Musik, Basar und Essen rund um das Würzburger Rathaus, statt auf den Mainwiesen. Abendkonzerte im Foyer des Congress Centrums, statt im großen Zelt. Das Africa Festival 2026 wird anders werden – und es wird das letzte des Afro-Project-Vereins und von Stefan Oschmann. Zum letzten Mal wird der Gründer und Organisationsleiter des Würzburger Festivals für afrikanische Musik und Kultur an diesem Freitag, 22. Mai, Eröffnungsworte sprechen. Dann ist Schluss, nach 37 Jahren.

Schluss jedenfalls für den Verein: Knappe zwei Wochen vor dem Festival hat Afro Project e.V. im Newsletter mitgeteilt, „dass wir in diesem Jahr das Festival das letzte Mal organisieren werden“. Ob es im nächsten Jahr ein Africa Festival geben wird „und wenn ja, in welcher Form und mit welchem Veranstalterteam“ – das stehe „noch nicht fest“.

Jetzt sagt Gründer Stefan Oschmann: „Das Festival wird weitergehen!“ Man habe sich inzwischen zusammengesetzt, berichtet der 74-Jährige: „Die Bereichsleiter sind bereit, das Festival in Eigenregie zu veranstalten und zu finanzieren.“ 2027 werde ein „neues Festival“ stattfinden, „mit neuem Team“.

Wie das Africa Festival weitergehen soll

Die Bereichsleiter, das seien „die, die das Ganze organisieren“. Aufbau, Technik, Gastro und Essensstände, Basar und Reinigung: „Die kennen das Festival in- und auswendig“, sagt Oschmann. „Die kennen sich mit den Problemen aus, die es da gibt.“ Der Verein Afro Project mit seinen acht Mitgliedern werde die bisherigen Sponsoren bitten, die künftigen Veranstalter zu unterstützen. „Wir geben die Kontakte, das Netzwerk weiter.“

„Das finanzielle Risiko ist sehr hoch“, sagt der 74-Jährige zum Rückzug des Vereins, der seit mehr als 30 Jahren dem breiten Publikum die Musik und Kultur Afrikas näher bringen will und das Festival inhaltlich und ideell seitdem trägt. „Musikalische Entwicklungshilfe“, wie er es nennt. Für den kommerziellen Part und die „Abwicklung“ war seit 2016 die Afro Production GmbH zuständig, deren Geschäftsführer auch Gründer und Vereinsvorsitzender Oschmann ist.

Im Newsletter gibt Afro Project „Corona, Starkregen und Gewitter, Preiserhöhungen bei Veranstaltungstechnik und weniger Sponsoren“ als Gründe an, das Festival an diesem Pfingstwochenende ein letztes Mal zu organisieren. Die meisten Gründungsmitglieder wollten „in Ruhestand“ gehen. „Es ist Zeit, an die jüngere Generation zu übergeben“, sagt Oschmann. „Die Bereichsleiter sind bereit, das Festival in Eigenregie zu veranstalten und zu finanzieren.“

Welche Zukunft sieht die Stadt Würzburg für das Festival?

Die Stadt Würzburg sei seit Monaten mit Oschmann im Gespräch, heißt es aus dem Rathaus. Was das Africa Festival, das sich selbst als „Europas größtes Festival“ für afrikanische Musik und Kultur sieht und in Boom-Jahren mehr als 120.000 Besucherinnen und Besucher hatte, bedeutet?

„Eines der bedeutendsten Kulturereignisse in der Stadt Würzburg, neben dem Mozartfest“, sagt Kulturreferent Benedikt Stegmayer. Nicht nur, weil es das älteste europäische Festival seiner Art sei. „Viel wichtiger ist, dass es auch Menschen aus zahlreichen Kulturen miteinander verbindet und in Kontakt bringt.“

Die Stadt habe „derzeit konkrete Signale, unter anderem vom aktuellen Organisationsteam des Africa Festivals, das Festival im Jahr 2027 wieder auf den Mainwiesen durchzuführen und weiterentwickeln zu wollen“. Und, sagt Stegmayer: „Wir als Stadt Würzburg wünschen uns ab dem kommenden Jahr wieder ein Open-Air-Festival mit dem typischen ‚Happening-Charakter‘ auf den Mainwiesen“.

An diesem Wochenende wird es erst einmal eine andere Version des Africa Festivals in Würzburg geben: mit Musik, Kinderprogramm, Essen, Infoständen und Basartreiben vor dem Rathaus und im Ehrenhof am Pfingstsamstag, Pfingstsonntag und Pfingstmontag – jeweils ab 10 Uhr bis spätabends. Der Vorteil für die Besucher: mitten in der Stadt, Eintritt frei.

Wie geht es weiter mit Afro Project und der Stiftung?

Und Afro Project? Wie geht es weiter mit dem Verein und der angehängten „Stiftung Africa Festival Würzburg“? Gegründet worden war die Treuhandstiftung ursprünglich zur Absicherung nach dem Hochwasser von 2013: „Unterstützung des Africa Festivals Würzburg im Falle von durch Naturereignisse ausgelöste oder durch sonstige Ereignisse entstandene wirtschaftliche Notlagen des Vereins Afro Project e.V. als Veranstalter“, wird als ein Stiftungszweck auf der Webseite angegeben.

Die anderen Zwecke: soziale, kulturelle und karitative Projekte und Einrichtungen in Afrika sowie afrikanische Musikerinnen und Musiker zu fördern. Und: Afro Projects e.V. bei kulturellen, sozialen und informierenden Projekten im Zusammenhang mit den Africa Festivals zu unterstützen. Verein und Stiftung würden bestehen bleiben, sagt Oschmann: „Wir wollen ja die zwei Schulen in Gambia und Guinea noch unterstützen“.