
Goma am Kivu-See. Die Stadt steht seit Anfang 2025 unter Kontrolle der M23.
(Bild: Voir le CONGO, shutterstock)
Die USA sichern sich Kobalt und Kupfer im Kongo. Doch die Friedensdiplomatie scheitert: Die M23-Miliz terrorisiert die Region Ostkongo weiter.
Im Dezember 2025 unterzeichneten die USA und die kongolesische Regierung ein strategisches Partnerschaftsabkommen. Darin sicherten sich Washington und US-Unternehmen bevorzugten Zugang zu diesen kritischen Mineralien.
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Das Abkommen wurde als Teil einer umfassenderen Friedensdiplomatie inszeniert. Zuvor, im Juni 2025 hatten die Demokratischen Republik Kongo und das Nachbarland Ruanda ein Friedensabkommen unterzeichnet, das einen Waffenstillstand und den Abzug ruandischer Truppen aus dem Ostkongo vorsah.
Die Vereinbarungen sollten einen jahrzehntelangen Konflikt beenden, der mehr als sechs Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Doch so ist es leider nicht gelaufen.
Ruandas Rolle
Die Vereinbarung geht jedoch am Kern der Sache vorbei, denn Ruanda und die DR Kongo führen keinen Krieg gegeneinander. Aber Ruanda unterstützt die M23-Miliz, die weite Teile des Ostens der DR Kongo kontrolliert.
Kigali unterstützt die Gruppe mit Logistik, Ausrüstung und mit bis zu 4.000 Soldaten. Dies macht Ruanda zu einer Besatzungsmacht und rechtlich mitverantwortlich für die Übergriffe der Miliz, wie Human Rights Watch feststellt.
Die Strategie scheint darauf ausgelegt, die Kontrolle der sogenannten Alliance Fleuve Congo – einer politisch-militärischen Allianz, zu der die M23 gehört – zu festigen. Trotz des Rückzugs der M23 aus einigen Gebieten gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Konflikt in der DR Kongo vorbei ist.
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Die Terrorherrschaft der M23 geht weiter
So stand denn „General“ Sultani Makenga auch im Februar 2026 noch vor Tausenden neu ausgebildeten Rekruten in einem Trainingslager im Ostkongo, berichtet Human Rights Watch. Makenga ist militärischer Anführer der M23-Miliz.
Ruandische Truppen waren um die Trainingslager positioniert und bereit, jeden zu erschießen, der zu fliehen versuchte. Rekruten berichteten von Ideologie-Sitzungen, in denen sie Lieder sangen und die kongolesische Führung kritisierten.
Die M23 führt Hinrichtungen durch, bestraft brutal und behandelt Rekruten unmenschlich, um Loyalität zu erzwingen. Die M23 rekrutierte auch 2026 Tausende gefangener kongolesischer Soldaten und Zivilisten zwangsweise – manche waren erst zwölf Jahre alt.
US-Konzerne mit Absichtserklärungen
Die Demokratische Republik Kongo verfügt über mehr als die Hälfte der weltweiten Kobaltreserve und riesige Kupfervorkommen. Beide Metalle sind für Batterien, Militärtechnik und die Energiewende zentral. Ihren Krieg finanziert die M23 jedoch vor allem mit dem Abbau von Gold und Coltan.
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Die USA haben bisher vor allem durch das Mineralienabkommen vom Dezember 2025 profitiert, das US-Unternehmen größeren Zugang zu den riesigen Bodenschätzen des Kongo verschaffen soll.
Anfang Februar 2026 wurde bekannt, dass das US-amerikanische Orion Critical Mineral Consortium eine Absichtserklärung im Wert von neun Milliarden US-Dollar unterzeichnen wird, um einen 40-Prozent-Anteil an kongolesischen Minen des anglo-schweizerischen Konzerns Glencore zu erwerben.
Ende März kaufte das US-Unternehmen Virtus Minerals die kongolesische Gruppe Chemaf für 700 Millionen US-Dollar.
China spielt die erste Geige
Diese Geschäfte stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Sie sind im Vergleich zu chinesischen Bergbauinvestitionen im Kongo noch unbedeutend.
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Chinesische Unternehmen halten Anteile an 15 der größten Kupfer- und Kobaltminen des Landes, darunter Tenke Fungurume, die weltgrößte Kobaltmine. Im Rahmen eines Mineralien-für-Infrastruktur-Abkommens von 2007 sicherten sich chinesische Firmen Rechte an Mineralvorkommen im Wert von etwa 93 Milliarden US-Dollar im Austausch für Infrastrukturzusagen von drei Milliarden US-Dollar.
Die Zeitschrift Responsible Statecraft schätzt die Fortschritte der US-Bergbauunternehmen als noch zu begrenzt, zu schlecht vorbereitet und in mancher Hinsicht zu undurchsichtig ein, um Chinas fest verankerte Position im Sektor zu erschüttern.
Kinshasa hofft auf die USA und heizt den Konflikt an
Für die kongolesische Regierung ist die sichtbarste Gegenleistung der verstärkte US-Druck auf Ruanda und seine Verbündeten – vor allem durch eine Reihe von US-Sanktionen gegen Kigali. Doch diese Schritte haben die grundlegenden Realitäten vor Ort noch nicht verändert.
Die Hoffnung, dass verstärkte US-Unterstützung für die Demokratische Republik Kongo es deren Streitkräften ermöglichen wird, die M23 und ihre ruandischen Unterstützer zu schlagen, hat jene in Kinshasa ermutigt, die eine militärische Lösung des Konflikts anstreben. Die außergerichtliche Tötung des M23-Sprechers Willy Ngoma mittels einer Drohne hat diese Fraktion noch bestärkt.
Und auch, wenn dieses Vertrauen in die US-Administration sicher übertrieben ist, prägt es doch die Entscheidungsfindung, wie der Beginn einer neuen Offensive der kongolesischen Armee Ende Februar zeigt. Parallel dazu gehen die Gespräche zwischen Kinshasa und der M23 in Katar allerdings weiter.
Auch der Umstand, dass Felix Tshisekedi, der kongolesische Präsident, jetzt eine dritte Amtszeit anstrebt, passt in dieses Bild. Tshisekedi begründet diesen Schritt mit Kinshasas Trump-Deal. Der Präsident verstößt mit diesem Vorstoß zwar gegen den aktuellen Wortlaut der kongolesischen Verfassung, aber er hat die Rückendeckung des Obersten Gerichtshofes.
Die M23 versucht, an Kinshasa vorbei zu verhandeln
Das von den USA verhandelte Abkommen hat zwei entscheidende Schwächen: Die Größte Lücke ist, dass die M23 nicht an den Verhandlungen teilgenommen hat und deshalb nicht an die Vereinbarungen gebunden ist. Folglich fehlen auch Maßnahmen, die sicherstellen, dass die M23 die Kampfhandlungen einstellt.
Die Stiftung Wissenschaft und Politik weist darauf hin, dass die Gruppe mittlerweile einen eigenen Kommunikationskanal mit Washington aufzubauen sucht, um über die Mineralvorkommen in den von ihr kontrollierten Abbaustätten zu verhandeln.
Bisher jedoch liegen die Auswirkungen des US-Engagements in der Demokratischen Republik Kongo weitaus weniger in dem, was es geliefert hat, als in den Erwartungen, die es erzeugt hat. Diese prägen vor allem die militärischen Ambitionen Kinshasas – was die Gewalt im Osten tendenziell noch anheizt.