Haft in Marokko

Aktualisiert am 20.08.2026, 08:16 Uhr

Leon Baptiste (li.) wurde 2023 als ‚England Athletics Coach of the Year‘ ausgezeichnet.
© Getty Images for Sporting Equals/John Phillips

Der britische Sprint-Trainer Leon Baptiste galt wochenlang als vermisst. Nun steht fest: Der ehemalige Commonwealth-Games-Sieger verbüßt in einem marokkanischen Gefängnis eine Haftstrafe – wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine minderjährige Person. Mehrere britische Top-Sprinter standen plötzlich ohne Coach da.

Der Fall des Leichtathletik-Trainers Leon Baptiste erschüttert die britische Sport-Szene: Der 41-Jährige, der zuletzt als beratender Sprint-Trainer für UK Athletics arbeitete und eine Reihe hochkarätiger Athleten auf die bevorstehenden Commonwealth Games sowie die Europameisterschaften vorbereitete, befindet sich seit Mai in marokkanischer Haft. Wie die „BBC“ enthüllte, wurde Baptiste in Marrakesch festgenommen, wegen sexuellen Übergriffs auf eine minderjährige Person verurteilt und verbüßt seine Strafe im Gefängnis Al-Oudaya.

Eine Quelle im marokkanischen Justizministerium bestätigte der BBC die Einzelheiten des Falls. Demnach lautete das ursprüngliche Strafmaß auf zehn Monate Gefängnis; in der Berufungsinstanz wurde die Strafe auf acht Monate herabgesetzt. In Marokko gilt als minderjährig, wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Wochenlang galt Baptiste als verschollen

Über mehr als drei Monate hinweg herrschte völlige Unklarheit über den Verbleib des Trainers. Weder UK Athletics noch die von ihm betreuten Sprinter wussten, warum der Kontakt abgerissen war. Im Mai hatte Baptiste der Gruppe seiner Athleten lediglich eine knappe Mitteilung zukommen lassen, er werde „eine Weile“ nicht verfügbar sein – ohne jede weitere Erklärung.

Am vergangenen Wochenende hatten Medienberichte Baptiste als „vermisst“ eingestuft und sein Verschwinden in Marokko verortet. Am Dienstag folgte dann eine in seinem Namen versandte E-Mail an die von ihm trainierten Sportler, in der er seinen Rücktritt erklärte und sich auf nicht näher benannte gesundheitliche Probleme berief. Von der tatsächlichen Inhaftierung war darin keine Rede.

Marokkanische Behörden widersprechen „Vermissten“-Berichten

Das marokkanische Justizministerium stellte gegenüber der BBC klar, dass die Darstellung eines mysteriösen Verschwindens nicht den Tatsachen entspreche. „Der betreffende ausländische Staatsbürger hatte den Kontakt zu seinem Umfeld nicht verloren und war keinem unerklärten Verschwinden ausgesetzt“, hieß es in der Stellungnahme. Baptiste befinde sich in gutem Gesundheitszustand.

Die marokkanische Staatsanwaltschaft bestätigte ebenfalls sowohl das Strafmaß als auch den Charakter der Verurteilung. Laut „Daily Mail“ erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums: „Wir unterstützen einen britischen Staatsangehörigen, der in Marokko inhaftiert ist, und stehen mit den Behörden in Kontakt.“ Baptistes Familie sei über die Inhaftierung informiert.

Reise nach Marrakesch mit drei Ex-Athleten

Nach Informationen der BBC war Baptiste gemeinsam mit drei weiteren ehemaligen britischen Athleten nach Marrakesch gereist. Alle drei Begleiter kehrten inzwischen nach Großbritannien zurück. Die BBC versuchte, die betreffenden Sportler zu kontaktieren, erhielt jedoch keine Antwort.

Baptistes abrupter Abgang traf die britische Sprintszene in einem denkbar ungünstigen Moment. Unter den betroffenen Athleten befanden sich unter anderem Olympia-Bronzemedaillengewinner Charlie Dobson und Paralympics-Silbermedaillengewinner Zac Shaw, die sich beide ohne designierten Coach auf die Commonwealth Games in Glasgow und die Europameisterschaften in Birmingham vorbereiten mussten.

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UK Athletics hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall geäußert. (red)

Verwendete Quellen