Seit gut drei Monaten wütet in der Demokratischen Republik Kongo der schlimmste Ebola-Ausbruch, den das Land bisher erlebt hat. Auch Teile von Uganda sind betroffen. Über 2600 Menschen sind bereits an dem Virus gestorben, gut 5500 Fälle sind bekannt, das gibt die Gesundheitsagentur der Afrikanischen Union (Africa CDC) an. Das Virus verbreitet sich nach WHO-Angaben schneller als jemals zuvor.

Das liegt daran, dass es sich um den seltenen Typ Bundibugyo handelt. Gegen ihn gibt es bislang weder einen speziellen Impfstoff noch eine Therapie, weshalb sich das Virus schnell ausbreitet und eine hohe Tödlichkeitsrate hat.

Deutschland hat deswegen seine Hilfen aufgestockt. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) kündigte an, dass zusätzliche elf Millionen Euro bereitgestellt werden. Das Geld solle in den kommenden Monaten fließen, wie eine Sprecherin des Entwicklungsministeriums bestätigte. „Die Lage ist absolut dramatisch“, sagte Radovan unserer Redaktion. „Wir können davon ausgehen, dass es der schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte des Landes ist.“

Weitere Unterstützung kommt aus der Europäischen Union, die dem Land Schnelltests und Testgeräte im Wert von 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Erste Lieferungen sollen noch diesen Monat ankommen. Durch eine schnellere Diagnose soll die weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden. Zudem laufen erste klinische Tests für Medikamente und es wird auch an neuen Impfstoffen geforscht.

Noch suchen viele Infizierte trotz Symptomen jedoch keine Gesundheitsstation auf und stecken zu Hause unbemerkt Familienmitglieder und Nachbarn an. Zugleich stoßen den Angaben zufolge Behandlungszentren an ihre Kapazitätsgrenzen. Aus Katwa und der Großstadt Butembo gebe es Berichte, wonach Verdachtsfälle, Erkrankte und sogar Schwangere abgewiesen werden mussten, weil es keine Betten mehr gab. „Die Folgen des Ausbruchs reichen über den Gesundheitsbereich hinaus“, so die Welthungerhilfe. „Einschränkungen im Handel und Verkehr treffen Kleinunternehmer und Händler, Schulschließungen, psychische Belastungen und Misstrauen gegenüber Helfenden nehmen zu.“

„Und wir dürfen nicht vergessen, dass dort gleichzeitig auch bewaffnete Konflikte stattfinden“, sagte Entwicklungsministerin Alabali Radovan. Ende Januar 2025 nahm die sogenannte M23-Miliz Teile im Osten des Landes ein. Dadurch werden auch immer wieder internationale Hilfskräfte, die gegen die Epidemie ankämpfen, angegriffen. In den vergangenen Wochen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes sechs Mitarbeiter verletzt. „Angriffe auf ehrenamtliche Helfer und humanitäres Personal sind inakzeptabel“, erklärten die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sowie die nationalen Rotkreuz-Organisationen im Kongo und in Uganda am Montag. Insgesamt seien seit Ausrufung der Epidemie Mitte Mai zwölf Helfer bei elf gewaltsamen Zwischenfällen verletzt worden, erklärten die Organisationen. „Jeder verletzte Helfer und jedes beschädigte Fahrzeug oder Ausrüstungsteil verringert die Möglichkeiten zur Bereitstellung medizinischer Notfallversorgung und humanitärer Hilfe, was weitere Menschenleben in Gefahr bringt und die Eindämmung der Epidemie erschwert.“

Ebola wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter übertragen. Die Infektion kann Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall bis hin zu inneren Blutungen und Organversagen verursachen. In den vergangenen 50 Jahren starben in Afrika mehr als 15.000 Menschen an der Krankheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Krankheit auch in Deutschland ausbreitet, wird als gering eingeschätzt – kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Eine Weiterverbreitung des Ebolavirus in der Bevölkerung wäre nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts jedoch auch dann sehr unwahrscheinlich, da in Deutschland alle Voraussetzungen zur raschen Unterbrechung von Infektionsketten und zur sicheren Versorgung Betroffener gegeben seien.