Das Logo des G20-Gipfels 2025 ist im Nasrec Expo Centre in Johannesburg zu sehen

Stand: 11.12.2025 • 14:55 Uhr

Die Spannungen zwischen Washington und Pretoria haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Südafrika darf 2026 an keinen G20-Veranstaltungen teilnehmen. Deswegen verkündet das Land nun, sich eine „G20-Pause“ zu nehmen.


Stephan Ueberbach

Donald Trump macht offensichtlich ernst: Die USA schließen, wie angedroht, südafrikanische Vertreterinnen und Vertreter von sämtlichen G20-Veranstaltungen im kommenden Jahr aus. Das bestätigt auch Südafrikas Finanzminister Enoch Godongwana: „Der aktuelle Stand der Dinge ist, dass Südafrika von der Präsidentschaft der USA nicht akkreditiert wurde, um während deren Amtszeit an den G20-Treffen teilzunehmen.“

Die Regierung in Pretoria bemüht sich nach außen um demonstrative Gelassenheit – obwohl die USA in ihrer G20-Präsidentschaft auch inhaltlich auf Konfrontationskurs gehen und alle Schwerpunkte des südafrikanischen Vorsitzes von der Agenda streichen wollen. „Wir werden ganz sicher nicht in Washington betteln“, sagt Präsidialamtsministerin Khumbudzo Ntshavheni.

Auch wenn diese Entwicklung bedauerlich ist, bleibt Südafrika als Gründungsmitglied den Prinzipien der G20 unverbrüchlich verpflichtet. Der G20-Gipfel in Johannesburg in diesem Jahr hat die Kraft des Multilateralismus unter Beweis gestellt, und wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Kooperation der richtige Weg zu Wohlstand für alle Menschen weltweit ist.

Merz will vermitteln

Rückendeckung für Südafrika kommt bisher vor allem aus Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz will versuchen, Trump doch noch umzustimmen. Die G20, so heißt es aus Berlin, sollten nicht ohne Not verkleinert werden. Andreas Peschke, der deutsche Botschafter in Südafrika, bekräftigte diese Position in einem Gespräch mit dem Nachrichtenkanal Newzroom Afrika: „Wir sind der Meinung, dass Südafrika am Tisch sitzen muss.“

Das Land habe eine sehr erfolgreiche G20-Präsidentschaft geführt, so Peschke. „Aber es geht eigentlich über Südafrika hinaus, denn Südafrika ist der einzige afrikanische Vertreter am Tisch – und wir sprechen über einen Kontinent mit anderthalb Milliarden Menschen und einer sehr dynamischen Entwicklung.“ Dieser Kontinent müsse selbstverständlich in einem so wichtigen internationalen Forum vertreten sein.

USA wollen Polen einladen

Die Ausladung der USA gilt für alle Ebenen: vom Fachbeamten bis hin zur höchsten politischen Führung. Als Konsequenz will die südafrikanische Regierung jetzt eine G20-Auszeit nehmen, in der Hoffnung, dass sich die Verhältnisse nach der US-Präsidentschaft wieder ändern. Finanzminister Godongwana sagte: „Südafrika als Ganzes nimmt im nächsten Jahr nicht teil. Daher sagen wir: ‚Wir legen bei den G20 eine Pause ein und kehren 2027 zurück, wenn das Vereinigte Königreich den Vorsitz übernimmt‘.“

Statt Südafrika will die Trump-Administration Polen in den Kreis der G20 aufnehmen. Allerdings erinnert der südafrikanische Finanzminister daran, dass die Staatengruppe ein informelles Gesprächsforum ist, das nach dem Konsensprinzip funktioniert und wichtige Beschlüsse wie etwa über seine Zusammensetzung nur einstimmig fassen kann. „Eine solche Entscheidung kann kein Land allein treffen“, so Godongwana. Jede Präsidentschaft dürfe Länder ihrer Wahl nur einladen. „Nach meinem Verständnis wird Polen dann ein Gast der G20 sein, aber kein Mitglied.“

Aus der polnischen Botschaft in Pretoria heißt es dazu laut dem Nachrichtenportal News 24, man habe mit Südafrika ein stabiles und für beide Seiten fruchtbares Verhältnis. Polen strebe zwar auf lange Sicht eine Mitgliedschaft an, allerdings nicht auf Kosten eines anderen Staates. Die USA scheinen damit allerdings kein Problem zu haben.