Im Rechtsstreit des Katharinenklosters auf dem Sinai mit dem ägyptischen Staat findet an diesem Sonntag die abschließende Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof in Kairo statt. Das meldete die griechische Zeitung „Orthodox Times“ am Freitag. In dem Konflikt geht es um Eigentumsfragen und den Rechtsstatus des griechisch-orthodoxen Klosters, das seit 2002 zum Unesco-Welterbe gehört. Ägypten plant an der Stätte ein touristisches Großprojekt.
Der Fall beschäftigt seit längerem auch die Regierungen Ägyptens und Griechenlands. Laut der „Orthodox Times“ blieben monatelange Konsultationen ohne Einigung. Unterdessen riefen vier griechische EU-Parlamentarier die Europäische Kommission um Unterstützung an.
Wie die sozialdemokratische Partei Pasok am Mittwoch mitteilte, äußerten die Abgeordneten Yiannis Maniatis, Nikos Papandreou, Sakis Arnaoutoglou und Nikolas Farantouris Sorge über die bisherige Weigerung der ägyptischen Behörden, den Abt des Klosters anzuerkennen, und die daraus resultierende Unfähigkeit, Eigentumsinteressen des Klosters wirksam zu vertreten.
Forderung: EU-Finanzhilfen prüfen
Die Abgeordneten wiesen darauf hin, diese Entwicklungen fänden zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Europäische Union ihre strategische Partnerschaft mit Ägypten vertiefe und das Land hinsichtlich Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten positiv bewertet habe. Sie verlangten, den Fall des Sinai-Klosters bei Entscheidungen über EU-Finanzhilfen für Ägypten zu berücksichtigen. Die EU-Kommission solle auch erklären, ob der Vorgang mit Ägyptens Verpflichtungen zum Schutz der Religionsfreiheit, der Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz historischer Stätten vereinbar sei.
Katharinenkloster
Das im sechsten Jahrhundert gegründete orthodoxe Katharinenkloster zählt zu den bekanntesten Pilgerorten der Christenheit. Mit seiner bedeutenden Ikonensammlung und Bibliothek zieht das Kloster am Fuß des Mosesbergs auf der Sinai-Halbinsel jährlich Zehntausende Besucher an. 2002 wurde es als UNESCO-Welterbe eingestuft. Das Kloster befindet sich an der Stelle, an der nach dem Bericht der Bibel der brennende Dornbusch stand, in dem Gott Moses erschien und ihn beauftragte, die Israeliten aus Ägypten zu befreien.