Einen Tag nach dem Abrutschen einer Müllkippe am Rande der guineischen Hauptstadt Conakry hat die nationale Katastrophenschutzbehörde mehr als 350 Menschen in Sicherheit gebracht. Sie wurden vorübergehend in einer Grundschule im Stadtteil Dixinn untergebracht.

Wie das Nachrichtenportal Lerenifleur224 berichtet, richtete die Behörde Klassenräume als Notunterkünfte ein. Zudem seien Lebensmittel an die betroffenen Familien verteilt worden.

In Conakry, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes Guinea, leben viele Menschen in einfachen Behausungen am Rand offener Mülldeponien. Die betroffene Kippe in Dar-es-Salam war nach Angaben der Regierung zuletzt als instabil eingestuft worden. Bereits Tage vor dem Unglück hatte die Regierung eine Räumung des Gebiets und Sicherheitsmaßnahmen angeordnet.

Suche nach Verschütteten dauert an

In der Nacht zum Sonntag waren Teile der Deponie abgerutscht und hatten benachbarte Behausungen unter sich begraben. Das Portal Infos Réelles berichtete am Montag von einer vorläufigen Bilanz von 32 Toten und rund 20 Verletzten. Die Suche nach Verschütteten dauere an.

Das Unglück ereignete sich der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge gegen zwei Uhr morgens, während schwere Regenfälle auf Conakry niedergingen. Rettungskräfte arbeiteten sich mit Baggern durch die instabilen Abfallmassen.

Die Ministerin für Territorialverwaltung, Djenabou Touré, besuchte die Familien vor Ort. Vor der Katastrophe seien Teams unterwegs gewesen, um Anwohner zur Umsiedlung zu bewegen, sagte sie dem Portal Reporter Guinée. „Jedes Mal neigt man dazu zu sagen, es sei der Wille Gottes, aber auch die menschliche Verantwortung ist im Spiel“, wurde die Ministerin zitiert.

Rufe nach Konsequenzen

Der Fraktionschef der Regierungsmehrheit, Alhousseiny Makanera Kaké, sprach sich nach einem Besuch am Unglücksort dafür aus, die Gefahrenzone notfalls mit Polizeigewalt zu räumen. Das Wohnungsbauministerium habe die Schließung des Geländes bereits vier Tage vor dem Unglück angekündigt und eine Frist von drei Tagen gesetzt, sagte er dem Portal Gbassikolo. Ein Teil der Bewohner habe sich jedoch geweigert, das Gebiet zu verlassen.

Der im Exil lebende Oppositionspolitiker und frühere Regierungschef Cellou Dalein Diallo verlangte auf Facebook, die Behörden müssten die Umstände des Unglücks in „voller Transparenz“ aufklären.

Der Vorsitzende des Nationalen Rats der zivilgesellschaftlichen Organisationen, Ange Gabriel Haba, sagte dem guineischen Nachrichtenportal Reporter Guinée, der Staat müsse Menschen aus allen erdrutschgefährdeten Gebieten in Sicherheit bringen. Auch die guineische Anwaltskammer rief die Behörden auf, Vorkehrungen zu treffen, damit sich solche Unglücke nicht wiederholen.

Guinea hat rund 15 Millionen Einwohner. Seit einem Putsch 2021 wird das Land von Mamadi Doumbouya geführt, der Ende 2025 mit 86,7 Prozent zum Präsidenten gewählt und im Januar 2026 vereidigt wurde. Das an Bauxit, Eisenerz und Gold reiche Land verfolgt einen rohstoffnationalistischen Kurs.

Trotz des Reichtums an natürlichen Ressourcen lebt ein großer Teil der Bevölkerung in Armut. Opposition, Proteste und Medien werden nach Angaben von Beobachtern stark eingeschränkt.

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