Die Blicke mögen dieser Tage auf Spaniens Exklave Ceuta gerichtet sein, doch auch Mallorca hat mit den Folgen irregulärer Migration alle Hände voll zu tun. Seit Mitte Mai sind nach Angaben der balearischen Regierung mehr als 3.000 Menschen in sogenannten pateras auf den Inseln angekommen. Damit hat sich der Zustrom aus Nordafrika in den vergangenen Monaten auf einem hohen Niveau gehalten.
Von Mitte Mai bis zur zweiten Augusthälfte zählten die zuständigen Behörden 3.041 Menschen, die die Balearen auf dem Seeweg erreichten. Das entspricht durchschnittlich mehr als 1.000 Ankünften pro Monat. Seit Jahresbeginn registrierte die Madrider Regierungsvertretung auf den Balearen 4.544 Migranten. Zusammen mit den 7.321 Menschen, die im vergangenen Jahr auf diesem Weg auf die Inseln gelangten, ergibt sich innerhalb von gut eineinhalb Jahren eine Zahl von fast 12.000.
Die Regionalregierung spricht deshalb längst nicht mehr von einer vorübergehenden Entwicklung. Die Migration habe sich vielmehr zu einer „strukturellen Herausforderung“ entwickelt. Besonders deutlich wird der anhaltende Druck an den jüngsten Zahlen: Nach 613 Ankünften in der zweiten Maihälfte und 488 im Juni wurden im Juli bereits 1.180 Menschen registriert. Bis zum 17. August kamen weitere 760 hinzu. Hintergrund sind vorteilhafte Wetterbindungen, die die risikobehaftete Überfahrt aus Algerien weniger gefährlich machen.
Die Zahl der Neuankömmlinge übersteige die Aufnahmekapazitäten der Inseln, warnt Palma. Die Regionalregierung fordert von Madrid deshalb einen „eigenen Aktionsplan für die Balearen“. Nötig seien unter anderem ein stärkeres Vorgehen gegen die Ursachen der Migrationsbewegungen, eine bessere Kontrolle der Außengrenzen und mehr Unterstützung für die Aufnahmezentren.
Damit sieht sich die Regionalregierung auch in ihrer Kritik an Innenminister Fernando Grande-Marlaska (Sozialdemokraten, PSOE) bestätigt. Dieser hatte im Mai zwar auf einen landesweiten Rückgang der irregulären Ankünfte um 40 Prozent verwiesen, zugleich aber eingeräumt, dass Mallorca und die Nachbarinseln von diesem Trend ausgenommen seien. Er setzte darauf, dass die Zusammenarbeit mit den Herkunfts- und Transitstaaten die Entwicklung allmählich „umkehren“ werde, sagte Grande-Marlaska.
Besonders angespannt ist die Lage bei den unbegleiteten Minderjährigen. Nach Angaben der Landesregierung leben inzwischen rund 900 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung auf den Inseln. Das reguläre System der Jugendhilfe verfügt dagegen lediglich über 434 Plätze. Für die Unterbringung und Betreuung dieser Personengruppe sind die jeweiligen Inselräte zuständig.
Die Balearen fordern deshalb mehr Geld, Personal und eine koordinierte Unterstützung durch Madrid. Die Situation hat sich zuletzt durch tödliche Bootsunglücke weiter verschärft. Nach Angaben von Frontex (Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache) nahm die Zahl der Menschen, die über die Algerien-Route auf die Balearen gelangen, im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent zu.