien.

Fast alle Migranten sollen zurück in Marokko sein

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums sollen sich nur noch 1.700 der ursprünglich 50.000 in die Exklave Ceuta gekommenen Migranten dort befinden. Bis 18 Uhr am Freitagabend habe es mehr als 48.300 Abreisen gegeben, zitiert die spanische Zeitung „El Pais“ die Behörde.

Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus

Italien hat nach den Worten von Außenminister Antonio Tajani das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Dieser Schritt sei eine notwendige Entscheidung gewesen, „um die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen“, schrieb Tajani auf der Plattform X.

Zuvor meldeten die italienischen Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos die vom Innenministerium in Rom angeordnete Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien. Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die Maßnahme dürfte daher Reisende, die mit dem Flugzeug oder Schiff unterwegs sind, mit neuen Grenzkontrollen betreffen.

Bericht: Bereits 57 Tote bei Ceuta

Auf dem Weg von Marokko nach Ceuta sollen schon mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen sein. Die meisten seien bei dem Versuch ertrunken, die spanische Exklave Ceuta schwimmend zu erreichen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf einen Sprecher des Innenministeriums in Madrid. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid war bis Freitagnachmittag bereits ein Großteil der Menschen freiwillig nach Marokko zurückgekehrt.

Russland nutzt Lage in Ceuta für Propaganda

Russland nutzt die Lage in Ceuta offenbar für eine regelrechte Propagandakampagne, um in Europa Ängste vor einer Migrationskrise zu schüren. Darauf weist der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X hin. Ukrainischen Analysten zufolge habe die russische Propaganda seit Donnerstag mehr als 1.500 Beiträge auf verschiedenen Seiten veröffentlicht, orchestriert von den Propagandamedien „Pravda“ und „Russia Today“, so Sybiha. Demnach hat allein die spanische Onlineausgabe von „Pravda“ fast 300 Beiträge zu Ceuta veröffentlicht. In allen anderen Sprachausgaben seien es mindestens 25 Beiträge gewesen.