»Heute bestimmen die Finanzströme die Agenda der WHO stärker als ihre eigenen Kontrollgremien«, mahnte der ehemalige kommissarische Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Anders Nordström, im Juli in einem vielbeachteten Beitrag auf dem Fachblog »Think Global Health«. Die Organisation werde nicht vornehmlich durch regelmäßige Beiträge von Mitgliedsstaaten finanziert, sondern sei davon abhängig, dass staatliche oder nichtstaatliche Geber Geld zur Verfügung stellen, was sie in der Regel zweckgebunden tun. »Das untergräbt die institutionelle Integrität«, kritisierte er. Die Staaten der Welt hätten immer größere Erwartungen an die WHO, während deren finanziellen und personellen Kapazitäten schrumpfen. Es brauche daher dringend Reformen.

Tatsächlich kämpft die Organisation mit einer beispiellosen Finanzkrise. Im Januar 2026 erklärte die US-Regierung offiziell den Austritt der USA; US-Präsident Donald Trump hatte ihn ein Jahr zuvor per Erlass verfügt, damals hatten die USA auch bereits die Zahlung ihrer Mitgliedsbeiträge eingestellt. Nach dem Verlust des größten staatlichen Geldgebers klaffte im laufenden Basishaushalt für 2026 und 2027 eine Lücke von fast einer Milliarde US-Dollar; er musste deshalb um 14 Prozent auf 4,2 Milliarden US-Dollar gekürzt werden. Weltweit hat die WHO fast ein Viertel ihrer Mitarbeiter entlassen; am Hauptsitz im teuren Genf wird nahezu jede dritte Stelle gestrichen. Das nagt an den operativen Fähigkeiten, gerade in Zeiten, in denen globale Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel steigen.

Durch den Austritt der USA stieg die private Gates-Stiftung, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegt, zum größten Geldgeber der WHO auf.