Wer gegen 14 Uhr an Boltens Landwirtschaft vorbeigeht, wird stutzig. Rhythmische Trommelmusik erklingt von Gelände hinter dem Biergarten. Folgt man den Klängen, wird man von Kleidern, geflochtenen Körben und Fächern in allen Regenbogenfarben begrüßt. Das Afrika-Festival findet bereits zum vierten Mal statt und entwickelt sich in Korschenbroich langsam zu einer Institution.
2026 in doppelter Größe
In den vergangenen Jahren bestand es noch aus jeweils zehn verschiedenen Ständen, 2026 hat sich die Größe der Veranstaltung verdoppelt. Im Eingangsbereich gibt es eine Vielzahl von Verkaufsständen, weiter hinten werden Essen und Getränke angeboten, verschiedene Vereine stellen sich vor und auf der Bühne eröffnet „Pont d‘ Afrique“, eine Trommelgruppe aus Korschenbroich, das abwechslungsreiche Programm.
Besucherin Maike Pfeffer tanzt begeistert in der ersten Reihe. Sie ist schon zum dritten Mal dabei und möchte auf jeden Fall den ganzen Tag hier verbringen. Vor allem von der „superguten Stimmung“ ist sie begeistert, aber auch die afrikanische Kultur fasziniert die Gladbacherin, die selbst nie in Afrika war.
Verkäuferin Serwaa ist zum ersten Mal dabei. Ihr wurde empfohlen, zum Festival zu kommen, da „ihre Waren dem Angebot noch fehlen würden“. Vor Ort stellte sie allerdings fest, dass einiges doch an mehreren Ständen gekauft werden kann. Zumindest das Überangebot an Fächern sollte bei Temperaturen bis 30 Grad allerdings kein Problem darstellen. Und eine Sache gibt es dann doch nur bei ihr: Ein westafrikanisches Instrument, das aus zwei mit Samen gefüllten Bällen besteht, die durch eine Schnur verbunden sind. Einen legt man auf seine Handfläche, die Schnur wird zwischen zwei Finger gelegt. Der zweite Ball wird nun durch kurze und schnelle Bewegungen im Wechsel rechts und links an der Hand vorbeigeschwungen, wobei Töne wie von einer Rassel entstehen. Schlagen die Bälle aneinander, kommt außerdem ein Klacken dazu.
Andere Stände verkaufen Beautyprodukte wie Sheabutter und Seifen, dekorative Schüsseln aus Mangoholz und Perlmutt oder die Schalen von Kakaobohnen, die wie Teeblätter in heißem Wasser ziehen sollen, um ein schokoladiges Getränk zu ergeben. Afrikanische Spezialitäten können auch vor Ort probiert werden. Es gibt beispielsweise Grillspieße aus Zebra-, Büffel- oder Krokodilfleisch und vegetarische Angebote wie Kochbananen mit Erdnusssoße und Reis.
Friedrich aus Wachtendonk hat im Internet zufällig vom Afrika-Festival erfahren und war neugierig geworden. Er ist überrascht, wie viel geboten wird, und „kann sich an all den Farben nicht satt sehen“. Die Händler Raouf und Rohi hingegen sind am Samstagnachmittag noch ein wenig unterwältigt von der Besucherzahl an ihren jeweiligen Ständen. Da die Veranstaltung aber noch bis Sonntag läuft, vermuten sie, dass später mehr Andrang herrschen wird.
Der Verein „Afrik-Deutsch Netzwerk“, dessen Vorsitzender Vincent Djeumo das Festival initiiert hat, ist mit einem Infostand vertreten. Djeumo kommt mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch und freut sich über die alljährliche positive Resonanz. Besonders stolz macht ihn, dass sich die stellvertretende Landrätin Sandra Lohr (CDU) angekündigt hat, um beim Festival eine Rede zu halten.
Ein anderer Verein, der sich beim Afrika-Festival vorstellt, ist „The Hand Projekt“. Er bietet Teambuilding-Events für Firmen an, bei denen die Teilnehmenden gemeinsam mechanische Handprothesen bauen, die in verschiedenen afrikanischen Ländern Menschen zur Verfügung gestellt werden, die sich sonst keine Prothese leisten könnten. Die Heinsberger Organisation „Wir für Ruanda“ setzt sich für die Betreuung, die schulische und berufsvorbereitende Förderung von Kindern mit geistiger Behinderung ein. Finanziert durch Spenden und Patenschaften werden im „Pallotti-Children’s Hope Center“ etwa 90 Kinder und Jugendliche betreut, auch eine Kita-Gruppe für jüngere Kinder ist in Planung.
Neben den Auftritten verschiedener Musiker stehen auch Tanzaufführungen und eine Modenschau der Designerin Kado Messouh auf dem Programm. Für Kinder gibt es verschiedene Mitmachaktionen. Beim Afrika-Festival 2026 schaut man bei strahlendem Sonnenschein in strahlende Gesichter.
INFO Die Veranstaltung läuft Samstag und Sonntag auf dem Gelände der Bolten-Brauerei, Rheydter Straße 145, jeweils von 12 bis 22 Uhr.