Die Podcast-Hosts Karin Bearpark und Dara Masi von «Die Thronfolge» sind nach Harar in Äthiopien gereist.Dort besuchen sie die Schweizerin Sara Aduse, die als Kind von ihrer Grossmutter verstümmelt wurde und heute eine Foundation gegen Female Genital Mutilation (FGM) betreibt.In der Region sind rund 90 Prozent der Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen – in der Schweiz leben rund 24’000 Betroffene.

Die erste Folge nach der Sommerpause vom Erfolgspodcast «Die Thronfolge» hat es in sich: Die beiden Hosts, Karin Bearpark (27) und Dara Masi (32), sind nach Harar – in die muslimische Hochburg Äthiopiens – gereist, in eine Region, in der die weibliche Genitalverstümmelung noch immer zum Alltag von schätzungsweise 90 Prozent der Mädchen gehört.

Die beiden Podcasterinnen begleiteten die Zürcherin Sara Aduse – sie selbst wurde als Kind von ihrer Grossmutter verstümmelt und setzt sich heute mit einer Foundation für die Aufklärung über FGM ein. Die Reise sei spontan entstanden: «Wir wollten Sara an eine Show einladen, um über das Thema zu sprechen. Sie konnte aber nicht kommen, weshalb wir uns entschieden haben, sie in Äthiopien zu besuchen.»

Was ist weibliche Genitalverstümmelung?

«Wir hatten grossen Respekt vor der Reise», erzählt Karin gegenüber 20 Minuten. Auch das Umfeld der beiden Schweizerinnen habe erst Sorgen über das Vorhaben geäussert.

Karin und Dara kauften Hijabs

Als Vorbereitung haben sich die beiden Podcasterinnen mehrere Hijabs gekauft: «An sich war das schon ein Widerspruch für uns. Wir gehen aus einem feministischen Zweck dorthin, aber in Äthiopien steht ein Hijab nicht immer für Selbstbestimmung.» Feminismus höre für die zwei nicht an der Schweizer Grenze auf.

Dara Masi (links) und Karin Bearpark sind nach Äthiopien gereist.Dara Masi (links) und Karin Bearpark sind nach Äthiopien gereist.Die Thronfolge

Frauen haben Angst, dass ihre Klitoris unkontrolliert weiterwächst

Das A und O in Äthiopien sei es, eine «heiratswürdige Frau» zu sein. Dazu gehöre es auch, verstümmelt zu werden. Karin und Dara haben vor Ort an einem Aufklärungskurs teilgenommen, den Sara Aduse leitet. «Viele Frauen sind dort fest davon überzeugt, dass die Klitoris nie aufhört zu wachsen. Deshalb wollen sie sie sich abschneiden lassen, um sie so zu bändigen», berichtet die Aargauerin. Karin und Dara wollten den Frauen zeigen, dass das nicht stimmt.

Für sie die einzig logische Lösung: «Wir mussten ihnen unsere Vulvas zeigen.» Die Frauen im vollen Raum hätten lachend auf den Vorschlag reagiert – schlussendlich haben es die Zürcherinnen dann doch nicht gemacht. «Es ist irgendwie nicht zustande gekommen.»

«Fremde Menschen wissen, was bei deiner Vulva abgeht.»

Karin Bearpark

Was die Verstümmelung eigentlich bewirken soll, ist Keuschheit. Ganz im Kontrast dazu stehe laut Karin aber, dass alle im Dorf wissen, welche Frau verstümmelt wurde: «Fremde Menschen wissen, was bei deiner Vulva abgeht.»

Rückblickend sei die Zeit in Äthiopien extrem wertvoll gewesen. Die beiden Podcasterinnen hätten intime Gespräche mit jeglichen Frauen geführt und wurden mit offenen Armen empfangen. Dennoch bleibt es für sie ein Rätsel, wie ein solcher Verstoss gegen die Menschenrechte täglich durchgeführt werden kann.

Sara Aduse schätzt das Interesse vor Ort

«Die gemeinsame Zeit mit Karin und Dara habe ich als sehr bereichernd und herzlich erlebt», erinnert sich Sara Aduse gegenüber 20 Minuten zurück. Die beiden seien mit grosser Offenheit und echtem Interesse nach Harar gekommen. Sara schätze es besonders, wenn Menschen die Situation vor Ort kennenlernen möchten.

«Viele Aspekte unserer Arbeit lassen sich nur schwer vollständig über Bilder, Berichte oder soziale Medien vermitteln. Erst vor Ort wird sichtbar, wie eng wir mit den Menschen und lokalen Institutionen zusammenarbeiten und wie viel Vertrauen hinter dieser Arbeit steckt», so die Schweizerin.

Ihre Foundation befinde sich in einer intensiven Wachstumsphase. «Was einmal als kleine Initiative begonnen hat, entwickelt sich zunehmend zu einer professionellen Organisation mit einem wachsenden lokalen Team und immer mehr Aktivitäten», sagt Sara Aduse. Ihr Team arbeite direkt mit Communitys, Schulen und lokalen Fachstellen zusammen und baue die Präventionsarbeit immer weiter aus.

2022 wurde der von 20 Minuten produzierte Dokumentarfilm «Do You Remember Me?», die Geschichte von Sara Aduse, die als Siebenjährige in Äthiopien beschnitten wurde, veröffentlicht. Heute setzt sich Aduse mit ihrer Stiftung gegen weibliche Genitalverstümmelung ein.20 Minuten

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Genitalbeschneidung betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Prepuce.ch, Informationen und Austausch zur PenisvorhautentfernungJanelle Oldani

Janelle Oldani (old), Jahrgang 2001, startete im September 2024 als Praktikantin im People-Ressort und ist seit September 2025 Redaktorin.