Die thebanische Nekropole ist eine bedeutende Ausgrabungsstätte am Westufer des Nils. Anders als ihr Name vermuten lässt, umfasst diese nicht nur eine, sondern gleich mehrere Nekropolen. Insgesamt beherbergen diese über 400 Gräber. Nun verraten archäologische Funde aus der Stätte noch mehr über die unterschiedlichen Bestattungspraktiken der Zeit.
Archäologische Funde in der Nekropole
Eine neue Studie im Fachmagazin Frontiers in Environmental Archaeology untersuchte, wie ein bestimmter Grabraum im Laufe mehrerer Jahrhunderte genutzt und wiederverwendet wurde. Erichtet wurde dieser während der fünfundzwanzigsten Dynastie (754 bis 656 vor Christus) und in der ptolemäischen Zeit (305 bis 30 vor Christus) aufgegeben. Die archäologischen Funde zeigen, wie sich die Bestattungspraktiken im alten Ägypten mit der Zeit veränderten.
„Wir fanden insgesamt 16 mumifizierte Menschen, einen mumifizierten Hund und eine gestörte Ablagerung mit den Überresten von mindestens vier Individuen“, sagte Erstautor Dr. Jared Carballo-Pérez von der Universität La Laguna.
Bemerkenswert ist, dass es während der langen Nutzung des Grabraums weder zu einer chaotischen Anhäufung der Bestatteten noch zu einem Verlust der ursprünglichen Rituale kam. Stattdessen zeigt sich eine räumliche Logik, bei der jede neue Grablegung an die Anwesenheit vorheriger Körper angepasst wurde.
Verschiedene Bestattungstrends
Die Entdeckungen offenbarten dabei auch verschiedene Trends bei Bestattungen. Bei den frühesten archäologischen Funden beobachtete das Forschungsteam relativ voneinander getrennte Bestattungen, bei denen Leichen in Särge gelegt wurden.
„Die frühesten hier bestatteten Personen scheinen von hohem gesellschaftlichem Stand gewesen zu sein, da sie in Särgen, mit Grabnetzen und Amuletten beigesetzt wurden und eine Sammlung mit kostbaren Gegenständen enthielt, wie etwa den Inhalt phönizischer Amphoren, von denen viele neben ihnen gefunden wurden“, sagte Molinero Polo.
Gegen Ende der 25. Dynastie und der persischen Zeit, also etwa 680 bis 404 vor Christus, wurden die Toten eher in alle noch verfügbaren Räume eingefügt. Dies führte zu einer dichteren Raumnutzung. In einigen Fällen konnte eine Veränderung in der Positionierung der Gliedmaßen beobachtet werden, zum Beispiel ein eingefalteter Arm, während bei früheren Bestattungen die Arme typischerweise ausgestreckt waren. In der persischen Zeit wurden sogar vertikale Bestattungen entdeckt.
Topaktuell
Symbolischer Helfer im Jenseits?
Carballo-Pérez macht zudem auf einen ganz besonderen archäologischen Fund aufmerksam: „Ein Detail, das ich sehr schön finde, ist die Anwesenheit eines mumifizierten Hundes, der direkt auf den Mumien eines Mannes und einer Frau liegt. Das könnte auf eine enge Beziehung zwischen diesen menschlichen Individuen und dem Tier hindeuten, eine Idee, mit der ich mich leicht identifizieren kann.“
Es könnte aber sogar auch eine weitere Veränderung der rituellen Praxis widerspiegeln, bei der zum Beispiel ein Tier die Rolle eines Psychopomps übernimmt. Das ist ein symbolischer Helfer, der den Toten auf der Reise ins Jenseits begleitet.
Quellen: „From individualized mummies to collective accumulations: an archaeothanatological analysis of funerary reuse in Theban Tomb 209 (Twenty-Fifth Dynasty–Ptolemaic Egypt)“ (Frontiers in Environmental Archaeology, 2026), EurekAlert!
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