„Hilary genügt“, bescheidet er der Anruferin, nachdem diese den komplizierten Nachnamen ein paarmal zuvor geübt hat, nicht sicher, ob sie ihn auch wirklich richtig ausspricht. Hilary, das schaffen alle, Clinton sei Dank. Hilary Munyaneza kommt aus Uganda, hat in der Hauptstadt Kampala Philosophie und Theologie studiert, wurde 2009 zum Priester geweiht und war 2013 zum ersten Mal in Deutschland, damals in Würzburg. Das hatte ihm so gut gefallen, dass er sich beim Bistum Augsburg für eine Urlaubsvertretung bewarb und 2015 zum ersten Mal für Pfarrer di Blasi in St. Martin einsprang. Von den drei „Corona-Jahren“ 2020 bis 2022 abgesehen, hat Hilary jeden Sommer vier Wochen als Priester in Lauingen verbracht, das er als seine „zweite Heimat“ ins Herz geschlossen hat.

Wie sehr er hier heimisch ist, zeigt sich sofort, als er zum verabredeten Interview-Termin das Pfarramt betritt und erst einmal mit „Karin“ scherzt, der Pfarramtssekretärin, die „heute eigentlich gar nicht da“ ist. Das Lachen bricht aus ihm heraus wie eine erfrischende kleine Sommer-Salve, es kommt aus dem Herzen und ist ansteckend. Beim Gespräch im Büro des Stadtpfarrers erzählt Hilary, wo er sein ausgezeichnetes Deutsch erworben hat: zuerst als Student in Rom, später beim Goethe-Institut in Uganda bis zum Niveau B1. Das meiste verdankt er jedoch den vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen während der Sommerwochen in Lauingen. Er liebt den Klang des hiesigen Dialekts, auch wenn er nicht alles versteht. Und Hilary liest viel, besonders die Donau Zeitung.

Der Priester liest viel Zeitung

Auf die Frage, was für ihn das Schönste in Lauingen sei, kommt es wie aus der Pistole geschossen: die Kirchen. Also deren künstlerische Gestaltung, wobei er klar die Leonhardikirche bevorzugt. Dann die Freundschaften, die er hier geschlossen hat. Und was das Essen betrifft: Spätzle. Schon bevor Hilary zum ersten Mal nach Deutschland kam, hatte er viel darüber gelesen. Im Kopf hatte er das Bild der Deutschen als sehr fleißig, genau und pünktlich. Er fragte sich, warum das so sei, und in der ersten Woche seines Aufenthaltes bekam er die Antwort: „Schaffe, schaffe, Häusle baue, und ned nach de Mädle schaue“ – Hilary kichert, als er den unvergesslichen Refrain zitiert.

Was sind für ihn die wichtigsten Unterschiede zwischen seiner Heimat und Deutschland? Die Tierwelt. Und die große Vielfalt an Kulturen und Sprachen, es gibt in Uganda rund vierzig verschiedene Stämme. Die Mentalität unterscheide sich stark, in Uganda seien die Menschen sehr offen und lustig, auch in der Gestaltung der Heiligen Messe, die in seiner Heimat viel länger dauert und angefüllt ist mit Musik und Tanz, nicht nur Gospels, sondern auch heimische Lieder. Für die Menschen in Uganda sei beides sehr wichtig, denn sie identifizierten sich zum einen mit ihrem Stamm, zum Zweiten mit der Religion. Und, zumindest die Jungen: mit Fußball.

Er ist auch Lehrer im Kampala

Was hält ein katholischer „Profi“, der im Rahmen seiner Priesterausbildung drei Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie studiert hat, von den verschiedenen Päpsten der jüngeren Vergangenheit? „Jeder Papst ist wichtig in seiner Zeit“, ist Hilary überzeugt, „Gott wählt für jede Zeit den richtigen Papst.“ Was jedoch Afrika betrifft, gibt es eine Leuchtturm-Figur, den inzwischen heilig gesprochenen Papst Paul VI., der im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) als erster Papst überhaupt 1969 den afrikanischen Kontinent besuchte und dort zwölf Bischöfe weihte, davon zuerst Uganda mit vier Bischöfen.

Hilary Munyaneza ist nicht nur Priester, sondern auch Lehrer am Priesterseminar in Kampala, in dem sich im vergangenen Jahr 286 Kandidaten auf den Beruf des katholischen Priesters vorbereiteten. Für seine Lehrtätigkeit nimmt Hilary immer wieder Anregungen aus der deutschen Pfarrpraxis mit, etwa den Kirchenanzeiger, also das Informationswerk über sämtliche kirchliche Veranstaltungen einer Region, dergleichen gebe es in Uganda bisher nicht. Er ist ein offener, zugewandter Mann, mit dem man sofort ins Gespräch kommt, mit dem man sofort lachen kann, doch ist auch spürbar, dass er auf der Höhe der Zeit lebt und sich den ernsten Problemen nicht verschließt. Er spricht über Konsumismus, Süchte und was es für eine Gesellschaft bedeutet, dass so viele alte Menschen alleine in Pflegeheimen leben müssen. Was Armut ist. „Man darf Armut nicht nur wirtschaftlich denken – Einsamkeit ist auch Armut.“