Im Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie im Grenzgebiet zu Uganda breitet sich Ebola immer weiter aus. Deshalb werden jetzt auch Impfdosen in die Region geschickt, die eigentlich gegen eine andere Variante des Virus entwickelt worden waren.
Internationale Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung mit großer Sorge. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)[1] warnt, dass sich der Ausbruch im Kongo derzeit so schnell ausbreitet wie kein Ebola-Ausbruch zuvor. Er gilt als bislang tödlichster in der Geschichte des Landes und ist besonders schwer einzudämmen.
Wie ist die aktuelle Ebola-Lage im Kongo?
Ebola ist eine schwere Viruserkrankung, die in Zentral- und Ostafrika sowie auch in Westafrika regelmäßig in Ausbrüchen auftritt. Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hoch ansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus.
Aktuell breitet sich das Virus in der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo sowie im benachbarten Land Uganda aus. Der Chef der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, geht davon aus, dass sich der aktuelle Ebola-Ausbruch weiter zuspitzt, bevor er unter Kontrolle gebracht wird.

Bislang starben 2325 Menschen an dem tödlichen Virus, wie das Institut für Öffentliche Gesundheit der Demokratischen Republik Kongo mitteilte. Bei dem zuvor größten Ebola-Ausbruch im Kongo waren zwischen 2018 und 2020 insgesamt 2299 Patientinnen und Patienten gestorben.
Die jetzige Infektionswelle ist bereits der 17. dokumentierte Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land mit rund 112 Millionen Einwohnern. Seit Mai 2026 sind 5021 Menschen nachweislich an der hochansteckenden Infektionskrankheit erkrankt, so das Regionalbüro Afrika der WHO. Eine weltweit größere Krankheitswelle der Viruserkrankung gab es lediglich in Westafrika, als zwischen 2014 und 2016 in Guinea, Liberia und Sierra Leone mehr als 28.500 Fälle registriert wurden und 11.310 Menschen starben.

Was macht den aktuellen Ebola-Ausbruch so herausfordernd?
Nach WHO-Angaben liegt die Todesrate derzeit bei etwa 47 Prozent[2] – das bedeutet, fast die Hälfte aller nachgewiesenen Infizierten ist gestorben. Für die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Ebolavirus gibt es noch keine gezielten Impfstoffe oder Medikamente.
Allerdings gibt es einen Impfstoff gegen die verwandte Zaire-Ebola-Variante. Von diesem Impfstoff Ervebo werden laut WHO[3] nun 70.000 Dosen in die Demokratische Republik Kongo geschickt. 50.000 Dosen sind für medizinisches Personal gedacht. Mit den restlichen 20.000 Dosen soll in einer Studie abgeklärt werden, ob der Impfstoff wirksamen Schutz vor der Bundibugyo-Variante bieten kann. Labor- und Tierversuche weisen auf eine mögliche Schutzwirkung hin, die Studie soll jetzt Klarheit darüber bringen.
Virus breitet sich unkontrolliert aus
Bei den meisten neuen Patientinnen und Patienten ist trotz einer Nachverfolgung von Kontaktpersonen nicht klar, wo sie sich angesteckt haben. „Das bedeutet, dass sich das Virus weiterhin unkontrolliert ausbreitet“, sagt Tropenmediziner und Epidemiologe Dr. Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen. In den größeren Zentren gäbe es inzwischen immerhin respektable Isolationskapazitäten und diagnostische Möglichkeiten.
„Gleichzeitig beobachten wir aber immer mehr Fälle in entlegenen Regionen.“ Für die Menschen dort sei es deutlich schwieriger, eine Einrichtung zu erreichen, in der sie angemessen getestet und vorübergehend isoliert werden können.
Hinzu komme laut Epidemiologe Gertler, dass viele Menschen kein Vertrauen in die Gesundheitsversorgung hätten. „Die Hauptursache dafür, dass wir die Epidemie derzeit nicht unter Kontrolle bekommen, ist die desolate soziale, wirtschaftliche und politische Situation in den betroffenen Regionen. Sie erschwert auch die Verfügbarkeit von Tests und anderen diagnostischen Verfahren.“ Es fehle dazu an medizinischem Personal und an politischen Rahmenbedingungen, die eine gute Arbeit überhaupt ermöglichen.
Bei früheren Ausbrüchen konnte man die ersten menschlichen Infektionen teilweise sehr genau rekonstruieren. Im aktuellen Fall sei laut Gertler die Situation durch die Größe der Region, die politische Unsicherheit und die schwierigen Verkehrswege deutlich komplizierter. „Die Epidemie wird wohl erst dann unter Kontrolle zu bringen sein, wenn es deutlich weniger neue Fälle außerhalb der Kontaktverfolgung gibt“, sagt Gertler.
Was bräuchte es, um die Ebola-Epidemie einzudämmen?
Die Ebola-Epidemie lasse sich nicht allein durch die Behandlung einzelner, ohnehin schon schwer erkrankter Menschen in den Griff bekommen, so der Experte. „Entscheidend sind Prävention, Kontaktverfolgung und Aufklärung – also Maßnahmen, die weniger spektakulär wirken, aber die Weiterverbreitung tatsächlich eindämmen können.“
Besteht in Deutschland Anlass zur Sorge?
Für die Menschen in den betroffenen Regionen Afrikas ist der aktuelle Ebola-Ausbruch eine große gesundheitliche Bedrohung. Die WHO hat aufgrund des aktuellen Ausbruchs einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ist jedoch sehr gering, wie Fachleute des Robert Koch-Instituts (RKI) und der WHO einschätzen.
Ein Grund ist die Art der Ansteckung: Ebola verbreitet sich – anders als beispielsweise Corona oder Influenza – nicht durch eine Tröpfcheninfektion über die Luft beim normalen Atmen oder Sprechen. Eine Ansteckung erfolgt in der Regel über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen, etwa Blut, Erbrochenem oder anderen Sekreten. „Für eine Infektion braucht es in der Regel Kontakt dieser Körperflüssigkeiten mit Schleimhäuten oder verletzter Haut“, sagt Dr. Timo Wolf, Oberarzt für Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt.
Ein weiterer entscheidender Punkt dafür, wie schnell sich das Virus verbreitet, ist, wann Erkrankte infektiös werden: „Patientinnen und Patienten sind in der Regel nicht ansteckend, solange sie keine Beschwerden haben. Genau das hilft enorm dabei, Ausbrüche zu kontrollieren“, sagt Wolf. Denn so lassen sich Infizierte und Kontaktpersonen vergleichsweise gut identifizieren und isolieren. Zumindest grundsätzlich.
Denn ob es dennoch zu größeren Ausbrüchen kommt, hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen in den betroffenen Ländern ab. In einigen Regionen wird die schnelle Eindämmung des Virus durch begrenzte medizinische Infrastruktur, fehlendes Schutzmaterial, schwierige Sicherheitslagen oder lange Wege zur Versorgung erschwert.
In Deutschland ist die Situation dahingehend eine andere. Sollten hier oder in anderen europäischen Ländern einzelne importierte Fälle von Ebola auftreten, stehen klar geregelte Abläufe im Gesundheitssystem zur Verfügung. Verdachtsfälle können rasch erkannt und isoliert werden. Dafür gibt es in Deutschland spezialisierte Behandlungszentren und gut etablierte Strukturen für den Umgang mit hochansteckenden Infektionskrankheiten, die bundesweit verfügbar sind.

Kliniken verfügen über Schutzkleidung, feste Hygienestandards und speziell geschultes Personal. Auch die Kontaktverfolgung lässt sich hierzulande engmaschig organisieren: Gesundheitsämter können mögliche Kontaktpersonen rasch identifizieren, informieren und überwachen. Ein großflächiger Ausbruch wäre dadurch in Deutschland sehr unwahrscheinlich.
Kann man sich auf Reisen anstecken?
Wer nicht in die von Ebola betroffenen Regionen reist, hat laut Fachleuten keinen Grund zur Sorge. „Das Risiko, sich auf Flugreisen mit Ebola anzustecken, wird weiterhin als gering eingeschätzt“, beruhigt Wolf. Das deckt sich mit Einschätzungen der WHO und des RKI. Das liege zum einen daran, dass Ebola nicht über die Luft, sondern nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird. Ein weiterer Grund, so Wolf: „Der aktuelle Ausbruch bezieht sich auf eine klar definierte Region.“ Der Osten im Kongo ist nicht ohne Weiteres an internationale Reiserouten angebunden, gleichzeitig liegen beliebte Reiseziele wie Südafrika, Namibia, Kenia oder Tansania weit entfernt vom aktuellen Ausbruchsgeschehen und gelten nicht als betroffen.
Umso wichtiger ist: Wer Reisen in die betroffene Region plant, sollte sich vorab reisemedizinisch beraten lassen und aktuelle Hinweise des Auswärtigen Amtes beachten.
Zudem gilt: Wer nach einem Aufenthalt in einem betroffenen Gebiet Fieber oder grippeähnliche Beschwerden wie starke Abgeschlagenheit oder Durchfall entwickelt, sollte vor einem Arztbesuch zunächst telefonisch medizinischen Rat einholen und auf die Reise hinweisen. Zudem sollten diese Personen bis zur Abklärung unbedingt engen Kontakt zu anderen Personen meiden.

