«How Africa Works»

In seinem neusten Werk analysiert Joe Studwell Erfolge und Scheitern in verschiedenen afrikanischen Staaten.

Mara Bernath Publiziert heute um 15:29 Uhr LinkedIn Link kopiert Error occurred Facebook Link kopiert Error occurred X Link kopiert Error occurred E-Mail Link kopiert Error occurred Link kopieren Link kopiert Error occurred Buchcover «How Africa Works» von Joe Studwell mit Afrikas Umriss in den Farben Rot, Gelb und Grün auf schwarzem Hintergrund.

Weshalb ist Afrika ärmer als die anderen fünf bewohnten Kontinente? Das ist die Ausgangsfrage, die «How Africa Works» stellt, bevor der Autor Joe Studwell darauf aufbauend verschiedene Wege aufzeigt, wie sich die 54 afrikanischen Staaten wirtschaftlich weiterentwickeln können. Während je nach Land unterschiedliche Faktoren dominieren, gibt es laut Studwell zwei Hauptgründe, warum Afrika dem Rest der Welt wirtschaftlich hinterherhinkt. Der erste ist die fehlende Bevölkerungsdichte. Jahrhundertelang waren in Afrika nicht Land, sondern Arbeitskräfte knapp. Lange haben urbane Zentren gefehlt, Transportwege sind bis heute lang und teuer. Der zweite ist der «Kolonialismus mit knappen Mitteln» – der Grund, warum das Bildungsniveau in vielen afrikanischen Staaten so tief war, dass es nach dem Start in die Unabhängigkeit zuerst noch von sehr niedrigem Niveau aufgebaut werden musste – zusammen mit Verwaltungsstrukturen und Infrastruktur.

Studwell verweilt aber nicht beim Negativen, sondern stellt vier Länder mit Vorbildfunktion vor, ohne deren Probleme auszublenden. Botswana, in dem sich verschiedene politische und ethnische Kräfte erfolgreich zusammengetan haben, um die Entwicklung im Land voranzutreiben. Mauritius, das zusammen mit den Seychellen das einzige afrikanische Land ist, das im Uno-Index, der Lebensstandard, Bildung und Gesundheit misst, den Status «sehr hoch» innehat. Und schliesslich Ruanda und Äthiopien, die beide ein asiatisch-inspiriertes Entwicklungsmodell vorantreiben, angepasst an die lokalen Gegebenheiten.

Vor allem bei letzteren beiden Beispielen kann Studwell auf sein früheres Werk zurückgreifen: Er hat drei Bücher über die wirtschaftliche Entwicklung Südostasiens geschrieben, das wohl bekannteste «How Asia Works», das 2013 publiziert worden ist. Daraufhin haben ihn verschiedene afrikanische Staaten eingeladen, um zu prüfen, inwiefern das asiatische Entwicklungsmodell für Afrika adaptiert werden kann. Studwells Antwort ist nuanciert und Ausgangspunkt für jahrelange Recherchen vor Ort, auf denen das dieses Jahr publizierte «How Africa Works» aufbaut.

Studwell verallgemeinert kaum, was seine Aussagen belastbarer, aber sein Buch leider ein bisschen weniger lesbar macht. Wer am liebsten Bücher liest, die sich in wenigen Stunden im Liegestuhl verschlingen lassen, wird «How Africa Works» wohl schnell wieder weglegen: viele Zahlen, noch mehr Quellen, sorgfältige Ausführungen. Dadurch eignet sich das Buch aber auch für Menschen, die sich bis jetzt kaum mit afrikanischen Staaten auseinandergesetzt haben. Studwell zeigt historische Abhängigkeiten und wirtschaftliche Konsequenzen verständlich auf. Aber auch Kenner der Region lernen Neues. Wissenschaftlich fundiert widerlegt Studwell das westliche Narrativ eines unterentwickelten Afrikas, in dem nur die Bevölkerung und nicht die Wirtschaftsleistung wächst, und leistet damit einen wertvollen Beitrag zu einer klareren Sichtweise auf einen oft missverstandenen Kontinent.

Vollständiger Titel: How Africa Works – Success and Failure on the World’s Last Developmental Frontier

Autor: Joe Studwell

Verlag: Atlantic Monthly Press

Erstmals erschienen: Februar 2026

Anzahl Seiten: 448

Preis: ab 15.50 Fr.

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