Eskalation droht

Aktualisiert am 25.06.2026, 16:41 Uhr

Im Sudan geht die Angst vor einem neuen Massaker wie 2025 in Al-Faschir um.
© AFP/EBRAHIM HAMID

Im kriegsgeplagten Land Sudan könnte es zu einer neuen Offensive kommen. Ziel ist die Stadt Al-Obeid. Beobachter fürchten erneut ein Massaker.

Im Sudan-Krieg droht mit einem bevorstehenden Großangriff auf die strategisch wichtige Stadt Al-Obeid eine neue Eskalation. Rund eine halbe Million Menschen sind in der Stadt eingeschlossen und leiden seit Wochen unter zeitweise täglichen Drohnenangriffen der Miliz Rapid Support Forces (RSF), sagte ein Sprecher des Norwegian Refugee Council (NRC) der Deutschen Presse-Agentur. Der UN-Sicherheitsrat, die USA sowie europäische Staaten, darunter Deutschland, äußerten sich alarmiert über die Lage.

In einer Erklärung der europäischen Länder heißt es unter anderen, dass die Angriffe auf die Stadt unverzüglich einzustellen seien. Es lägen mittlerweile „glaubwürdige Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Offensive“ vor, heißt es in der Erklärung weiter. „Dies ist ein kritischer Moment und die internationale Gemeinschaft muss handeln.“

Der Sudan kommt nicht zur Ruhe

„Letztes Jahr wurde die Welt mit Entsetzen Zeuge der Gräueltaten in Al-Faschir – Verbrechen, die dahin gehend bewertet werden, dass sie ‚Merkmale eines Völkermords‘ aufweisen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Derartiges wiederholt“, teilten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Irlands, Italiens, der Niederlande, Norwegens und Großbritanniens bereits am Dienstag mit.

Vertreter der Vereinten Nationen und der USA telefonierten mit dem RSF-Milizenführer Mohamed Hamdan „Hemedti“ Daglo und forderten ihn auf, von einem Angriff auf die Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan abzusehen. Milizquellen teilten ihrerseits mit, Daglo habe den USA die Sicherheit von Zivilisten und humanitäre Hilfe zugesichert.

Daglos RSF kämpft seit April 2023 gegen die Truppen des sudanesischen de facto-Staatschefs Abdel-Fattah al-Burhan. Die UN bezeichnen den Krieg als die derzeit größte humanitäre Krise der Welt.

Angst vor Gräueltaten

Noch sei das Verlassen der von der Armee kontrollierten Stadt möglich, die unter Drohnenangriffen durch die RSF-Miliz und zunehmend knapper Versorgung leidet, sagte Elias Ata, NRC-Sprecher für das östliche Afrika. Nahezu tägliche Angriffe haben in den vergangenen Wochen unter anderem die Strom-, Treibstoff- und Wasserversorgung von Al-Obeid nahezu zerstört. „Unsere Sorge ist, dass es zu neuen massenhaften Gräueltaten wie in Al-Faschir kommt“, sagte Ata zu den Befürchtungen einer Einnahme der Stadt.

Die RSF hatte im vergangenen Oktober nach eineinhalbjähriger Belagerung Al-Faschir eingenommen, die Hauptstadt von Nord-Darfur. Nach UN-Angaben wurden mindestens 6.000 Menschen Opfer von Massakern. Experten des Yale Humanitarian Lab, die Satellitenaufnahmen auswerten, schätzen die Zahl der Toten in Al-Faschir sogar auf 60.000. Überlebende Einwohner der Stadt erlebten nach der Eroberung und auf der Flucht massenhaft sexuelle Gewalt.

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Al-Obeid gilt als strategisch wichtiges Ziel

„Wird Al-Obeid eingenommen, gibt das dem Krieg eine völlig andere Richtung“, sagte Mohamed Kamal, Sudan-Landesdirektor von Plan International, der Deutschen Presse-Agentur. Nord-Kordofan, in dem sich die Verkehrsachsen des Landes kreuzen, sei einer der strategisch wichtigsten Bundesstaaten des Sudan. „Al-Obeid ist das Tor nach Khartum.“ Die Kinderrechtsorganisation musste wegen der Lage bereits ihre Mitarbeiter aus Al-Obeid evakuieren.

Die RSF hat die Stadt im Zentrum des Landes seit Beginn des Kriegs mehrfach belagert, war aber zurückgedrängt worden. Während die Armee die Hauptstadt Khartum nordöstlich von Al-Obeid zurückerobern konnte, brachte die RSF fast den gesamten Westen des Landes unter ihre Kontrolle. (dpa/afp/bearbeitet von the)