Herr Mutagwaba, Sie hatten als Berater für Konzerne wie Bosch und Porsche einen sicheren, gut bezahlten Job. Wie hat Ihr damaliger Chef reagiert, als Sie gekündigt haben, um Kaffee zu verkaufen?

ALLAN MUTAGWABA: Mein Chef war fassungslos. Er konnte nicht verstehen, dass ich so einen sicheren Job einfach hinschmeiße, ohne zu wissen, ob das neue Projekt überhaupt funktioniert. Er hat mir damals sogar angeboten: „Allan, ich gebe dir eine Chance. Du darfst kündigen, aber ich halte dir die Tür für sechs Monate offen.“ Danach würde er mich nicht mehr zurücknehmen. Ich habe mich für das Angebot bedankt, aber ich wusste: Ich will meinen eigenen Weg gehen. Und das habe ich bis heute nicht bereut.

Dabei hatten Sie mit Kaffee eigentlich gar nichts am Hut. Stimmt es, dass Sie das Getränk früher nicht einmal mochten?

MUTAGWABA: Ich habe früher nie Kaffee getrunken, er war mir immer zu bitter. In Tansania, wo ich herkomme, trinken wir eigentlich nur Tee. Kaffee wurde bei uns nur produziert und verkauft – wir wussten als Kinder nicht einmal, wo der eigentlich hingeht. Der entscheidende Moment kam erst in Deutschland auf einer Autofahrt. Im Radio hieß es, die Deutschen trinken 160 Liter Kaffee im Jahr. Das ist so viel wie eine Badewanne! Da dachte ich mir: Wow, man könnte eigentlich etwas mit Kaffee machen.

Den endgültigen Anstoß gab dann aber ein Urlaub in Norwegen im Jahr 2015. Was ist dort passiert?

MUTAGWABA: Wir haben dort eine Familie getroffen, die plötzlich anfing, von Kaffee aus meiner Heimat zu schwärmen. Die Frau zeigte mir Fotos auf Facebook – und das war exakt das Dorf in Tansania, aus dem ich komme. Das konnte kein Zufall sein. Ich sagte zu meiner Frau: Wir müssen nach Tansania fliegen. Wir haben dann die allerersten 20 Kilo Rohkaffee in unseren Reisekoffern mit nach Deutschland gebracht. Die Zöllner am Flughafen hatten so etwas noch nie gesehen.

Hinter Ihrem Weg nach Deutschland steckt eine bewegte Lebensgeschichte. Im Jahr 2005 haben Sie Ihre Mutter bei einem Autounfall verloren – ausgerechnet, als sie Papiere für Ihr geplantes Auslandsstudium besorgen wollte.

MUTAGWABA: Das war der Schock meines Lebens. Ich bin damals traumatisiert nach Deutschland gekommen. Ich kannte hier niemanden, war sehr einsam, habe mich zurückgezogen und ein Alkoholproblem entwickelt. Das ist meine Realität, ich erzähle das gerne und verstecke es nicht. Dass ich aus diesem Loch wieder herausgekommen bin, Freunde gefunden habe und heute hier stehe, ist für mich pure Gnade.

Heute betreiben Sie gemeinsam mit Ihrer Frau ein Café und verkaufen importierten Kaffee, den Sie von 30 Familien aus Ihrer Heimat beziehen. Sie zahlen den Bauern den zwei- bis dreifachen Marktpreis und spenden für soziale Projekte in Tansania. Wie rechnet sich das, wenn man gleichzeitig Miete in der Augsburger Innenstadt zahlen muss?

MUTAGWABA: Es ist sehr schwierig. Ehrlich gesagt habe ich es bis heute nicht geschafft, mir selbst ein Gehalt auszuzahlen. Wenn man strikt nach den Regeln eines normalen Geschäfts geht, müsste man eigentlich „Stopp“ sagen. Ich muss Miete zahlen, den Kaffee teurer einkaufen und selbst überleben. Milliardär werde ich damit nicht. Privat fahre ich Fahrrad und das hält mich gesund. Aber dass ich mit einem Porsche herumfahren kann – dafür muss ich noch deutlich länger arbeiten. Doch es ist für uns eine Leidenschaft, und in Tansania konnten wir bereits einige Projekte umsetzen. Wir haben von dem Geld etwa Schulräume gebaut und einen Brunnen bohren lassen.

Sie haben angekündigt, dass Sie mit Ihrer Familie in ein paar Jahren nach Tansania ziehen möchten. Was wird dann aus dem Café in Augsburg?

MUTAGWABA: Wir würden das Café definitiv behalten. Es ist eine wichtige Anlaufstelle und so etwas wie eine Brücke zwischen Augsburg und Arusha. Dort möchten wir eine große Kaffeefarm aufbauen und ein Ausbildungszentrum für die junge Generation gründen.

Zur Person

Allan Mutagwaba betreibt gemeinsam mit seiner Frau seit 2018 das Café „MAK Afrika“ in der Karlstraße 7. Der gebürtige Tansanier kam zum Studieren nach Deutschland und absolvierte an der Hochschule Augsburg seinen Master.

Dieses Interview ist ein Auszug aus der aktuellen Folge unseres Interview-Podcasts „Augsburg, meine Stadt“. Das komplette Gespräch können Sie unter azol.de/mutagwaba anschauen oder hören.