Die Frauen-Filmnacht steht seit vielen Jahren auch für Solidarität mit Frauen, die kaum Chancen auf ein sozial faires Leben haben. Das Event des Unternehmerinnen Forums Niederrhein ist daher immer auch eine Benefizveranstaltung. Seit vielen Jahren unterstützt das inzwischen auf 120 Mitglieder angewachsene Forum auch Frauen im westafrikanischen Niger. Sie helfen so mit, dass aktuell auch 2328 Frauen am Rande der Sahelzone „unternehmerisch“ beim Projekt „Buamtandi“ im Niger aktiv sein können.

Betreut und begleitet wird das Projekt mit Weberei und Gemüsegarten von der Kevelaerer „Aktion pro Humanität“ (APH). „Es ist eine so wichtige, so große Hilfe für Frauen im Niger“, meint die APH-Vorsitzende Dr. Elke Kleuren-Schryvers. „Ein Land durch nicht enden wollenden Terror schwer verwundet, über das kaum jemand spricht in der Welt, und doch gibt es hier auch Tausende und Abertausende menschlicher Schicksale, die von Tod, Gewalt, Trauma, Flucht, Hunger, Not geprägt sind.“

APH steht im engen, freundschaftlichen Kontakt mit Erzbischof Laurent Lompo, der mit seinem Team in den ländlichen Regionen Makalondi und Torodi nah bei den völlig verängstigten Menschen ist, versucht, das Überleben zu sichern und auch kleine Perspektiven zu ermöglichen.

„Buamtandi ist dafür ein wirkliches Vorzeigeprojekt, denn das Prinzip von der Hilfe zur Selbsthilfe, vom Selbstwertgefühl, von der Teilhabe der Menschen in aller Not wird hier in beeindruckender Weise beherzigt“, erläutert Elke Kleuren-Schryvers. „Inzwischen sind knapp 2400 Frauen in Form einer großen Frauengruppe mit unterschiedlichen Möglichkeiten zur Projektarbeit eingebunden. Sie haben Aufgaben, Sozialkontakte, verdienen etwas, um ihre Familien zu ernähren oder ihre Kinder in die Schule zu schicken.“

Die Unternehmerinnen vom Niederrhein haben es möglich gemacht, dass die afrikanischen „Kolleginnen“ Webstühle anschaffen konnten, ein Hangar für eine kleine Weberei wurde geschaffen, ein Magazin eingerichtet.

Jetzt bitten die Frauen, die in den Bereichen Weberei, Stickerei und Näherei tätig sind, vor allem um Unterstützung zum Kauf von Materialien. Bunte Garne zum Weben der traditionellen Stoffe und für die aufwendigen Stickereien, welche die traditionellen Boubous der Männer sehr edel aussehen lassen. Ein Boubou ist eine Art weiter, luftiger Hosenanzug mit einem langen Überkleid, oft auch einer passenden Kopfbedeckung dazu.

Fertige Stoffe jedoch benötigen die Frauen auch zur Verarbeitung zu Alltagskleidung, die sie dann verkaufen können. Auch Nähmaschinen sind vorsichtig angefragt worden. Vor allem mechanische Nähmaschinen, da es in den ländlichen Sahelregionen natürlich nahezu keinen oder kaum verlässlichen Strom gibt. Eine manuelle Nähmaschine kostet in der Anschaffung 183 Euro, ein Webstuhl zum Fertigen der traditionellen Stoffe kostet ebenfalls 183 Euro, eine elektrische Nähmaschine 381 Euro.

Erzbischof Laurent Lompo, den viele Menschen am Niederrhein seit Jahren von seinen regelmäßigen Besuchen in Kevelaer kennen, sagt: „Die Frauen suchen und benötigen Möglichkeiten, um ihre Familien, ihre Kinder vor allem, zu unterstützen – gerade in diesen Momenten größter Unsicherheiten. Denn sie können ihre Felder auf ihren kleinen Gehöften, von denen sie vertrieben wurden, nicht mehr bewirtschaften.“ Die eigene kleine Landwirtschaft hatte den Frauen und Familien zumindest etwas Nahrungsmittelsicherheit gegeben.

In der Projektgruppe Buamtandi, finden die Frauen durch vielfältige Angebote zur Frauengruppenarbeit (Nähen, Weben, Kleinhandel, Viehzucht, Gemüsegärten, Konservieren von Lebensmitteln) eine große Entlastung, weil sie wieder Hoffnung spüren, ihre Kinder ernähren, kleiden oder medizinisch behandeln lassen zu können.

Und sie können sie in die Schule schicken, so die noch in Funktion ist. Die Grundschule in Torodi, die APH errichtet hat, ständig erweitert und unterstützt, wächst und wächst selbst in dieser unruhigen und gewaltvollen Zeit – vor allem wegen der Kinder aus den geflüchteten Familien. Inzwischen haben unter anderem 55 geflüchtete und 25 einheimische Frauen Arbeit in der Weberei gefunden, insgesamt 69 sind es in der Nähstube, 450 Frauen kümmern sich um den Gemüsegarten.

„Die Frauen, die geflüchtet sind, oft völlig decouragiert und traumatisiert von Terror und Gewalt, sind trotz allem sehr dynamisch, wollen unabhängig sein von Almosen und eigenständig ihr Leben gestalten können in ihren Familien“, berichtet Elke Kleuren-Schryvers. „Das, genau das, lässt sie ihre Freude am Leben wiederfinden. Danke an alle Unternehmerinnen, danke allen Besucherinnen der Frauen-Filmnacht. Ihr schafft etwas Wunderbares, mitmenschliches Encouragement, mitmenschliche Ermutigung zum Leben über Kontinente hinweg.“