In den Sommerferien zieht es viele Menschen an den Strand, den See oder in die Berge. Einfach mal entspannen, die Sonne genießen, nichts tun. Es gibt aber auch Menschen, die ihren Urlaub dafür nutzen, um anderen zu helfen. Warum machen sie das? Und was erleben sie dabei? Zwei Friedberger und eine Friedbergerin erzählen.

Der Friedberger Tobias Lutz hilft zusammen mit seinem Verein Ubuntu e. V. seit vielen Jahren Menschen in Kenia.

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Der Friedberger Tobias Lutz hilft zusammen mit seinem Verein Ubuntu e. V. seit vielen Jahren Menschen in Kenia.
Foto: Tobias Lutz

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Der Friedberger Tobias Lutz hilft zusammen mit seinem Verein Ubuntu e. V. seit vielen Jahren Menschen in Kenia.
Foto: Tobias Lutz

Tobias Lutz (51): „Ich würde nicht sagen, dass ich meinen Urlaub opfere“

„Ich war nach dem Medizin-Studium öfter für humanitäre Einsätze in Afrika. Es war immer frustrierend, wenn wir nach zwei Wochen zurückgeflogen sind und wussten, dass für die Leute dort vieles wieder zusammenbricht. Meine Frau kommt aus Kenia. Wir haben Anfang der 2000er beschlossen, dass wir etwas Langfristiges aufbauen wollen. Wir haben in einer Gegend am Victoriasee eine Grundschule gebaut und angefangen, warme Mahlzeiten zu verteilen.

Nur wenige Kinder sind damals zur Schule gegangen, die Eltern müssen Gebühren zahlen. Dabei ist Bildung für die Entwicklung ein sehr wichtiger Aspekt. Auch der Ernährungszustand der Kinder war sehr schlecht, die Kindersterblichkeit hoch. In den folgenden Jahren haben wir mit unserem Verein Ubuntu e. V. viele weitere Projekte begonnen, haben die medizinische Versorgung verbessert. Im Sommer fliege ich meistens für vier Wochen dorthin.

Was mich antreibt? Die Menschen dort, die trotz Armut so viel Optimismus, Freude und Hoffnung ausstrahlen. Viele stehen vor dem Nichts und versuchen trotzdem ihr Bestes. Das gibt viel Kraft. Ich würde deswegen nicht sagen, dass ich meinen Urlaub opfere. Sondern dass es eine große Bereicherung ist. Wir erleben dort auch menschliche Katastrophen, wenn etwa ein Kind stirbt oder ein Mensch unheilbar krank ist. Dieses Leid kann man nicht einfach wegstecken, die Rückkehr ist manchmal schwierig. Die Bilder gehen einem wochenlang durch den Kopf. Im Großen überwiegen aber die positiven Erlebnisse mit wunderbaren Menschen.“

Die Friedbergerin Petra Gerber mit einem vier Monate altem Waisenkind im Kinderdorf von Michael Kreitmeir.

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Die Friedbergerin Petra Gerber mit einem vier Monate altem Waisenkind im Kinderdorf von Michael Kreitmeir.
Foto: Little Smile

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Die Friedbergerin Petra Gerber mit einem vier Monate altem Waisenkind im Kinderdorf von Michael Kreitmeir.
Foto: Little Smile

Petra Gerber (63): „Die Zeit hatte nichts mit Urlaub zu tun“

„Wir haben 2004 die Nachrichten nach dem Tsunami in Sri Lanka verfolgt und waren geschockt. Im Fernsehen haben wir einen Bericht über das Hilfsprojekt ‚Little Smile‘ gesehen. Da meinte mein damals achtjähriger Sohn, dorthin will er sein Taschengeld spenden. Ich habe also mit dem Gründer und Journalisten Michael Kreitmeir Kontakt aufgenommen und lange mit ihm telefoniert. Das war sehr emotional. Ich habe gesagt: Ich weiß nicht wie, aber ich werde helfen.

Im Februar 2005 haben wir in der Stadthalle Friedberg eine große Benefizgala für ‚Little Smile‘ auf die Beine gestellt und über 10.000 Euro eingenommen. Im Jahr darauf bin ich nach Sri Lanka geflogen, um mir das Kinderdorf anzusehen und mitzuhelfen. Die Folgen des Tsunamis waren überall im Land zu spüren. Ich habe drei Wochen lang vor allem in der Buchhaltung gearbeitet, weniger mit den Kindern. Sie sollten sich emotional nicht an uns binden. Wir haben aber mit ihnen gegessen und gebetet.

Ich zehre heute noch von der Zeit. Wenn die Kinder vor der Schule zu uns ins Haus kamen und wir zusammen gebetet haben – das kann man sich nicht vorstellen. Ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Die Kinder waren so dankbar, diese strahlenden Augen. Die Zeit dort hatte nichts mit Urlaub zu tun, sondern mit Emotionen. Ich kann nicht sagen, dass ich danach geschwächt war, im Gegenteil. Das hat mir ganz viel Kraft gegeben.“

Der Friedberger Christian Nägele (links, mit zwei Freunden) half 2022 beim Wiederaufbau im Ahrtal.

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Der Friedberger Christian Nägele (links, mit zwei Freunden) half 2022 beim Wiederaufbau im Ahrtal.
Foto: Sandra Dürrschmidt

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Der Friedberger Christian Nägele (links, mit zwei Freunden) half 2022 beim Wiederaufbau im Ahrtal.
Foto: Sandra Dürrschmidt

Christian Nägele (36): „Ich hätte gerne weiter geholfen“

„Eine Freundin hat mich im März 2022 nach der Flutkatastrophe im Ahrtal gefragt, ob ich mitkommen und helfen möchte. Sie haben noch einen Elektriker gesucht. Ich habe damals als Elektromeister gearbeitet und fand es spannend, anderen zu helfen. Außerdem wollte ich sehen, wie es dort aussieht. Als wir dort waren, habe ich festgestellt: Die ganze Elektronik war zerstört. In unserer Unterkunft hatten wir in den Zimmern keine Heizung, in der Nacht war es ziemlich kalt.

Die Bilder haben mich weniger geschockt als die Erzählungen. Ein Mann hat berichtet, dass er seine Frau an den Haaren festgehalten und damit gerettet hat – sie wäre sonst ertrunken. Da konnten wir uns erst vorstellen, was die Leute durchgemacht hatten. Umso mehr wollten wir helfen, dass sie wieder zur Normalität zurückkehren können. Wir konnten innerhalb einer Woche ein paar Häuser elektronisch notdürftig versorgen. Sie hatten wieder Licht, man konnte einen Elektrolüfter anschließen, dass die Häuser wieder bewohnbar werden. Die Leute konnten wieder Lebensmittel im Kühlschrank lagern.

Ich war sehr beeindruckt, was die Natur anrichten kann. Aber auch schockiert, wie sehr die Leute davon betroffen waren. Und dass vom Staat wenig Hilfe kam. Ich hätte nach der Woche gerne weiter geholfen, aber es hat nicht mehr geklappt – das war schade. Es war aber ein gutes Gefühl, weil wir so viel geschafft haben, wofür man normalerweise Wochen braucht.“