„Es war ein furchtbares Gemetzel“, erinnert sich Ricardo Garbaccio an die unermessliche Dezimierung der Wildtierpopulationen in den 1970er- und 1980er-Jahren. „Die Gier nach den Keratin-Hörnern der Nashörner und den Elfenbein-Stoßzähnen der Elefanten kannte keine Grenzen.“ Selbst nach der Errichtung der Nationalparks Lower Zambezi in Sambia 1983 und Mana Pools 1975 in Simbabwe, die am Sambesi auf einer Länge von 60 Kilometern aneinander grenzen, setzte sich die Dezimierung in Sambia fort. Nach Einschätzung der „Rettet die Elefanten Afrikas e.V.“ schrumpfte die Elefantenpopulation in Sambia durch Wilderei und Lebensraumverlust zwischen 1979 und 1989 von 160.000 auf 18.000 Tiere. Angesichts klammer Staatskassen war private Initiative gefragt, um dem Töten in und um den riesigen Parks ein Ende zu bereiten. Nach und nach organisierten engagierte Naturschützer NGOs, vereinten ihre Kräfte mit den länderübergreifenden Naturschutzorganisationen „African Parks“ und „Peace Parks“ und sammelten Spenden für großangelegte Schutzmaßnahmen. Nach dem Vorbild des „Kavango-Zambezi-Schutzgebietsnetzwerks“ (KAZA), dem mit 520.000 Quadratkilometern größten terrestrischen grenzüberschreitenden Schutzgebiet Afrikas im Okavango- und Sambesi-Becken, unterzeichneten schließlich 2023 die Regierungen Sambias und Simbabwes ein gemeinsames Memorandum of Understanding zur Schaffung einer grenzübergreifenden „Lower Zambezi-Mana Pools Transfrontier Conservation Area“. Ihr Ziel besteht darin, durch Naturschutz und Tourismus gemeinsam mit den Menschen vor Ort eine nachhaltige Entwicklung zu garantieren.

Ricardo, der heute die Kanyemba Lodge am Ufer des Sambesi führt, gehörte zu den Pionieren im Umwelt- und Artenschutz. „Ein nachhaltiger Natur- und Artenschutz kann nur gelingen, wenn wir die Bevölkerung einbeziehen, die großflächigen Schutzgebiete effektiv kontrollieren und grenzübergreifend bei der Erfassung und Schutz der Bestände kooperieren“, ist er sich sicher. „Bildung ist der Grundstein für ein wachsendes Umweltbewusstsein“, fügt er hinzu. In seiner Lodge hat er deshalb eine Vorschule für Drei- bis Sechsjährige eingerichtet, die 35 Kindern Platz, Essen und Bildung bietet.

„Als 1996 der für seine Sanftmut, seine Intelligenz und seine Nähe zu den Menschen bekannte Elefant Big Boy am Sambesi von Wilderern getötet wurde, ging die Nachricht um die ganze Welt“, berichtet Ian Stevenson, Manager der „Conservation Lower Zambezi“ (CLZ), einer der ersten Umweltschutz-NGOs in Sambia. 1998 baute CLZ ihr erstes kleines Camp am Fluss auf. Jetzt, nach drei Jahrzehnten hat sich aus einer anfangs kleinen Gruppe von Patrouillengängern eine Organisation mit über 100 Angestellten entwickelt, die über eigene Autos, ein Flugzeug, eine Hundestaffel und ein Ausbildungscamp verfügt, an dem bereits 3500 Schüler aus 70 Schulen der Region Kurse belegten. Seit 2021 bildet das Camp zudem systematisch Safari-Guides und seit 2013 Scouts aus, die Tierbestände beobachten und den Kontakt zu benachbarten Gemeinden pflegen. Dank der zunehmend besseren Zusammenarbeit mit der regionalen Bevölkerung konnte der professionell organisierten Wilderei das Handwerk gelegt werden. Obst-, Gemüse- und Kräutergärten sowie Plantagen wurden eingezäunt und es entstanden Arbeitsplätze im nachhaltigen Tourismus. Wenige Kilometer vom CLZ entfernt können Gäste eine von 17 Farmen besuchen, die erfolgreich Obst, Gemüse und Kräuter züchten, mit denen Irene und ihr Team von „Zambezi Harvest“ neben Märkten vor allem Lodges und Touristencamps beliefert. Ihre frischen, aromatischen Tomaten und Salate finden großen Anklang.

Auch wenn die Wildtierbestände in den vergangenen Jahrzehnten deutlich unter der professionellen Wilderei litten, gehören die Uferregionen des Sambesi zu den tierreichsten Regionen Afrikas. „Für Elefanten, Büffel, Wasserböcke, Kudus, Flusspferde und Krokodile sowie hunderte von Vogelarten stellt der Sambesi keine Grenze, sondern eine Transitzone zwischen unterschiedlichen Nahrungsressourcen auf beiden Seiten dar“, sagt Steve Bolnick, Manager des Camp Mana im Mana Pools National Park. Die weiten Ebenen in Simbabwe und die fruchtbaren Ufer auf sambischer Seite ergänzen sich im Angebot und so kann man nicht selten ganze Tiergruppen beobachten, die regelmäßig den Fluss durch- oder überqueren oder einfach nur im Wasser Kühlung suchen. Steve hofft, dass bald auch Touristen so einfach die Seiten wechseln können und setzt sich für die Errichtung von Grenzposten auf beiden Ufern ein. Dies würde die Wege für Tierfreunde aus aller Welt deutlich verkürzen, die derzeit noch den Umweg über Kariba oder Chirundu nehmen müssen, um die Grenze zu überschreiten.

Steves Camp erhielt 2024 die Auszeichnung als beste Walking Safari Afrikas. Mit ihm zu Fuß oder per Kanu den 2200 Quadratkilometer großen Nationalpark zu durchstreifen garantiert besonders intensive Erlebnisse. Er kennt die Lieblingsplätze der Elefanten, Wasserböcke, Löwen, Antilopen und Zebras, weiß ihren Spuren zu folgen und teilt gern sein Wissen mit seinen Begleitern. Selbst in unmittelbarer Nähe zu den größten Landsäugetieren strahlt er Ruhe und Besonnenheit aus und spricht einige Savannenelefanten gar mit Namen an. Es sind unvergessliche Momente, den sanften Dickhäutern beim Pflücken ihrer Lieblingskost von den Mopane- und Winterdornbäumen zuzusehen, ihre Fürsorge für den Nachwuchs zu beobachten und ihrer in tiefen Tönen gehaltenen Kommunikation zu lauschen. „Seit 2019 fiel kein Elefant mehr Wilderern zum Opfer“, berichtet Steve mit berechtigtem Stolz. Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen konnten sich die Bestände in den letzten Jahren deutlich erholen.

Ähnliche Fortschritte verzeichnet der etwa 300 Kilometer entfernte Matusadona Nationalpark am Ufer des Kariba-Stausees. „Vor wenigen Tagen haben wir eine erste Gruppe von Spitzmaulnashörnern aus anderen Teilen Simbabwes eingeflogen“, berichtet Manager Mike Pelham. Gnadenlose Wilderei hatte die Tiere zu Beginn der 1990er-Jahre von etwa 250 auf 16 Nashörner dezimiert. Um die Überlebenden zu schützen, wurden sie von der Naturschutzbehörde „ZimParks“ in bewachte Schutzzonen übersiedelt.

Aus deren Bestand kehrten Anfang Juni 17 auch Black Rhinos genannte Tiere in die Ursprungsheimat zurück. Die ersten Wochen verbringen sie in Gehegen und verlassen danach eins nach dem anderen die Station, um ihr eigenes Revier abstecken zu können. Nach der bereits 2025 erfolgten Übersiedlung von Büffeln, Zebras und Elenantilopen in den Matusadona Nationalpark gilt die Rückkehr dieser ikonischen Tierart als bedeutender Meilenstein für den Naturschutz in Simbabwe. Erneut bewährte sich die enge Zusammenarbeit des „Matusadona Conservation Trust“ mit der „Zimbabwe Parks and Wildlife Authority“ und „African Parks“ mit starker Unterstützung durch die regionale Bevölkerung – ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere Zukunft im Zusammenleben von Mensch und Tier.

Die Recherche wurde unterstützt von boundless-southernafrica.org und SADC/GIZ Joint Action EU NaturAfrica, einem Gemeinschaftsprojekt der EU, Deutschlands und der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrika, das grenzübergreifende Schutzgebiete im Süden Afrikas fördert.