Ob daraus tatsächlich ein neuer Massenansturm wird, kann im Moment niemand sagen. Die spanischen Sicherheitsbehörden wollen die Gefahr jedenfalls nicht unterschätzen. „Das Risiko ist real, sein Ausmaß aber ungewiss“, heißt es in einem internen Lagebericht der für den Grenzschutz zuständigen Polizeieinheit Guardia Civil.
Aktuell kein Ausnahmezustand in Ceuta
Inzwischen ist der Ausnahmezustand aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden. Die Geschäfte haben wieder geöffnet, die Straßencafés sind wieder gut besucht, der Verkehr staut sich wie an jedem Tag. An den Grenzanlagen ist allerdings zu sehen, dass die Krise längst nicht vorbei ist. Die Kontrollen sind deutlich verschärft worden.
Auf marokkanischer Seite bewacht eine große Zahl von Sicherheitskräften die Zufahrtsstraßen von Ceutas Nachbarstadt Fnideq. Boote patrouillieren entlang der Küste. Auch auf spanischer Seite ist deutlich mehr Grenzpolizei im Einsatz als noch Ende Juli. Es ist schwer vorzustellen, dass sich die Grenze noch einmal praktisch ungehindert überwinden lässt. Ganz ausschließen will das trotzdem keiner.
Stadtverwaltung geht von bis zu 8000 Migranten in Ceuta aus
Die spanische Regierung in Madrid spricht von rund 2500 bis 3000 Menschen. Die Stadtverwaltung Ceutas schätzt hingegen, dass sich noch bis zu 8000 irreguläre Migranten in der Exklave befinden. Schon diese große Spanne zeigt, wie unübersichtlich die Lage noch immer ist.
Unter ihnen befinden sich Hunderte Menschen aus den Krisen- und Bürgerkriegsländern südlich der Sahara, deren Asylanträge nun geprüft werden. Anders als marokkanische Staatsangehörige können sie nicht ohne Weiteres zurückgeführt werden.
In Ceuta kamen viele unbegleitete Minderjährige an
„Wir sprechen hier von wirklichen Kindern“, sagt José Miguel Morales von der spanischen Hilfsorganisation Sur Acoge. Viele seien erst zehn oder elf Jahre alt. Immer wieder kämen sie zu den Helfern oder sprächen Passanten an und fragten nach einem Handy. Sie wollten ihren Eltern in Marokko sagen, dass sie noch leben. Manche hätten ihre Familien heimlich verlassen und erst aus Ceuta angerufen. Andere erzählten, sie wollten auf keinen Fall zurück. Zu Hause gebe es für sie keine Zukunft.
Migrationskrise darf nicht zur Kinderschutzkrise werden
Parallel dazu laufen auf der marokkanischen Seite offenbar Ermittlungen zu den Hintergründen des Ansturms Ende Juli. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation AMDH wurden inzwischen mehr als 80 Menschen angeklagt; offiziell bestätigt wurde dies seitens Marokko nicht. Die Regierung in Rabat machte allerdings in einem Kommuniqué Schleuser und Falschmeldungen in sozialen Netzwerken für den Grenzsturm verantwortlich.