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19. August 2026 in News
Mehr als 20 Jahre ist es heute her, dass der Kletterer und Alpinist Daniel Gebel zum ersten Mal Madagaskar besucht hat. Als Gebel gemeinsam mit der Extrembergsteigerin Dörte Pietro 2025 wiederkam, hatte das Duo ein Ziel: die legendäre Bigwall-Route Mora Mora (8c, 700 m) am Tsaranoro Atsimo-Massiv frei zu klettern.
Ein erster Blick auf den Zustand der Bohrhaken der Linie machte Gebel und Pietron schnell klar: hier wird so schnell erstmal nicht geklettert. „Mora Mora“ heißt auf Deutsch in etwa „nimm’s locker“ – aber beim Thema Sicherheit gilt dieses Credo definitiv nicht.
Stattdessen fassten Gebel und Pietro einen neuen Plan: 2026 wollten sie erneut nach Madagaskar reisen und ordentlich Zeit in die Wiederherstellung der Route investieren.
Die Haken waren stark verrostet und das Klettern damit nicht mehr sicher. Der neue Plan: wiederzukommen, die Route zu sanieren und dann frei zu klettern.
Daniel Gebel

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„Fast verlorene Route“ aufwändig saniert
Das Sanierungsprojekt kann sich sehen lassen: Insgesamt 120 Kilogramm Ausrüstung und Material, 800 Meter Statikseil und 150 neue Klebehaken kamen dabei zum Einsatz. Gebel und Pietro arbeiteten dafür mit einem kleinen internationalen Team zusammen.
Was dem Duo bei der Sanierung besonders wichtig war: den Charakter der Route bestmöglich zu erhalten. Dafür bezogen sie andere Kletterinnen und Kletterer ein, denen die Linie bereits gelungen ist. Dazu zählten allen voran die beiden Erstbegeher Francisco Blanco and Toti Valés aus Spanien, die 1999 die Linie eingebohrt und (wenn auch nicht gänzlich frei) geklettert hatten.
Wir haben beim Ersetzen der Haken eng mit den Erstbegehern und einigen Wiederholern beraten, damit der ursprüngliche Charakter der Linie erhalten bleibt.
Daniel Gebel
Am Ende blieb die Anzahl der Haken „quasi gleich“, sagt Daniel Gebel. Keine Selbstverständlichkeit – denn die ersten Begeher der Route nutzten an mancher Stelle entfernbare Haken, die es heute im Klettern so nicht mehr gibt.
Durchstieg geglückt: weitere Begehung für Mora Mora
Die intensive Arbeit an Mora Mora hat sich schon allein für Daniel Gebel und Dörte Pietron ausgezahlt. Pietron konnte alle zwölf Seillängen der Route im ersten Versuch frei klettern.
Die Schwierigkeit gab Adam Ondra, der die Linie 2010 erstmals frei kletterte, mit bis zu 8b+/8c an. Gebel und Pietron sprechen von „Kletterei bis zu 8b“. 2017 gelang auch Edu Marín und Sasha DiGiulian die Linie komplett frei – DiGiulian machte damit die erste weibliche Begehung.
Wer kümmert sich um den Erhalt von Kletterrouten abseits der Hotspots?
Mit der erfolgreichen Begehung endet die Geschichte von Mora Mora allerdings nicht. Denn der Rost, der den Bohrhaken der Linie so zugesetzt hatte, betrifft etwa ein Drittel aller Kletterrouten im Tsaranoro-Massiv.
Dass Madagaskar ein eher entlegener Kletterspot ist, ist laut Daniel Gebel nicht der einzige Grund: „Routensanierungen bringen einem keine Ehre ein, sondern kosten Zeit, Geld und Energie. Trotzdem ist es enorm wichtig, damit Routen überhaupt erhalten werden.“
Routensanierungen sind die unsichtbare Seite des Klettersports. Erstbegehungen bedeuten Abenteuer, Freiheit und Fame. Routen wiederherzustellen ist das Gegenteil – es wird aber immer wichtiger, je mehr Linien entstehen.
Daniel Gebel
In einer Zeit, in der eine spektakuläre Begehungen die nächste jagt, stellt sich nicht nur Gebel die Frage: Wer kümmert sich in Zukunft um die Routen, die wir heute erstbegehen – gerade in entlegenen Regionen wie Madagaskar?
Text
Julia Gürster f. Kletterszene.com
Foto
Jan Novak
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