Kapstadt/Frankfurt, 20. Aug (Reuters) – Ein akuter Treibstoffmangel in Namibia betrifft die Lufthansa-Tochter Discover Airlines. Der Ferienflieger teilte am Donnerstag mit, Flüge von Namibias Hauptstadt Windhuk nach Frankfurt und München müssten einen Tankstopp in Luanda/Angola einlegen. Am Mittwoch und am Donnerstag musste der tägliche Rückflug nach Frankfurt mit einem Airbus A330 in Luanda zum Tanken unterbrochen werden, wie eine Discover-Sprecherin erklärte. Insgesamt hat die Airline zehn Verbindungen in der Woche von Deutschland nach Windhuk. Die Lufthansa ergänzte, auch die Schweizer Tochter Edelweiss könnte von dem lokal begrenzten, vorübergehenden Engpass betroffen sein.

Ausfälle der Öllieferungen aus den Golf-Staaten aufgrund des Ende Februar von den USA begonnenen Iran-Krieges führten bereits in Asien zu Engpässen bei der Kerosinversorgung. In Europa kam es bisher nicht zu Ausfällen, weil die Airlines Flüge strichen und damit die Nachfrage etwas sank. Lieferanten aus den USA und Nigeria glichen die Lücke aus Nahost teilweise aus, die europäischen Raffinerien erhöhten die Kerosin-Produktion. Die Lufthansa hatte im Frühjahr erklärt, es könne auf manchen Langstreckenflügen notwendig werden, Tankstopps einzulegen. Ein Notfallplan sah für den Fall größerer Versorgungsprobleme das zeitweise Stilllegen von Flugzeugen vor. Zuletzt bekräftigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, die Kerosinversorgung sei stabil.

Wie viele Namibia-Reisende von Discover betroffen sind, blieb offen. Ihre Flüge starten laut Lufthansa in Windhuk planmäßig. Der Treibstofflieferant und das Bodenpersonal der Airline prüften derzeit alle Möglichkeiten, um wieder zu einer normalen Versorgung zurückzukehren. Der Kerosinlieferant Vivo Energy war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Passagiere, die wegen der Verzögerungen Anschlussflüge verpassten, sollen laut Lufthansa automatisch umgebucht werden. Zudem könne es Auswirkungen auf die Frachtbeförderung geben.

Der Betreiber des Flughafens Windhuk, die Namibia Airports Company (NAC), erklärte, die Probleme mit der Versorgung von Jet-A-1-Treibstoff am wichtigsten Airport des Landes seien bekannt. Es würden Maßnahmen ergriffen, um Störungen so gering wie möglich zu halten. Nach einem Bericht des „Windhoek Observer“ hatte die NAC schon am Mittwoch vor Beeinträchtigungen gewarnt. Der Flughafenbetrieb sollte dennoch aufrechterhalten werden.

(Bericht von Wendell Roelf und Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)