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Zwickau – Die Mauritius Brauerei braut Pilsener, dunklen Bock, dazu ein Schwarzbier („Schwarzes Gold“) und produziert sogar für die Supermärkte Rewe („Kosmonaut Helles“) und Globus („Meister-Bier“) sowie den Discounter Lidl („Perlenbacher“).
Doch weder die starken Partnerschaften noch eine gepflegte Produktpalette oder die Verankerung in der Region – es gibt ein „Trabi-Deluxe“-Dosenbier im Sortiment – haben die Krise aufhalten können. Immer weniger Bierkonsum und steigende Kosten stellten den Traditionsbetrieb mit 51 Mitarbeitern und 200.000 Hektolitern Jahresausstoß in einem schwierigen Markt vor das Aus. Anfang März musste Mauritius Insolvenz anmelden.
Was über den Verkauf bekannt ist
Jetzt neue Hoffnung für die Beschäftigten in Zwickau (Sachsen): Es gibt ein Übernahmeangebot eines möglichen Kaufinteressenten. Darüber berichtete die „Freie Presse“ zuerst. Insolvenzverwalter und Rechtsanwalt Henry Girbig (50) bestätigt gegenüber BILD: „Es liegt ein Angebot vor. Es gibt mehrere Interessenten und es gibt Verhandlungen.“

In der Brauerei werden Eigenmarken-Biere für Supermärkte und Discounter gebraut
Foto: Pastierovic
Noch ist nichts unterschrieben. Eine Gläubigerversammlung soll am 1. September entscheiden, ob die Brauerei an den Interessenten verkauft wird. Wichtig: „Derzeit werden alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt und die Produktion läuft weiter“, sagt Insolvenzverwalter Girbig. Laut einer Beschlussvorlage des Amtsgerichts Chemnitz soll die Brauerei einschließlich der Immobilien und Produktionsanlagen für mindestens drei Millionen Euro veräußert werden. Alle hoffen nun auf eine Weiterführung des stolzen Unternehmens.

So wirbt die Mauritius Brauerei in Zwickau für ihr Bier
Foto: Pastierovic
Das sagt der Chef der Brauerei
Geschäftsführer Jörg Dierig (57) sieht starke Signale dafür und sagt zu BILD: „Es gibt eine positive Fortführungsprognose. Es gibt überhaupt keinen Grund, dass es nicht weitergehen könnte.“ Dabei helfen auch die bestehenden Partnerschaften mit den großen Supermarktketten. Die Insolvenz sei einzig und allein durch „exorbitante Preissteigerungen seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges“ entstanden, so Dierig – vor allem bei Energie, Malz, Hopfen und Leergut für das Bier. So erging es vielen Brauereien in Deutschland.
Die Mauritius Brauerei blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Sie wurde 1859 als Vereinsbrauerei gegründet, hatte eine eigene Krankenkasse und zahlte bereits nach fünf Jahren eine Dividende von sechs Talern an ihre Mitglieder. Das Unternehmen wurde 1889 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, war im Krieg Kugellager-Produktionsstätte, danach in der DDR volkseigener Betrieb (VEB) und gehörte nach der Wende zwischenzeitlich zu Dinkelacker und dem InBev‑Konzern. Derzeit ist Jörg Dierig alleiniger Gesellschafter der Privatbrauerei.