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Sie schwingt sich wieder aufs Rad: Hannah Schröder aus Kassel ist bereits mit ihrer Schwester auf dem Fahrrad nach Kamerun gefahren, dieses Mal fährt sie nach Marokko – allein. Das Bild zeigt sie in einem Sandsturm in Marokko. © .privat/nh
Hannah Schröder aus Kassel startet im September eine Fahrradtour bis nach Marokko. Dieses Mal ist sie ohne ihre Schwester unterwegs, mit der sie von 2021 bis 2024 nach Kamerun geradelt war.
Kassel – Für sie selbst sei es gar nichts Besonderes, sagt Hannah Schröder, als sie von ihren neuen Reiseplänen erzählt. Anfang September wird sich die 25-Jährige auf ihr Fahrrad schwingen und bis nach Marokko fahren. Die Strecke ist für die Radreisende keine Entfernung, denn von 2021 bis 2024 ist sie bereits gemeinsam mit ihrer Schwester Greta Schröder auf dem Fahrrad von Deutschland nach Kamerun gefahren und hat hohe Berge, Wüste und den Dschungel erlebt.
Dagegen erscheint ihr die Tour durch bereits bekannte Länder – in Marokko hat sie für sechs Monate gelebt – gar nicht so groß. Und doch ist es eine andere Herausforderung: Dieses Mal ist sie allein mit dem Fahrrad unterwegs. Das ist nicht das erste Mal: Bereits mit 18 Jahren macht sie eine fünfwöchige Fahrradtour durch die Niederlande. „Das war schwierig für mich“, erinnert sie sich, „deswegen bin ich jetzt gespannt.“ Damals habe ihr das Alleinsein zugesetzt, alles habe sie allein regeln müssen, aber sie sei damals auch sehr jung gewesen und habe noch bei ihren Eltern gelebt. Da sei das schon eine große Herausforderung gewesen. Dieses Mal bringt die junge Frau schließlich schon viel Erfahrung mit. Trotzdem sagt sie: „Als ich mit Greta losgefahren bin, habe ich mir kaum Sorgen gemacht, weil ich sie an meiner Seite hatte.“ Das sei jetzt anders.
Mit Zelt und Fahrrad will sie also wieder in den Süden fahren, dieses Mal über die Alpen an der schweizerisch-französischen Grenze. „Ich werde spontan schauen, ob ich das schaffe“, so die 25‑Jährige. Die Idee sei aufgekommen, weil sie bei der letzten Tour in den Süden bereits den Rhône-Radweg gefahren seien. Nun wolle sie etwas Abwechslung. Generell sei sie bei der Routenplanung eher spontan unterwegs, sie gehe aber davon aus, dass sie sich an der Ostküste Frankreichs und Spaniens orientiert. Nur 30 Minuten brauche sie mit der Fähre von Spanien nach Marokko, sagt sie. „Afrika ist der nächste Kontinent und wirklich nah.“
Mitten in den Vorbereitungen sei sie momentan mit ihrem Equipment. Eigentlich wollte sie vieles nutzen, das sie schon bei der großen Reise dabei gehabt hatte. Das Problem: Die Räder und Taschen hatten die Schwestern in Kamerun gelassen und in den Räumlichkeiten einer Organisation untergebracht. Der Grund: Die Reise, die Hannah und Greta Schröder in Deutschland gestartet hatten, hatte für sie in Kamerun geendet – vorerst. „Weil wir dann wieder zurückwollten“, wie Hannah Schröder sagt, hätten sie ihre Räder und ihr Gepäck dort gelassen.
Doch nun benötigt die 25-Jährige ihr Equipment wieder. Ihr Fahrrad sei vor einigen Monaten wieder zu ihr nach Hause gekommen. Nutzen könne sie das allerdings nicht mehr: „Das ist wirklich kaputt, wir hatten Löcher in den Rahmen gebohrt und das ist nicht mehr stabil.“ Schwieriger sei es mit dem restlichen Gepäck: Die Kleidung, die in Kamerun geblieben war, sei verschimmelt. Vor allem aber seien die Radtaschen mit ihren Kochtöpfen aktuell nicht auffindbar. Für Hannah Schröder bedeutet das: Sie müsse sich nun einiges leihen und besorgen, damit es bald losgehen kann.
Obwohl die Räder nun nicht mehr in Kamerun stehen – der Traum, von Kamerun bis nach Südafrika zu fahren, sei nicht geplatzt: „Irgendwann werde ich das noch mit Greta zusammen machen.“ Aus privaten Gründen müsse das momentan noch warten. Momentan lebt die Schwester in Köln, erzählt Hannah Schröder, die selbst für einige Monate in Hamburg gelebt hat. Neun bis zehnmal sei sie in den vergangenen beiden Jahren umgezogen, „ich bin nirgendwo angekommen“. Sie habe die ganze Zeit gewusst, dass sie wieder losziehen wolle.
Für sechs Monate zog es sie nach Marokko, wo sie in einer Sprachschule arbeitete, und in Kassel trug sie Briefe für die Post aus. Mit diesen Ersparnissen finanziert sie auch ihre Reise: „Ich habe während meiner Reisen und zu Hause extrem wenig ausgegeben.“ Nun überlege sie auch, ob sie über Kooperationen bei Instagram Geld verdienen wolle – ob das bei ihrer Radtour nach Marokko schon geschehe, wisse sie selbst noch nicht.
Marokko als Ziel habe sie ausgewählt, weil sie das Land bereits kenne: „Dort habe ich die nötige Sicherheit und das Abenteuer.“ Sie hofft, dass sie bis November in das Land geradelt ist. Noch immer gebe es viel dort zu entdecken, ins Atlas-Gebirge wolle sie etwa. Dort gibt es Berge, die über 4000 Meter hoch sind. Mitte Januar geht es wieder zurück: „Meine Freundin bekommt dann ihr Baby“, so die junge Frau. Dafür wolle sie wieder in Deutschland sein. Lange Zeit wird es sie hier aber nicht halten: Die nächste Reise ist schon in Planung.