Klare Hinweise auf eine lange verschollene Stadt in Ägypten entdeckt. (Foto: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities)
Bei einer Ausgrabung im ägyptischen Tell Abu Saifi sind sehr bedeutende architektonische Elemente und Artefakte freigelegt worden. Die Entdeckungen liefern neue Erkenntnisse über die antike Horus-Militärstraße und stützen die These, dass es sich bei dem Fundort um die verlorene Stadt Mesen handeln könnte.
Die Grabungsarbeiten in der Region Ismailia konzentrierten sich in der aktuellen Saison auf die Untersuchung einer massiven Umfassungsmauer aus Lehmziegeln. Dabei stellte sich heraus, dass es sich nicht um den Tempel selbst, sondern um die äußere Begrenzung der religiösen Anlage handelt.
Der Minister für Tourismus und Altertümer, Sherif Fathy, betonte, dass diese Funde die strategische Rolle der Region beim Schutz der östlichen Grenzen Ägyptens dokumentieren. Die fortlaufenden wissenschaftlichen Untersuchungen helfen dabei, den Verlauf der historischen Militärstraße und ihrer Stationen präzise zu rekonstruieren.
Architektonische Schichten und historische Wege
Die Forscher identifizierten die Überreste von zwei aufeinanderfolgenden Steinstraßen, die von außerhalb des befestigten Bereichs zum Tempel führten. Während der ältere Weg aus der ptolemäischen Zeit stammt, wurde darüber in späterer römischer Zeit eine schmalere Straße errichtet.
Zudem legte das Team im nördlichen Teil des Areals Lagerräume und im Süden größere Versorgungsräume frei, die direkt zum Heiligtum führten. Das eigentliche Heiligtum wurde nach ersten Erkenntnissen in der spätrömischen Epoche durch Steinbrucharbeiten weitgehend zerstört.
Wie die Nachrichtenseite Daily News Egypt berichtet, wurde ein besonders bedeutendes Fragment eines massiven Sandsteinsturzes gefunden. Dieser trägt Inschriften von König Ramses II. und erwähnt Restaurierungsarbeiten an einer Statue der Gottheit Horus, dem Herrn von Mesen.
Militärische Bedeutung und spätere Nutzung
Ein weiteres wichtiges Fundstück ist der Teil einer Statue aus Schiefergestein, die einen Armeeschreiber darstellt. Dies unterstreicht laut dem Archäologen Mahmoud Galal den administrativen und militärischen Charakter des antiken Standorts.
Zusätzlich entdeckten die Experten Fragmente von Falkenstatuen aus Basalt und Kalkstein sowie den Torso einer königlichen Basaltstatue. Diese Objekte belegen die religiöse Bedeutung des Ortes über verschiedene Dynastien hinweg.
Die Ausgrabungsergebnisse zeigen, dass Tell Abu Saifi im dritten Jahrhundert nach Christus als Militärkaserne, als ein sogenanntes Castrum, umgenutzt wurde. In der Spätantike diente das Gelände schließlich als Kalksteinbruch, worauf zwei große kreisförmige Brennöfen im Bereich des ehemaligen Heiligtums hindeuten.
Trotz der vielversprechenden Hinweise auf die Identität der Stadt Mesen sind weitere wissenschaftliche Studien erforderlich. Die Mission setzt ihre Arbeit fort, um die endgültige Verbindung zwischen den Funden und der historischen Stadt zweifelsfrei zu belegen.