Zehntausende Menschen überquerten im Juli und August 2026 die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta. Zu dieser Zeit kursierten im Sommer 2026 vermehrt Falschinformationen rund um das Thema Migration in sozialen Netzwerken. Vor diesem Hintergrund wurde online ein Video eines Schwarzen Mannes geteilt, der darin angeblich auf Englisch Geld und ein kostenloses Haus in Europa fordern würde. AFP stellte jedoch fest, dass das Video manipuliert wurde. Im tatsächlichen Video sprach der Mann Arabisch und forderte nichts dergleichen.
„Ich will mein Geld und mein gratis Haus. Und eine englische Frau, es ist mein Traum“, scheint ein wütender, gestikulierender Mann auf Englisch in die Kamera zu rufen. „Wenn das jeder haben kann, dann wollen wir es auch. Das gibt es nirgendwo sonst; England ist gut“, heißt es weiter. Der elf Sekunden lange Clip wurde am 6. August 2026 auf Facebook gepostet und über 500 Mal geteilt. In den Kommentaren sind Nutzerinnen und Nutzer über die angeblichen Forderungen des Mannes empört. „Wie extrem verblödet muss man sein um so etwas zu fordern?“, kommentierte eine Userin. Viele posteten rassistische und hetzerische Kommentare.
Ein weiterer Clip mit einer ähnlichen Szene wurde bereits am 27. Mai 2026 auf Facebook hochgeladen. In dem etwas kürzeren, rund sechs Sekunden langen Clip ist der scheinbar selbe Mann zu sehen, der bereits in diesem Video Geld und ein kostenloses Haus fordern würde. Allerdings unterscheiden sich in dem kürzeren Clip die Gestik und die Stimme des Mannes leicht von denen im elf Sekunden langen Clip. Der Facebook-Nutzer, der das Video teilte, ist empört. Er schrieb in die Videobeschreibung: „Beachten Sie die Anmaßung. MEIN Geld und MEIN kostenloses Haus.“

Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 19. August 2026
Das Video wurde auf unterschiedlichen Plattformen geteilt und kursierte in verschiedenen Sprachen wie Griechisch, Polnisch und Tschechisch.
Auch auf dem österreichischen Blog Der Status wurde am 9. Juni 2026 ein Artikel veröffentlicht, in dem die angeblichen Aussagen des Mannes zum Anlass genommen wurden, um europäische Migrationspolitik zu kritisieren. AFP stellte jedoch fest, dass der Mann im Video diese Aussagen nicht tätigte. Die kursierenden Clips entstanden durch die Bearbeitung eines älteren, nicht damit im Zusammenhang stehenden Videos. Im Originalvideo sprach der Mann Arabisch und forderte weder Geld noch eine gratis Unterkunft.
Manipuliertes Video stammt aus Tunesien
Mithilfe einer umgekehrten Bildsuche von Einzelbildern aus dem Video fand AFP einen Video-Bericht, der am 28. Februar 2024 auf dem Youtube-Kanal der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) veröffentlicht wurde. Laut der Videobeschreibung wurde das Material am 22. Februar 2024 in einem Geflüchtetenlager in Tunis, der Hauptstadt von Tunesien, gedreht. Für den 1:26 Minuten langen Bericht fragte AP mehrere Männer im Lager nach ihrer Meinung zu einem umstritte nen Migrationsabkommen zwischen Albanien und Italien. Laut dem Abkommen sollten monatlich 3000 in Italien aufgegriffene Migrantinnen und Migranten in Lager im Norden Albaniens untergebracht werden.
Im AP-Bericht ist der Mann aus den kursierenden Clips ab Sekunde 00:54 zu sehen. Laut der Videobeschreibung von AP sei der Mann ein sudanesischer Geflüchteter namens Ahmed, der seinen Nachnamen nicht nannte. Er spricht in dem Bericht mit ruhiger Stimme auf Arabisch. Laut der Übersetzung in der Videobeschreibung sagt er: „Wir brauchen Sicherheit, weil wir nicht wissen, was in Albanien mit uns geschehen wird. Wenn die Entscheidung Europas uns helfen wird, unterstützen wir sie und hoffen, dass man uns helfen wird, denn wir sind bereits auf der Flucht vor dem Krieg.“
Ein arabischsprachiger AFP-Journalist sah sich den Clip ebenfalls an und stellte fest, dass die Äußerungen des Mannes etwas zusammenhanglos waren, übersetzte sie jedoch wie folgt: „Jetzt brauchen wir Schutz und Ruhe, denn wir wissen nicht, wie sich der albanische Staat zu uns äußern wird. Wenn er seine Türen für Migranten oder Flüchtlinge öffnet, sind diese willkommen. Wenn ein Staat oder eine Organisation Flüchtlingen oder Migranten hilft, denn wir fliehen schließlich vor einem Krieg.“ Dies belegt, dass der Mann – entgegen der Darstellung in den kursierenden Clips – weder Geld noch ein kostenloses Haus vor laufender Kamera forderte.
Visuelle Fehler deuten auf KI-Manipulation hin
Eine Analyse der beiden kursierenden Videos offenbart mehrere visuelle Unstimmigkeiten. Im elf Sekunden langen Clip, der online geteilt wurde, stimmen die Anzahl der Personen im Hintergrund sowie deren Gesichtszüge mit dem authentischen Filmmaterial von AP nicht überein. Auch bei der Kleidung gibt es einige Abweichungen.
Die Gesichtszüge und die Anzahl der Personen, die um den Mann herumstehen, unterscheiden sich im sechs Sekunden langen Social-Media-Video ebenfalls vom Originalvideo. Zudem weicht die Kleidung eines Mannes ab, der ganz rechts im Bild steht: Im authentischen Video trägt er ein gestreiftes Hemd, im kursierenden Clip scheint es weiß zu sein.

Vergleich des authentischen AP-Videos (links) und der gefälschten Version (rechts), Ai-Hinweis und rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 10. August 2026
AFP überprüfte die Tonspur des sechs Sekunden langen Videos mit dem Erkennungstool Hiya des Analyseprogramms InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist. Das Ergebnis zeigt, dass die Audiospur mit einer Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) generiert wurde.

Ergebnis des Analysetools Hiya: 20. August 2026
Einen weiteren Hinweis auf die Manipulation des Videos liefert eine digital-forensische Analyse mit InVID WeVerify. Sie ergab, dass die Personen im Vordergrund andere digitale Signale aufweisen als die restlichen Menschen in der Aufnahme.
Im Vergleich zum Originalvideo unterscheiden sich im elf Sekunden langen Clip das Streifenmuster und der Hemdkragen eines anderen Mannes, der am rechten Rand des Videoausschnittes steht. Außerdem trägt er im manipulierten Video eine weiße Jacke mit zwei schwarzen Kordeln, während im authentischen AP-Material nur eine Kordel sichtbar ist:

Vergleich der Details im Originalvideo (links) und der manipulierten Version (rechts), Ai-Hinweis und orange Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 11. August 2026
Nach der Hälfte des Videos gibt es einen fast unmerklichen Schnitt. In der ersten Videohälfte erscheint die unterste Textzeile auf dem braunen Kapuzenpulli des sprechenden Mannes unscharf. In der zweiten Hälfte des Videos ist deutlich das Wort „HONORED“ zu lesen. Auf der weißen Jacke des Mannes neben ihm erscheinen ab der zweiten Hälfte schwarze Knöpfe und eine Brusttasche mit Reißverschluss, die in der ersten Hälfte des Videos noch nicht zu sehen waren.

Ein Vergleich der Videohälften des kursierenden 11 Sekunden langen Clips, Ai-Hinweise und bunte Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 10. August 2026
AFP hat auch die Tonspur des kürzeren Clips mithilfe von Hiya, dem KI-Audio-Erkennungstool von InVID WeVerify, analysiert. Das Ergebnis: Sie wurde mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent KI-generiert.

Ergebnis des Analysetools Hiya: 20. August 2026
Faktenchecks zu Falschbehauptungen über das Thema Migration sammelt AFP auf seiner Website.
Fazit: Online kursierte ein Video eines Mannes, in dem er angeblich auf Englisch Geld und ein kostenloses Haus fordern würde. AFP stellte jedoch fest, dass das Video mithilfe von Künstlicher Intelligenz manipuliert wurde. Das Originalvideo basiert auf einem Bericht der Associated Press und zeigt den Mann, wie er auf Arabisch spricht. Er forderte nichts dergleichen.