Am Strand El Trampolín stehen Zelte zwischen den Felsen. Andere Migranten haben sich aus Planen und Brettern notdürftige Hütten gebaut. Fast zwei Wochen nach dem großen Grenzsturm leben in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta noch Tausende Menschen ohne feste Unterkunft – an Stränden, auf der Straße oder in improvisierten Lagern. Niemand weiß genau, wie viele Migranten sich derzeit in Ceuta befinden. Schätzungen gehen von 8000 bis 11.000 aus – in einer Stadt mit 84.000 Einwohnern.

Ceutas Bürgermeister fordert ein geschlossenes Abschiedezentrum für Migranten

Ceutas konservativer Bürgermeister Juan Jesús Vivas sagt, so könne es nicht weitergehen. Nach einem Treffen mit Spaniens Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, forderte er die Regierung in Madrid auf, möglichst schnell ein großes geschlossenes Internierungs- und Abschiebezentrum für Ausländer einzurichten. Dort sollen irreguläre Migranten untergebracht werden und das Zentrum nicht verlassen dürfen, bis über ihre Rückführung entschieden ist.

Die derzeitige Lage sei „absolut untragbar und inakzeptabel“, sagt Vivas. Rund 70.000 Ende Juli nach Ceuta gekommene Migranten seien zwar inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Aber Tausende Menschen hielten sich immer noch ohne ein Dach über dem Kopf in der Stadt auf. Das werde zum Problem für Sicherheit und Zusammenleben. Ein Internierungszentrum, argumentiert der Bürgermeister, würde dafür sorgen, dass die Lage besser kontrolliert werden könnte und die Migranten einen Schlafplatz und Essen bekommen.

Bislang gibt es in Ceuta nur ein Aufnahmezentrum, das komplett überfüllt ist

Ceuta besitzt zwar bereits ein staatliches Aufnahmezentrum für Migranten. Doch auch dieses ist längst überfüllt. Die Einrichtung verfügt regulär über gut 500 Plätze; inzwischen sind dort provisorisch 800 Menschen untergebracht. Vor allem aber ist es kein Gefängnis. Seine Bewohner dürfen das Gelände verlassen und sich frei bewegen. Vivas fordert etwas anderes: Ein geschlossenes Internierungslager für Migranten, die abgeschoben werden sollen. Solche Abschiebezentren gibt es bereits auf dem spanischen Festland und den Kanaren. Dort können Ausländer auf richterliche Anordnung festgehalten werden. Vivas verlangt außerdem zusätzliche Polizisten und Ausländerbeamte, damit die Asyl- sowie Abschiebeverfahren schneller abgewickelt werden können. Auch die Soldaten, die seit Beginn der Krise in der Stadt und an der Grenze eingesetzt werden, sollen bleiben.

Die Regierung in Madrid reagiert zurückhaltend auf die Forderung nach einem solchen Internierungslager. Zunächst soll vor allem die Lage der vielen unbegleiteten Kinder geklärt werden. Rund 1300 minderjährige Migranten sind inzwischen offiziell registriert. Bei ihnen wird geprüft, ob eine Rückkehr zu ihren Familien nach Marokko möglich ist. Spaniens Außenminister José Manuel Albares kündigte unterdessen einen harten Kurs an: „Jeder Einzelne, der illegal nach Spanien eingereist ist, wird nach Marokko zurückgebracht.” 

Die Europäische Union hat die Asylregeln bereits verschärft

Ceutas Forderung fügt sich in einen europäischen Trend zu härteren Regeln bei Abschiebung ein. Anfang Juni einigten sich die EU-Staaten und das Europäische Parlament grundsätzlich auf eine neue Rückführungsverordnung. Sie soll Abschiebungen beschleunigen und ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen eine längere Internierung. Vor allem aber ebnet sie den Weg für sogenannte „Return Hubs“ – Rückführungszentren außerhalb der Europäischen Union.

Während Ceuta noch mit den Folgen des Grenzsturms Ende Juli kämpft, wächst die Sorge vor einem neuen Migrantenandrang am 15. August. In marokkanischen sozialen Netzwerken kursieren Aufrufe, an diesem Tag erneut in großer Zahl zur Grenze aufzubrechen. Spanien begann deswegen, die Grenzanlagen technisch noch besser abzusichern – und die Soldaten und Grenzpolizisten in Ceuta bekamen Urlaubsverbot.