Vor dem Hintergrund des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo sensibilisiert das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Würzburg am Freitag mit Beginn des Africa-Festivals in einem Rundschreiben alle Ärztinnen und Ärzte im Kreisverband Würzburg und Umgebung. Bei entsprechenden klinischen Symptomen sollen sie Patienten gezielt nach Reise- und Aufenthaltsorten sowie nach möglichen Kontakten zu Erkrankten oder Verstorbenen fragen. Das über Würzburg hinaus bekannte Festival endet am Pfingstmontag und findet in diesem Jahr anders als sonst nicht auf den Mainwiesen statt, sondern in der Würzburger Innenstadt.

Das Gesundheitsamt weist dabei gezielt darauf hin, dass zum Africa-Festival in Würzburg auch Händler aus dem Kongo erwartet werden. Die Würzburger Tropenmedizinerin vom „medmissio“ (ehemals Missionsärztliches Institut) in Würzburg, Sabine Gies, hält es allerdings für höchst unwahrscheinlich, dass infizierte Reisende aus dem aktuellen Risikogebiet in der Stadt eintreffen. „Die Wahrscheinlichkeit geht praktisch gegen null“, sagt sie.

Schwierige Reisewege aus dem Kongo nach Unterfranken

Wer nach Würzburg komme, reise in der Regel nicht direkt aus dem Kongo an, sondern eher aus der kongolesischen Diaspora in Europa; und falls doch, dann sehr wahrscheinlich nicht aus dem Osten des Landes. Die Medizinerin, die vor zwei Jahren noch selbst in der Region war, verweist zudem auf die schwierigen Reisewege: Es sei nicht nur schwer, überhaupt dorthin zu gelangen, sondern auch schwer, von dort wieder wegzukommen. Eine unmittelbare Gefahr sieht sie daher nicht.

Würzburger Tropenmedizinerin hält Infektion für unwahrscheinlich

Die Information des Gesundheitsamtes an Ärzte und Ärztinnen in der Region sieht sie als Handreichung. Sie zeige Ärztinnen und Ärzten, die mit solchen Fällen nicht täglich zu tun haben, worauf sie jetzt achten sollen, welche Fragen in der Anamnese wichtig sind und wie bei einem begründeten Verdacht weiter vorzugehen ist. Sie hätte allerdings andere Formulierungen gewählt und gezielt darauf hingewiesen, dass das Risiko insgesamt sehr gering ist.

Das Gesundheitsamt habe – wie alle Gesundheitsämter in Bayern – Ärzte hinsichtlich des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo sensibilisiert, erklärt ein Sprecher des Würzburger Landratsamtes. Eine Veranstaltung wie das Africa-Festival stelle aus fachlicher Sicht keinen Hotspot dar, der geeignet wäre, einen Ebola-Ausbruch zu fördern oder zu begünstigen.

Gesundheitsministerium hat „allgemeine Hinweise“ an Behörden geschickt

Das bayerische Gesundheitsministerium erklärte am Freitagabend gegenüber der Redaktion, man habe zwar Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) an die Gesundheitsämter weitergeleitet. Dabei habe es sich allerdings nur um „allgemeine Hinweise“ gehandelt. Das RKI informiert regelmäßig über Gesundheitslagen, auch über die Entwicklungen im Kongo angesichts des Ebola-Ausbruchs.

Stefan Oschmann, Organisationsleiter des Africa-Festivals, war trotz mehrerer Versuche am Freitagabend nicht zu erreichen.